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Aus der Stadt Wohnquartier entsteht auf alter Hofstelle
Hannover Aus der Stadt Wohnquartier entsteht auf alter Hofstelle
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11:15 25.10.2018
Über den Teilerhöfen am Bothfelder Kirchweg ist der Richtkranz aufgezogen worden.
Über den Teilerhöfen am Bothfelder Kirchweg ist der Richtkranz aufgezogen worden. Quelle: Nancy Heusel
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Bothfeld

Über dem Wohnquartier Teilerhöfe am Bothfelder Kirchweg ist der Richtkranz aufgezogen worden. „Hier entsteht ein zukunftsweisendes Projekt, wir setzen eine besondere Idee um“, sagte Lorenz Hansen, Geschäftsführer des hannoverschen Familienunternehmens Gundlach, bei der Feier in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg. Die besondere Idee ist, die Wohnungsgrößen auf ein erschwingliches Minimum zu verringern, aber durch optimierte Grundrisse trotzdem einen möglichst hohen Gesamtwohnkomfort zu bieten. So könne eine typische Drei-Zimmer-Wohnung auf eine Fläche von 64 Quadratmetern reduziert werden. „Die Teilerhöfe sind damit eine Antwort auf die Frage nach bezahlbarem Wohnraum im Neubau“, erklärte Hansen.

Lorenz Hansen, Ursula und Peter Hansen (von links) beim Richtfest. Quelle: Nancy Heusel

Insgesamt 42 Wohnungen, verteilt auf zehn Gebäude in fünf Wohnhöfe, werden in dem Quartier auf 6000 Quadratmeter Fläche entstehen, in das die Firma Gundlach nach Angaben von Marketingleiter Frank Scharnowski 16 Millionen Euro investiert. Baubeginn war im Frühjahr, die Fertigstellung ist für den Herbst 2019 geplant. Damit liegt das Projekt im Zeitplan. Ab Ostern sollen die Wohnungen zur Vermietung an den Markt kommen; angesprochen sind insbesondere Familien und Senioren.

Der Name Teilerhöfe ist auch Programm. Alle künftigen Mieter teilen sich fünf zusätzliche Räume mit Waschcafé, Kinderspielraum, Gästezimmer, Veranstaltungsraum und Fahrradwerkstatt ebenso wie die Eingangshöfe vor den Gebäuden und die freien Flächen zwischen den Häusern mit Grün- und Spielbereichen. Zum Konzept gehören auch Angebote zum Car- und zum Lastenradsharing. „Wir suchen Mieter, die Lust darauf haben, ihre Nachbarn zu kennen und mit ihnen in Kontakt zu treten“, sagt Scharnowski.

Auf dem Gelände in direkter Nachbarschaft zum Bothfelder Anger befand sich früher eine Hofstelle mit Scheune und Wohnhaus. Sie wird in gleicher Kubatur an einem etwas versetzten Standort wiederhergestellt. Die zweigeschossigen Neubauten orientieren sich in den Größenverhältnissen an den Bestandsgebäuden sowie der umliegenden Bebauung. Jeweils zwei von ihnen werden durch einen gemeinsamen Laubengang zu einem L-förmigen Gebäude verbunden. Die Gebäude sind energieeffizient konstruiert, zum Teil im Passivhausstandard. Die Erdgeschosse werden barrierefrei; in die Ober- und Dachgeschosse führen statt Aufzügen offene Treppen.

Kommentar: Offenheit statt Abschottung

Das Bauunternehmen Gundlach hat sich in Hannover einen Namen dafür gemacht, auch mal unkonventionelle Wege zu beschreiten – wie etwa den Bau des Recyclinghauses am Kronsberg. Ob dieses Haus als Modell unter Bauherren viele Nachahmer findet, muss sich erst noch erweisen. Bei den Teilerhöfen in Bothfeld darf man das vermuten. Oder sich zumindest mit gutem Grund wünschen.

Das Unternehmen sucht nach eigenen Angaben für die Häuser Mieter, die Lust haben, zu teilen und ihren Nachbarn zu kennen. Klingt wie eine Banalität, ist aber keine. Wenn man sich in Neubaugebieten umschaut, wird man, was Bauweise, Grundstücksgestaltung und Architektur angeht, häufiger Abschottung finden als Offenheit. Resultat ist die oft beklagte Anonymität.

Die Teilerhöfe sind anders konzipiert und damit zukunftsweisender. Nicht zuletzt deshalb, weil Gundlach sich nicht nur Gedanken darüber macht, wie preisgünstiger Wohnraum zu schaffen ist, sondern auch ein Konzept dafür entwickelt und es in die Tat umsetzt. Das lässt sich nicht überall in der Stadt eins zu eins kopieren. Die alte Hofstelle an der Bothfelder Straße mit ihrem Grünbestand war ideal dafür; derartige Grundstücke sind rar. Der planerische Ansatz aber taugt dafür, als Vorbild zu dienen. Und im übrigen ist es auch anderen nicht verboten, bei Bauprojekten unkonventionelle Wege zu gehen – die dann eines Tages hoffentlich gar nicht mehr unkonventionell sind.

Von Bernd Haase