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Aus der Stadt Bruno Gill hört nach 19 Jahren im Bezirksrat auf
Hannover Aus der Stadt Bruno Gill hört nach 19 Jahren im Bezirksrat auf
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00:19 01.05.2019
Bruno Gill, SPD, verabschiedet sich nach langen Jahren aus dem Bezirksrat Vahrenwald-List. Quelle: Villegas
Vahrenwald

Er ist Genosse, Netzwerker und (Ehrenamts-)Politiker durch und durch. Aber mit der Arbeit im Bezirksrat verbindet Bruno Gill besonders viel. „Im Bezirksrat Vahrenwald-List habe ich wieder das Sprechen gelernt.“ Die Sprache hatte ihm zuvor ein Schlaganfall verschlagen, im sublokalen Gremium hat Gill wieder Worte gefunden und ist auch buchstäblich wieder auf die Beine gekommen.

Als Fraktionsvorsitzender der SPD konnte sich der engagierte Hannoveraner keine Pausen leisten. „Es gab immer jede Menge zu tun, außerdem wollte ich unbedingt verhindern, dass noch mehr Stadtteilpolitiker aus der List im Gremium sitzen“, sagt Gill. Vahrenwald sei im Bezirksrat definitiv unterrepräsentiert, und für seinen Stadtteil macht sich der 58-Jährige seit jeher stark. 23 Jahre lang ist der gelernte Üstra-KFZ-Schlosser in seiner Partei, seit 2001 sitzt er im Bezirksrat, die meiste Zeit davon als Fraktionsvorsitzender. Ende April ist jetzt Schluss, die letzte Sitzung ist für ihn gelaufen. „Ich habe noch so viel in Sachen Ratspolitik zu tun, ich schaffe es einfach nicht mehr“, sagt Gill, der als Ratsherr personlapolitischer Sprecher seiner Partei ist, im Oberbürgermeister- und Jugendhilfeausschuss sitzt und mit für Europapolitik zuständig ist.

Erfolgreicher Einsatz für die Grundschule

Zu Partei und Politik ist Gill aus ganz persönlichen Gründen gekommen. „In den neunziger Jahren sollten wegen Kindermangel Grundschulen geschlossen werden, darunter auch die am Glücksburger Weg in Vahrenwald.“ Genau dort aber wollten Sabine und Bruno Gill ihre Tochter einschulen lassen. „Nur ein SPD-Ratsherr hat damals für den Verbleib gekämpft; dem habe ich mich kurzerhand angeschlossen.“ Mit Erfolg, die Schule ist bis heute bestens ausgelastet, wie alle anderen Einrichtungen im Stadtbezirk. Schule und Kindergärten haben Gill in seiner politischen Arbeit immer besonders am Herzen gelegen. „Da haben wir auch eine Menge auf die Beine gestellt“, betont Gill. Er erzählt von 1000 Anträgen in den vergangenen 15 Jahren. „Wenn man etwas will, muss man auch etwas machen.“

Untätig zu sein ist für Bruno Gill nie in Frage gekommen. Bei der Üstra hatte er sich ständig weitergebildet, wurde nach der Softwareeinführung schließlich Abteilungsleiter, bis der Schlaganfall ihn von den Beinen holte. Gill wurde früh verrentet, kümmerte sich viel um seine Tochter und aus dem passionierten Raucher und Workaholic wurde der politisch hoch engagierte Familienvater, der mittlerweile seinen Tabakkonsum auf eine Schachtel pro Tag reduzieren konnte. „Als es damals passierte mitten im Arbeitstag war ich 39 Jahre alt und für die Partei schon aufgestellt“, erzählt Gill. Während des Wahlkampfs sei er in der Reha gewesen, einen Listenplatz hat er trotzdem spontan bekommen – „als Nachrücker, weil einer weggezogen ist.“

Der passionierte Vahrenwalder, der sein Haus in den vergangenen Jahren einmal eigenhändig vor allem energetisch auf den neusten Stand gebracht hat, wird nach eigenem Bekunden aber auch einiges vermissen von der ehrenamtlichen Basisarbeit. „Vor allem Termine mit Kindern bewegen mich immer ganz besonders“, meint der 58-Jährige, dessen Lieblingsort der Jahnplatz ist. Den er allerdings noch lieber mochte, als er noch nicht saniert dafür um einiges lebendiger gewesen ist. „Der Platz ist jetzt schöner, die Atmosphäre eher nicht.“

Der Tick mit den Schuhen

Gill liebt aber auch den Rest von Hannover, der Stadt, in der es seiner Meinung nach nur 7 bis 8 Hauptstraßen gibt. „Alle anderen sind Nebenstraßen.“ Und der Genosse hat einen Schuhtick. „Ich komme an keinem Geschäft vorbei“, gesteht Gill. Seine Sammlung ist im ganzen Haus verteilt, auf 50 Paare schätzt er seine Leidenschaft – vor allem sportlich oder ganz klassisch. „Es werden immer mehr, und ich trage sie alle.“ In seinem Bezirksrat lobt Gill, dass sich die Kollegen der verschiedenen Fraktionen dort nicht dogmatisch auf die Füße getreten sind. „Wir sind ein ziemlich homogenes Gremium“, so der SPD-Politiker. Um sublokal Ziele zu erreichen, müssten man im Bezirksrat schon gemeinsam gehen. „Und Weltpolitik hat bei uns zum Glück auch keinen Platz. Das ist verschenkte Lebenszeit.“

Für den familiären Nachwuchs in Sachen Politik, hat Bruno Gill früh gesorgt. Zum 16. Geburtstag hat seine Tochter kurzerhand ein Parteibuch bekommen, und Ehefrau Sabine ist ebenfalls Mitglied bei den Genossen. Seit 2013 ist Gill im Rat und möchte dort auch noch ein paar Jahre bleiben. „Aber die Partei muss einen Kandidaten aufstellen und die Bürger müssen ihn wählen. Es ist immer ein Mandat auf Zeit.“ Das gelte auch für das Amt des Oberbürgermeisters. Auch da werde irgendwann ein Wechsel anstehen, „mein Lieblingsname ist in der Debatte aber noch nicht gefallen.“ Seinen Platz im Bezirksrat Vahrenwald-List nimmt René Schäfer ein, den Fraktionsvorsitz übernimmt Thomas Bechinie. Ein bisschen beschäftigen ihn die Themen der Ex-Kollegen aber auch im Rat weiter. „Das Konzept, dass es ein Portal für Online-Anträge der Stadtteilgremien gibt, werde ich auch im Rat vorantreiben“, betont Gill. Einen kommunalpolitischen Pferdefuß indes wird er wohl nicht so leicht ausmerzen können – „jede Kleinigkeit dauert.“ Das Warten übt Bruno Gill jetzt seit 19 Jahren; und dabei ist er längst gut bei Stimme.

Von Susanna Bauch

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