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Aus der Stadt Hannovers größtes Architekturbüro wird 50 Jahre alt
Hannover Aus der Stadt Hannovers größtes Architekturbüro wird 50 Jahre alt
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06:00 18.09.2018
Seit 2002 mit neuen Chefs (v. li.): Jan Grabau, Michael Ronczka und Thomas Obermann. Das mittlere Modell ist Hannovers Messehalle 8.
Seit 2002 mit neuen Chefs (v. li.): Jan Grabau, Michael Ronczka und Thomas Obermann. Das mittlere Modell ist Hannovers Messehalle 8. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Wer mit offenen Augen durch Hannover läuft, kommt an den Produkten dieses Architekturbüros nicht vorbei. BKSP hat an vielen Stellen die Stadt verändert – und auch überregional zahlreiche Spuren hinterlassen. In dieser Woche wird die Ideenschmiede mit dem kuriosen Großbuchstabennamen, der noch aus der Zeit der Gründergeneration stammt, 50 Jahre alt.

Neubauten am Marstall, am Klagesmarkt oder am Aegi: Das Architekturbüro BKSP hat die Stadt geprägt. Auch mit den älteren Gebäuden, etwa dem Bredero-Hochhaus. ASndere sind schon abgerissen.

Ob der helle Deloitte-Sandsteinbau am Aegi oder der neue Hanova-Sitz am Klagesmarkt im Backsteinstil, ob die gläserne VHV-Zentrale hinter Pelikan oder Wohnhäuser wie der Neubau am Marstall mit den verspielt-goldenen Fenstereinfassungen: In den vergangenen Jahren hat die neue Chef-Generation in dem Büro frische Akzente gesetzt. Dabei stand BKSP in den ersten Jahren öffentlich vor allem für monumentale Verwaltungsbauwerke. Die Gründungsväter Dieter Bahlo, Jörn Köhnke, Klaus Stosberg, deren Initiale sich zum Büronamen (mit: Partner) addierten, standen ab 1968 für den Aufbruch in der Architektur Hannovers.

Der Auftakt damals war furios: Bahlsen wollte sich einen neuen Verwaltungssitz bauen und lobte einen Wettbewerb aus, den das junge Team gewann. Die drei Gründungspartner waren damals Anfang 30 – und erhielten trotzdem den Zuschlag. „Heute wäre so etwas fast undenkbar“, sagt Jan Grabau, einer der drei aktuellen BKSP-Geschäftsführer: „Das wäre so, als wenn Continental 30-jährigen Architekten den Bau ihrer neuen Zentrale am Pferdeturm zutrauen würde.“ BKSP errichtete am Mittellandkanal ein zeittypisch wabenförmiges, braun eloxiertes Gebäude mit Großraumbüros. Es ist inzwischen abgerissen und dem Wohngebiet Lister Blick gewichen. Auch die ehemalige AOK-Zentrale am Pferdeturm stammte von BKSP, auch dieses Gebäude ist verschwunden. Andere haben die Zeit überdauert: das Bredero-Hochhaus an der Raschplatz-Hochstraße etwa. Heute mag kaum noch jemand diese betongeprägte Architektursprache des Brutalismus leiden, als Zeitdokument aber thront der Bau stolz über Hannovers Innenstadt und wird jetzt modernisiert.

Für eine Stadt wie Hannover mit seinen eher kleinen Architekturschmieden ist BKSP ein Büro der Superlative. An mehr als 600 Wettbewerben hat die Planerwerkstatt teilgenommen, davon bei 70 den ersten Preis gewonnen und bei 210 immerhin Platzierungen erreicht – „angesichts von teils 120 Mitbewerbern in offenen Wettbewerben ein echter Erfolg“, sagt Mitgeschäftsführer Thomas Obermann. Insgesamt gut 500 Mitarbeiter haben in den 50 Jahren bei BKSP gearbeitet. Hochzeit waren die Neunziger: In Hannover wurde massenhaft für die Expo gebaut, auch im deutschen Osten mischte BKSP nach der Grenzöffnung vielfach mit. 120 Mitarbeiter zählte BKSP damals. Danach wurde etwas heruntergefahren, doch mit aktuell 51 Mitarbeitern ist BKSP auch heute noch das größte Architekturbüro Hannovers.

„BKSP Grabau Obermann Ronczka“, wie das Büro heute heißt, sitzt in der Freundallee und hat in den 50 Jahren des Bestehens etliche Auszeichnungen für seine Bauten eingefahren. „Die größte Auszeichnung aber ist die Zufriedenheit von Bauherrn“, sagt Mitgeschäftsführer Michael Ronczka. Wie etwa Ende August: Als da der neueste BKSP-Bau eröffnet wurde, das mit Kupfer verkleidete Entwicklungszentrum des Autozulieferers Wabco am Lindener Hafen, da platzte es aus dem Deutschland-Chef Jürgen Heller heraus: „I just love this buildung“ („Dieses Gebäude liebe ich einfach“). Was kann man als Architekt mehr erwarten?

Von Conrad von Meding