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Aus der Stadt Bezirksrat: Hindenburgstraße soll Namen verlieren
Hannover Aus der Stadt Bezirksrat: Hindenburgstraße soll Namen verlieren
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00:21 24.08.2018
Diese Straßenschilder am Waldrand sind bald Geschichte. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Die Hindenburgstraße im Zooviertel soll nach dem Willen des Bezirksrats Mitte ihren Namen verlieren. Das Gremium votierte am Montag mehrheitlich für einen SPD-Antrag, die Straße am Rand der Eilenriede umzubenennen. Infotafeln sollen über die Hintergründe der Namensänderung aufklären, ein neuer Name wird per Bürgerbeteiligung gesucht. Die elf Ja-Stimmen für den Antrag kamen von SPD, Grünen, Linken-Vertreter Axel Hogh sowie Gunda Pollock-Jabbi (parteilos). Dagegen votierten die Bezirksratspolitiker von CDU und FDP sowie der Piraten-Vertreter Jürgen Junghänel. Der Beschluss ist bindend, kann aber von der Stadt noch revidiert werden.

„Schwerwiegende Kriegsverbrechen“

Michael Sandow (SPD) bezeichnete den ehemaligen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934) als Gegner der Demokratie, als „Verbrecher“, der der Willkürherrschaft der Nationalsozialisten Tür und Tor geöffnet habe. Schon im Ersten Weltkrieg, so steht es im SPD-Antrag, sei Hindenburg für „schwerwiegende Kriegsverbrechen“ verantwortlich gewesen. Mit der Dolchstoßlegende habe er die Axt an die Weimarer Demokratie gelegt, später die Machtergreifung der Nazis massiv befördert: durch die Auflösung des Parlaments 1930, die Einsetzung von Präsidialkabinetten, die Unterzeichnung der Reichtagsbrandverordnung oder die Wahlwerbung zugunsten Adolf Hitlers 1933. „Wir möchten nicht, dass eine der schönsten Straßen Hannovers nach diesem Mann benannt wird“, sagte Sandow. Der Beirat „Wissenschaftlicher Betrachtung namensgebender Persönlichkeiten in Hannover“ hatte der Stadt bereits vor drei Jahren empfohlen, die Hindenburgstraße neben neun weiteren Straßen und Plätze umzubenennen.

Mehrere Änderungsanträge anderer Parteien fanden keine Mehrheit. So wollte die CDU eine Anhörung zur historischen Einordnung von Hindenburg erwirken. „Es ist durchaus umstritten, in welchem Maße er Schuld hatte an der Machtergreifung der Nazis“, sagte Christdemokrat Joachim Albrecht. Außerdem habe der Reichspräsident in Hannover gewohnt. Erfolglos blieb auch der FDP-Antrag, im Zooviertel eine Anwohnerbefragung durchzuführen, ob überhaupt eine Umbenennung der Straße gewünscht wird. Sehr wahrscheinlich, so der Fraktionsvorsitzende Rolf Schmidt, würde sich eine große Mehrheit dagegen entscheiden. Und schließlich wurde auch das Ansinnen des Piraten-Vertreters abgelehnt, die alten Straßenschilder hängen zu lassen, aber mit Legendenschildern auf einige Stationen von Hindenburgs politischem Lebensweg hinzuweisen. „Der Straßenname ist für viele Anlieger Heimat geworden, warum soll man ihn nach so langer Zeit ändern?“, fragte Junghänel.

„Für ein weltoffenes Hannover

„Wir tun das für die nächste Generation, die für ein friedliches und weltoffenes Hannover steht“, antwortete Christoph Baathe (Grüne). Seine Fraktionskollegin Reinhilde Muschter wies darauf hin, dass es eine Ehrung sei, mit seinem Namen auf einem Straßenschild verewigt zu werden – und das habe Hindenburg nicht verdient. Mit diesem Namen „beschäme“ man die Stadt, assistierte Gunda Pollok-Jabbi.

Auch wenn der Name Hindenburg über kurz oder lang aus dem Zooviertel (von manchen noch Hindenburgviertel genannt) verschwindet – der Generalfeldmarschall ist noch an anderen Stellen in der Stadt präsent. Es gibt die Hindenburgschleuse, deren Bezeichnung laut dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Martin Hoffmann nicht mehr zur Disposition steht. Und es existiert in Anderten die kleine Straße „Zur Hindenburgschleuse“. „Wird die jetzt auch umbenannt?“, fragte Joachim Albrecht. Doch dies dürfte in der Diskussion um die Umwidmung von Straßennamen erst einmal eine untergeordnete Rolle spielen – zunächst gilt es, per Bürgerbefragung einen neuen Namen für die repräsentative Hindenburgstraße im Zooviertel zu finden.

Von Michael Zgoll

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