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Aus der Stadt Ist dieses Haus zu hässlich für Hannover?
Hannover Aus der Stadt Ist dieses Haus zu hässlich für Hannover?
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00:20 09.02.2019
Der Entwurf für einen Neubau der Genossenschaft Gartenheim an der Pelikanstraße 8 in der List. Die Ratsmehrheit im Bauausschuss hat die Pläne jetzt abgelehnt. Quelle: Kozjak Architektur
Hannover

Darf die Politik trotz Wohnungsmangel Neubaupläne aus ästhetischen Gründen ablehnen? Die Ratsmehrheit sagt ja und unterbndet ein ungewöhnliches Bauprojekt der Genossenschaft Gartenheim in der List. Zu hoch und zu hässlich sei der Bau, finden SPD, Grüne und FDP. Von der Opposition gibt es harsche Kritik. Über Geschmack ließe sich streiten – ein Verbot aber gehe zu weit, heißt es bei CDU, Linken und AfD.

Retourkutsche wegen „Affenzirkus“-Vorwurf?

Gartenheim war lange ein innovatives Wohnungsunternehmen, mit seinem etwas esoterischen Vasati-Wohnprojekt an der Hildesheimer Straße hat Vorstand Günther Haese schon 2005 Akzente im Wohnungsbau gesetzt, lange vor der Konkurrenz. Allerdings gilt der Manager auch als exzentrisch und polternd. Mit dem Verkauf Hunderter Genossenschaftswohnungen an Investoren hat er sich im Jahr 2000 viele Feinde gemacht, ab 2012 auch mit verbalen Ausfällen gegen die Baupolitik in Hannover („Affenzirkus“) nicht minder. Zuletzt hatte er angekündigt, in Hannover gar nicht mehr bauen zu wollen. Davon nimmt Haese offenkundig Abstand – und manch einer vermutet, dass er jetzt eine Retourkutsche aus dem Rathaus bekommt.

Ungewöhnlich sind die Entwürfe der Genossenschaft Gartenheim für den Neubau in der Pelikanstraße. Und über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Aber Gartenheim ist bekannt für ungewöhnliche Projekte in Hannover.

In der List, im Bereich Pelikanstraße/Trojanstraße, besitzt die Genossenschaft mehrere Nachkriegsgebäude. Dort will Haese auf dem Grundstück eines alten Garagenhofs mit undichter Tiefgarage im Zuge einer sogenannten Nachverdichtung ein ungewöhnliches Projekt bauen. Auf einer Tiefgarage sollen sich drei Baukörper erheben, der mittlere als sechsgeschossiger Bau mit Metallfassade, der 18 Wohnungen beherbegt. Dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden – und darüber darf die Ratspolitik entscheiden.

Hochhaus im Pelikanviertel gescheitert

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke erinnerte im Bauausschuss daran, dass die Firma Gundlach unweit davon ein Hochhaus errichten wollte und viel Gegenwind von Anwohnern erfuhr – aus dem Hochhaus wurde nichts. Ob die 18 Wohnungen auf dem Grundstück Pelikanstraße nicht auch in flacherer Bauweise Platz fänden, wollte Engelke von Stadtplaner Andreas Zunft wissen, was dieser bestätigte. „Wenn das so ist, dann werde ich dagegen stimmen“, kündigte Engelke an. „Hannoveraner“-Ratsherr Gerhard Wruck staunte: Ob die Stadt mit Gartenheim über den Plan gesprochen habe, wollte er wissen. Stadtbaurat Uwe Bodemann entgegnete: „Das ist so beantragt worden, also müssen wir das hier so vorlegen.“

Der SPD-Ratsherr Kelich begrüßte es zwar, dass Wohnungen geschaffen werden sollen, städtebaulich agiere Gartenheim hier aber „wie die Axt im Walde“. Grünen-Baupolitikerin Elisabeth Clausen-Muradian sprach von einem „Monstrum“ und fragte, ob Gartenheim mit den Nachbarn gesprochen habe. Bodemann klärte auf: Die Gebäude in der Nachbarschaft sind Gartenheim-Eigentum. „Manchmal muss man die Anwohner schützen“, befand Engelke. Allerdings bestätigte Planer Zunft, dass der benachbarte Turm des historischen Pelikan-Quartiers 8,5-geschossiges ist – der Neubau wäre also nicht der höchste Punkt.

„Ein Bauherr, der etwas ausprobieren will“

Vergeblich argumentierte CDU-Ratsfrau Georgia Jeschke: „Wir haben hier einen Bauherrn, der etwas ausprobieren will, auch mit anderen Materialien“, das sei etwas, was sie sich „etwa in der Hamburger Hafen-City gerne angucke“. Oliver Förste („Die Partei“) lästerte, die FDP-Position fände er „nicht sehr liberal, anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu bauen haben“. Und Dirk Machentanz (Linke) sagte, angesichts des Wohnungsmangels „könnte da von mir aus auch ein Achtgeschosser hin“.

„Pflicht zur Stadtgestaltung“

Der Bauausschuss habe auch die Pflicht zur Stadtgestaltung, sagten SPD-Mann Kelich und Grünen-Ratsfrau Clausen-Muradian. Mit den Stimmen der Ratsmehrheit wurde das Projekt abgelehnt.

Gartenheim-Chef: Ich muss ja nicht bauen

Gartenheim-Chef Günter Haese reagierte am Mittwochabend erstaunt. Nach seinen Angaben war ursprünglich die Stadt auf ihn zugekommen mit der Frage, ob er nicht auf dem Grundstück Pelikanstraße 8 Wohnungen bauen wolle. „Die dachten aber an 50 Wohnungen – das wäre hässlich geworden“, sagt er: „Wenn ich baue, dann etwas Besonderes.“ Die Ablehnung lasse ihn kalt. „Ich muss ja nicht bauen“, sagt Haese. Gartenheim ist mit gut 4000 Wohnungen eine der größeren Genossenschaften in Hannover.

Von Conrad von Meding

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