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Aus der Stadt 1000 Trecker legen am Dienstag Verkehr in der Innenstadt lahm
Hannover Aus der Stadt

Bauern-Großdemo: 1000 Trecker legen am Dienstag Verkehr in Hannover lahm

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08:57 21.10.2019
Bereits im April dieses Jahres waren rund 400 Bauern nach Hannover gekommen, um vor den Herrenhäuser Gärten gegen die neue Düngeverordnung zu protestieren. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Die Bewegung Land schafft Verbindung ruft für Dienstag zu einer Großdemonstration der Bauern in Hannover auf. Der Protest ist ein regionaler Ableger der Hauptdemonstration, die am selben Tag in Bonn stattfinden soll. In der niedersächsischen Landeshauptstadt werden 1000 Trecker erwartet, die aus mehreren Umlandgemeinden sternförmig zum Maschsee aufbrechen. Mindestens acht Stunden lang rechnet die Polizei daher mit massiven Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt.

„Die permanente negative Stimmungsmache – das Bauern-Bashing – führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand“, sagt Henriette Struß von Land schafft Verbindung in Hannover. „Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung.“ Durch diese öffentliche Kritik „verliert der Beruf des Landwirts sein Attraktivität“, sagt Struß. Deshalb wollen sich die Bauern nun bundesweit Gehör verschaffen und gemeinsam zu Zehntausenden auf die Straße gehen.

Sternfahrt aus dem Umland nach Hannover

In der Region Hannover plant die Bewegung Sternfahrten von mindestens sechs Kommunen aus in die Landeshauptstadt: Startpunkte sind nach jetzigem Stand Sehnde, Burgdorf, Wennigsen, Garbsen, Gehrden und Bissendorf. Nach Polizeiangaben ist zudem ein Treck aus Giesel (Kreis Hildesheim) geplant. Die Behörde rechnet daher von 10 bis 18 Uhr mit massiven Verkehrsbehinderungen: „Angezeigt sind insgesamt 1000 Fahrzeuge“, sagt Sprecher Mirco Nowak. Die konkreten Routen der Sternfahrt stehen allerdings noch nicht fest.

Weil die Traktoren aber die Hauptstraßen nutzen werden, „müssen sich alle Verkehrsteilnehmer auf lange Wartezeiten einstellen“, sagt Nowak. Die Polizei empfiehlt daher den Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr. Die Landwirte haben das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer als Ziel, das während der Demo voll gesperrt wird. Die Bewegung plant zudem von 11 bis 14 Uhr eine Kundgebung am Nordufer des Maschsees, für Gespräche sind Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) eingeladen.

Kritik am Agrarpaket des Bundes

Abgesehen vom öffentlichen Bauern-Image gibt es Kritik am Agrarpaket der Bundesregierung: Laut Niedersachsens Landvolkvizepräsident Ulrich Löhr stehe es „im direkten Widerspruch zu Forderungen nach noch mehr Nachhaltigkeit“. Im Klimapaket sei die Rede davon, den Humusgehalt der Böden zur CO2 -Speicherung zu steigern. „Diesen Auftrag erfüllen wir bereits seit jeher aus eigenem Interesse, denn ein höherer Humusgehalt geht natürlich mit einer höheren Bodenfruchtbarkeit einher“, sagt Löhr. Im Agrarpaket soll den Landwirten nun aber die Möglichkeit des Düngens mit sogenannten Zwischenfrüchten wie Senf genommen werden, um Humus anzureichern.

Aber auch die Verschärfung der Düngeverordnung wegen steigender Nitratwerte im Grundwasser sorgt für Verstimmung. Denn in den Augen der Landwirte führen die neuen Vorgaben nicht zu einer besseren Umwelt. „In den sogenannten roten Gebieten schadet das dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt“, sagt Struß. Bereits im April hatten aus diesem Grund rund 400 Landwirte vor den Herrenhäuser Gärten protestiert.

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Von Peer Hellerling

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