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Aus der Stadt Autos oder Räder? Hannovers Bürger entscheiden künftig mit, wer vor ihrem Haus parkt
Hannover Aus der Stadt

Autos oder Räder? Hannovers Bürger entscheiden künftig, wer vor ihrem Haus parkt

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13:07 22.11.2019
Fahrräder und Autos stehen geparkt in der Nordstadt. Wenn die Hausbewohner das wünschen, haben Fahrräder in Zukunft Vorrang vor den Autos. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Parkplätze für Fahrräder auf Kosten von Stellflächen für Autos? In dicht besiedelten Stadtvierteln mit vielen Mehrfamilienhäusern ist das schwer vorstellbar. Und doch gibt es dafür jetzt eine Grundlage. Anwohner können künftig auf Wunsch öffentliche Parkplätze vor Mehrfamilienhäusern umwidmen und mit Fahrradbügeln ausstatten lassen – sofern ein Antrag der Hausgemeinschaft gestellt wird. Koordination und Kosten übernimmt die Stadt. Ein paar Voraussetzungen müssen allerdings erfüllt sein.

Team der Verwaltung rückt aus

Dazu gehören „ein nachvollziehbarer Bedarf an Fahrradbügeln im öffentlichen Raum an der konkreten Stelle sowie die Verfügbarkeit einer Fläche“, wie Stadtsprecherin Michaela Steigerwald erklärt. Das bedeutet: Vor Ort muss offensichtlicher Mangel an Abstellplätzen für Räder herrschen und es muss einen Parkplatz geben, der umgewidmet werden kann. Dort werden dann später Parkverbotsschilder angebracht. „Sobald ein berechtigtes und nachvollziehbares Interesse besteht und wenn nach erster Sichtung anhand Karte und Luftbild Potenziale für eine Umsetzung gesehen werden, rückt ein Team der Verwaltung aus, um die Gegebenheiten vor Ort zu prüfen“, so Steigerwald.

Gibt es hier in der Nordstadt einen „offensichtlichen Mangel“ an Fahrradstellplätzen, wie die Stadt verlangt? Und könnte einer der Autoparkplätze umgewidmet werden? Quelle: Irving Villegas

Den Ausschlag für dieses Angebot, das laut Verwaltung für das gesamte Stadtgebiet gilt, hat ein Antrag von SPD und Grünen im Bezirksrat Vahrenwald-List aus dem Juni gegeben. Die Stadtteilpolitiker fordern darin die Verwaltung auf, im öffentlichen Raum mehr Abstellmöglichkeiten für Räder zu anzubieten.

Die Verwaltung hat in der jüngsten Sitzung des Gremiums auf Nachfrage der SPD-Fraktion reagiert. „Die Verwaltung hat dem Anliegen des Bezirksrats entsprochen, dass Einwohner öffentliche Stellflächen vor ihrem Haus mit Fahrradbügeln ausstatten dürfen“, erklärte Bezirksratsbetreuer Peter Meyer. Anträge könnten nun schriftlich per Mail an die Adresse fb-tiefbau.sondernutzung@hannover-stadt.de gestellt werden. Von dort werde alles Weitere koordiniert wie etwa ein Ortstermin mit Straßenplanern, der Verkehrsbehörde, Radverkehrsbeauftragten und der Polizei.

Kostenfreie Radbügel vor der Haustür

Die neuen Abstellmöglichkeiten sind zudem kostenfrei. „Da die Radbügel der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, müssen sie nicht von den Bürgern bezahlt werden“, betont Meyer. Die Verwaltung weise in diesem Zusammenhang allerdings darauf hin, dass die Umwandlung von Autoparkplätzen vor einem Mehrfamilienhaus nicht automatisch eine Reservierung der Bügel nur für die Bewohner des beantragenden Mehrfamilienhauses bedeuteten.

An der Egestorffstraße sind die vorhandenen Fahrradbügel stets belegt, darum fordert der Bezirksrat nun neue. Quelle: Juliane Kaune

„Mit dieser Entscheidung kann der Bürger die Verkehrswende persönlich und vor seiner Haustür unterstützen“, erklärt Thomas Bechinie als Antragsteller der SPD-Fraktion im Bezirksrat. Vor allem in dicht bevölkerten Stadtteilen gebe es zunehmend Probleme, Fahrräder sicher abzustellen und auch anzuschließen. „So stehen dutzendweise Räder an Zäunen, Laternen oder vor Kellergittern“, sagt Bechinie. Auf einem Stellplatz für Autos könnten rund fünf Bügel für zehn Räder installiert werden. Auch andere Bezirksräte wollen das Thema besprechen, „die Entscheidung liegt aber letztendlich bei der Stadt“, betont der Fraktionsvorsitzende. Seine Vision ist es, bis 2030 die Hälfte der Stellplätze im Stadtbezirk Vahrenwald-List abzuschaffen. „Wir wollen die Radinfrastruktur stärken.“

Bürger können beantragen, dass Parkplätze vor Mehrfamilienhäusern in Stellplätze für Fahrräder umgewandelt werden. Eine gute Idee?

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Straßenraum ist begrenzt

Im Mai dieses Jahres wurde das Thema bereits im Bezirksrat Mitte verhandelt – wenngleich mit anderem Schwerpunkt. Die Grünen forderten, oberirdische Autoparkplätze, die sich in der Nähe von Parkhäusern befinden, als Stellflächen für Fahrräder auszuweisen – da die Parkhäuser oft nicht ausgelastet sind. Vor allem rund um den Hauptbahnhof aber auch am Hohen Ufer fehlt es laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) an Abstellmöglichkeiten für Radfahrer. ADFC-Vorstandsmitglied Dirk Hillbrecht betonte, dass der Straßenraum begrenzt und der Vorschlag, Parkplätze in Radstellflächen umzuwandeln, der richtige Weg sei.

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Von Susanna Bauch

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