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Aus der Stadt A 2: Unterwegs mit den Polizeikontrolleuren
Hannover Aus der Stadt A 2: Unterwegs mit den Polizeikontrolleuren
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00:18 09.07.2018
Trucker Victor Pranovich ist zu dicht aufgefahren und wird nun von Polizeikommissar Christian Berthold überprüft. Quelle: Peer Hellerling
Hannover

 Polizeikommissar Carsten Wilde muss sich einiges anhören, wenn er den Blitzer an der Autobahn aufbaut. An diesem Morgen ruft unter anderem ein Autofahrer „Bastard“. Wilde und sein Kollege Mathias Heinze gehören zur Spezialisierten Verfügungseinheit (SVE) des Zentralen Verkehrsdienstes. Die Experten kümmern sich um jegliche Art von Verkehrsverstößen. Wilde und Heinze stehen am Donnerstag an der Anschlussstelle Lehrte-Ost Richtung Berlin, in der Baustelle gilt Tempo 60. „Die Begrenzung wird überhaupt nicht für voll genommen“, sagt Heinze.

Und tatsächlich: Der Blitzer löst in zügiger Regelmäßigkeit aus. Auf allen drei Spuren sind die Fahrzeuge zu schnell unterwegs. „Bis zu unserer Position gibt es 16 Schilder, die auf das Tempolimit hinweisen“, sagt Wilde. Da könne sich keiner rausreden, er habe es nicht gesehen. Gegen 12 Uhr hat das System bereits rund 300 Raser fotografiert. Der Schnellste: ein Fahrer mit 117 Stundenkilometern. Das macht 280 Euro Strafe, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

Die Polizei Hannover geht mit gezielten Aktionen gegen Verkehrssünder auf den Autobahnen vor. Die Kontrolleure überprüfen das Einhalten von Geschwindigkeiten sowie Abständen und ahnden Überholverstöße.

Gerade die A 2 im Raum Hannover ist laut SVE-Leiter Hartmut Hartke ein „sehr komplexes System“. Es gibt zahlreiche Anschlussstellen und Autobahnkreuze. Hinzu kommen Baustellen und der dichte Verkehr. „Der kleinste Zwischenfall bringt das Ganze durcheinander“, sagt Hartke. Bremst ein Lkw kurz ab, könne das als „Ziehharmonikaeffekt“ weiter hinten schon zum Stau führen.

Nach zwei Minuten der erste Treffer

Angesichts der Verkehrsdichte kontrolliert die SVE auch gezielt die Sicherheitsabstände zwischen den Truckern. Dieses Mal filmen die Beamten von der Teufelsbrücke bei Rodenberg. Thomas Brandt betrachtet das Livebild auf seinem Monitor. „Es ist ein bisschen wie ein Fernsehabend“, scherzt der 43-Jährige, „nur ohne Chips.“ Er pickt sich alle Lkw heraus, die dichter als 50 Meter auffahren. Bereits nach zwei Minuten der erste Treffer: Der polnische Volvo ist nur 15 Meter vom Vordermann entfernt. „Mitunter sieht das so aus, als würden die sich abschleppen“, sagt Brandt. Ein Streifenwagen begleitet den Laster zum Rastplatz Schafstrift.

Ausländische Lastwagen werden herausgezogen, um das Bußgeld sofort einziehen zu können. Deutsche Lkw-Fahrer bekommen ihr Ticket nach Hause. „Bei der Gelegenheit können wir uns die gestoppten Lastwagen aber auch genauer angucken“, sagt SVE-Chef Hartke. Gleich der vierte Sattelzug ist ein Volltreffer. Der polnische Scania fuhr nicht nur zu dicht auf, er hat auch einen durchgerosteten Rahmen und andere technische Mängel – er wird stillgelegt.

„Die Touren sind Stress“

Victor Pranovich hat da mehr Glück. Zwar muss auch er die 105 Euro Strafe für das zu dichte Auffahren bezahlen, aber sonst gibt es nichts zu beanstanden. „Kontrollen sind immer gut“, sagt der 51-jährige Weißrusse, der sechs Wochen lang zwischen Litauen und Frankreich pendelt. Er habe gar nicht mitbekommen, dass er zu dicht aufgefahren sei. „Die Touren sind Stress.“ Die Polizei ahndet am Donnerstag insgesamt 51 Lkw-Abstandsverstöße.

Der Wunsch aller SVE-Beamten: dass sie irgendwann keine Verstöße feststellen. „Alle sollten etwas entspannter, aufmerksamer und toleranter unterwegs sein“, sagt Hartke. Doch die Realität holt die Polizisten bereits um 18.30 Uhr wieder ein. Bei Garbsen prallt ein Kleintransporter ungebremst ins Heck eines Sattelzugs, der Fahrer stirbt. Offenbar hatte der 53-Jährige das Stauende übersehen.

Hannovers Autobahnen in Zahlen

330 Kilometer Autobahn fallen in die Zuständigkeit der Polizei Hannover. Die Beamten sind auf der A 2, 7, 37 und 352 unterwegs. Nach Angaben der Ermittler sind darauf täglich rund 120.000 Fahrzeuge unterwegs, davon allein bis zu 40.000 Lkw. Im vergangenen Jahr gab es auf den Autobahnen 3301 Unfälle mit 612 Verletzten und acht Toten. 2018 starben bereits elf Personen.

Fast 2000 Verkehrssünder hat die Spezialisierte Verfügungseinheit in den Sommerferien bereits überführt – die Mehrzahl davon waren Raser. Doch auch rund 150 zu dicht auffahrende oder trotz Verbotsschilder überholende Lkw waren darunter. Beides gehört laut Polizei zu den Hauptunfallursachen auf den Autobahnen.

Von Peer Hellerling

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