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Aus der Stadt Wertlose „Geldanlage“: Frau aus Hannover zahlt 11.000 Euro für zwei Billigteppiche
Hannover Aus der Stadt

Betrüger: Frau aus Hannover zahlt 11.000 Euro für zwei Billigteppiche

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14:01 02.01.2020
Die Teppichbetrüger übergaben der Geschädigten sogar ein vermeintliches Echtheitszertifikat für ihre 11.000-Euro-Teppiche. Das böse Erwachen kam erst, als ein Gutachter genauer hinsah. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Lange hat sie mit sich gerungen, hat sich schwere Vorwürfe gemacht und sich die Schuld an ihrer Situation gegeben. Auch heute noch fällt es Brigitte Berndt (Name von der Redaktion geändert) nicht leicht, davon zu berichten, wie sie auf die Tricks von Teppichbetrügern hereingefallen ist. Doch trotz der Scham über die Tatsache, dass sie ihre gesamten Ersparnisse Verbrechern übergeben hat, überwiegt jetzt bei der ehemaligen Angestellten eine andere Haltung: „Ich will, dass das aufhört“, sagt sie im Gespräch in ihrer Wohnung in Hannover. Denn die Täter, die ihr 11.000 Euro abgetrickst haben, gehen weiterhin ihren hinterhältigen Geschäften nach. Selbst die Polizei scheint bisher machtlos.

Berndts Geschichte begann im September 2016. Damals wollte sie einen wertvollen Orientteppich reinigen lassen. Sie beauftragte eine Firma, die damals in Langenhagen ihren Sitz hatte und heute in Hannover residiert. Die erste Überraschung erlebte sie, als der Teppich für die Reinigung abgeholt werden sollte. „Da kamen drei Männer in meine Wohnung und hatten jede Menge andere Orient-Teppiche dabei“, sagt Brigitte Berndt.

Händler drängen Opfer zum Kauf

„Garantiert handgeknüpft“: Die angeblichen Luxusteppiche sind in Wirklichkeit nur ein paar Hundert Euro wert. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Teppichhändler rückten ohne zu zögern die Möbel im Wohnzimmer beiseite, legten ihre Waren aus und boten ihr die angeblich wertvollen Brücken zu günstigen Preisen an. „Sie waren unglaublich freundlich, gut gekleidet und hatten eine sehr manipulative Art“, sagt die ehemalige Angestellte. Lehnte sie ein Angebot ab, machten die Männer neue Vorschläge. „Ich hatte plötzlich das Gefühl: Die hören nie auf, die machen immer so weiter und ich werde sie nie los, es sei denn, ich hätte meine gute Kinderstube vergessen“, sagt die Frau.

Lange vor dem Besuch der angeblichen Teppichreiniger hatte sich Berndt bereits Gedanken über ihre Altersvorsorge gemacht. Sie plante seit geraumer Zeit, ihre Ersparnisse mit Gewinn anzulegen und dennoch relativ schnell wieder an Bargeld kommen zu können. „Ich kümmere mich um meine Mutter, da weiß man nie, was passieren kann“, sagt sie. Als die Teppichhändler ihr Opfer so bedrängt hatten, dass sie nicht mehr klar denken konnte, willigte die Frau schließlich in ein Geschäft mit den Männern ein. Brigitte Berndt kaufte zwei angeblich wertvolle Brücken für insgesamt 11.000 Euro. Den alten Teppich, der eigentlich gereinigt werden sollte, nahmen sie für 3000 Euro als Anzahlung. Die übrigen 8000 Euro gab sie ein paar Tage später in dem Langenhagener Geschäft ab. Dafür bekam sie von den Betrügern zwei Zertifikate, die angeblich die Echtheit und die Qualität der Teppiche belegen sollten.

Gutachter erkennt billige Teppiche

Als sie nach etwas mehr als zwei Jahren die beiden Teppiche wieder verkaufen wollte, weil sie das Geld benötigte, erlebte Berndt ein böses Erwachen. Um zu erfahren, wie sehr die beiden Brücken im Wert gestiegen waren, ließ sie sich von einem Gutachter eine Expertise erstellen. 600 Euro bezahlte sie für die Untersuchung der angeblich so wertvollen Teppiche. „Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass beide Teppiche insgesamt höchstens ein paar Hundert Euro wert waren“, sagt Berndt.

Auch die Strafverfolger haben es bislang schwer, den Betrügern auf die Schliche zu kommen. Auf HAZ-Anfrage bestätigt die Staatsanwaltschaft Hannover, dass sie bereits seit Monaten gegen drei Männer ermittelt. Es handle sich um zwei 27-Jährige und einen 55 Jahre alten Mann. „Mitte Dezember gab es schließlich zwei Durchsuchungen in Hannover und Krefeld“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Von dort aus sollen die Verdächtigen ihren momentanen Geschäften nachgegangen sein. Nur: „Wir konnten nichts finden.“ Die Krefelder Adresse sei zudem veraltet gewesen, das Gebäude verlassen.

Aufenthaltsort der Verdächtigen unklar

Das passt zur Masche der mutmaßlichen Betrüger. Sie lassen sich für gewissen Zeit an einem Ort nieder, um dann irgendwann weiterzuziehen und unter neuer Adresse weiterzumachen. Laut Klinge dauern die Untersuchungen gegen die drei Männer aber weiter an. „Es soll mehrere Fälle von Betrug geben“, sagt er. Wo sich die Verdächtigen derzeit allerdings aufhalten, ist laut Klinge unklar. Aber: Sie scheinen zu wissen, dass die Ermittler ihnen auf der Spur sind. Nach den Durchsuchungen habe sich ein Anwalt bei der Polizei gemeldet. Wie es nun weitergeht, ist offen.

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