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Aus der Stadt Ein Brötchen gibt es künftig nur mit Kassenbon
Hannover Aus der Stadt

Bäcker in Hannover verärgert: Ein Brötchen gibt es künftig nur mit Kassenbon

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08:54 21.11.2019
Künftig wird für jeden Kauf ein Kassenzettel fällig, ob der Kunde will oder nicht. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Eine Gesetzesänderung sorgt unter hannoverschen Geschäftsleuten für erhebliche Unruhe. Zum 1. Januar kommenden Jahres müssen alle Geschäfte ihren Kunden die Kassenbons ausdrucken, auch wenn diese die Zettel gar nicht haben wollen. Die Regelung gilt zum Beispiel auch in Bäckereien, Eisdielen und Kiosken, wo es oft nur um Kleinbeträge geht.

„Das ist völliger Blödsinn“

Das sei „völliger Blödsinn, dass ich dann für jedes Brötchen zum Preis von 35 Cent einen Kassenzettel ausdrucken muss“, sagt der Obermeister der Bäckerinnung Hannover, Cord Buck. Ständig kämen für die Bäcker neue Vorschriften hinzu, die keinen Sinn machten, betont er. Inzwischen beschäftige er in seinem Betrieb mit 16 Mitarbeitern, eine Mitarbeiterin, die sich fast ausschließlich um die Einhaltung und Dokumentation der unterschiedlichen Gesetze und Verordnungen kümmere. Er wisse von zwei Bäckereien in der Region Hannover, die zum Jahresende wegen des Verordungswusts schließen würden.

Die sogenannte Kassensicherungsverordnung soll Steuerbetrügereien verhindern. Zu der Verordnung gehört nicht nur die Pflicht einen Bon auszudrucken, sondern neue elektronische Sicherheitseinrichtungen für die Kassen.

Zwei Millionen Kilometer Kassenbons pro Jahr

„Die Kassen können heute schon vom Finanzamt geprüft werden“, sagt Bäckermeister Klaus Borchers aus Hannover. Die Prüfer könnten sogar zehn Jahre zurückliegende Vorgänge in den Kassen verfolgen, und dann auch jeden einzelnen Bon ausdrucken. Borchers schätzt, dass über 90 Prozent seiner Täglich rund 2000 Kunden gar keinen Bon wollten. „Aber wir müssen unbedingt das Thermopapier ausdrucken“, sagt er. Der Handelsverband Deutschland prognostiziert, dass durch die Bonpflicht bundesweit jedes Jahr zwei Millionen Kilometer Kassenbons zusätzlich ausgedruckt werden.

Ihrem Ärger machten rund 60 Bäcker aus ganz Niedersachsen am Mittwochvormittag vor dem Landtag Luft. Sie verteilten an Landtagsabgeordnete und Passanten Brötchentüten, auf denen detailliert aufgelistet ist, wie viel Zeit ein Betrieb inzwischen in welchen bürokratischen Akt investieren muss.

Bonpflicht ist reine Papierverschwendung“

Das niedersächsische Finanzministerium kann die Kritik nachvollziehen. Allerdings seien dem Land in der Vergangenheit durch manipulierte Kassen nennenswerte Beträge entgangen, sagt ein Ministeriumssprecher. Konkrete Zahlen könne er nicht nennen, es bestehe aber dringender Handlungsbedarf.

Auch aus der Sicht von Oliver Ohnesorge ist die Bonpflicht reine Papierverschwendung. „Es müsste andere Lösungen geben, zum Beispiel auf digitaler Basis“, sagt Ohnesorge, der im Kiosk Rohmeyer in der Jordanstraße arbeitet. Grundsätzlich sei es gut, dass die Finanzbehörden dafür sorgten, dass alle Steuern auch bezahlt werden. „Das ist aber nicht der richtige Ansatz“, betont er.

Bon auch für Brausestange zum Preis von 5 Cent

Ohnesorge wird ab dem 1. Januar jeden Bon ausdrucken, auch wenn ein Kind eine Brausestange für 5 Cent kauft. Er hofft, dass dann die Kunden der Geschäfte Druck auf die Politik machen und die Abschaffung der Bonpflicht verlangen.

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