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Aus der Stadt Am E-Damm: Investor baut 145 Wohnungen auf dem Bumke-Gelände – und erntet Kritik von Anwohnern
Hannover Aus der Stadt

Bumke-Gelände am E-Damm: Investor baut 145 Wohnungen – und erntet Kritik von Anwohnern

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15:43 02.12.2019
In der Christuskirche diskutieren rund 300 Besucher über die geplante Bebauung des Bumke-Geländes am Engelbosteler Damm. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Rund 145 neue Wohnungen will das Wohnungsbauunternehmen Gerlach in der Nordstadt errichten – in attraktiver Lage fußläufig zur Innenstadt. Doch angesichts bereits kräftig angezogener Mieten im Stadtteil fürchten viele Nordstädter einen weiteren Preisschub durch die Neubauten auf dem Bumke-Gelände am Engelbosteler Damm. Mit einer Bürgerbeteiligung hat Gerlach versucht, Vorschläge aufzunehmen und die Bedenken zu entkräften.

45 Prozent Wohnungen mit öffentlicher Förderung

Bei einigen Nordstädtern kommt das Vorhaben dennoch nicht gut an. Das zeigte sich am Dienstagabend bei einer teils erbitterten Diskussion mit rund 300 Bürgern in der Christuskirche, wo das Planungsbüro Urban Catalyst die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe mit Bürgern vorstellte. Der Investor will nun insgesamt 45 Prozent der Wohnungen mit öffentlicher Förderung und damit Mietpreisbindung errichten. Das geht weit über die vom Rat festgelegten Quote von 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau innerhalb eines Projekts hinaus. Zwölf Prozent der gesamten Wohnungen sollen an eine Genossenschaft gehen (sie gehören zum Pool der geplanten Sozialwohnungen). 70 Prozent der neuen Wohnungen sollen zur Miete angeboten werden. „Das Ziel ist ein vielfältiges gemischtes Wohnquartier“, erläutert Moderator Klaus Overmeyer.

Aktivisten zeigen rote Karte

Den Aktivisten der Initiative „Bumke selber machen – Netzwerk Wohnraum für Alle“ reicht das bei Weitem nicht. Sie haben bei der Diskussion rote Karten dabei, die sie wiederholt in die Höhe recken. „Das ist doch alles ganz klar interessengesteuert und vom Investor bezahlt“, empört sich eine Frau. Auch die Politaktivisten, die selbst früh aus dem Bürgerdialog ausgestiegen sind, dürfen ihre Vorstellungen präsentieren.

In einer Petition mit inzwischen mehr als 2.500 Unterschriften fordert die Gruppe dauerhaft günstige Mieten, „Gemeinnützigkeit“ des gesamten Wohnquartiers, selbst verwaltete Wohnformen und eine umfassende demokratische Mitentscheidung bei der Umnutzung des Geländes. Sie kritisieren, dass eine Mietpreisbindung für Sozialwohnungen immer nur befristet für 10 bis 15 Jahre wirksam ist.

Mietpreisbindung für 20 Jahre

Ulrich Müller von der Woge erklärt Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, bei der auch Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke, Christine Deja, Heiko Heybey und Wilhelm Bamming mitgemacht haben (hinten, von links). Quelle: Navid Bookani

„Bei der Förderung, die wir größtenteils in Anspruch nehmen wollen, dauert die Mietpreisbindung 20 Jahre. Und danach steigen die Mieten auch nicht Knall auf Fall“, verspricht dagegen Gerlach-Geschäftsführer Helmut Kummer. Am Bürgerdialog hat sich auch Ulrich Müller von der Nordstädter Wohnungsgenossenschaft Woge beteiligt und lobt das Ergebnis. „Das hat es so in Hannover noch nicht gegeben. Höherpreisige Miet- und Eigentumswohnungen machen nur 55 Prozent des Bestands aus.“ Dafür gibt es Applaus.

Die Woge, die einst beim Verkauf des Geländes keine Chance hatte, kann sich nun berechtigte Hoffnungen auf einen Einstieg machen. Auf dem Gelände stehen bisher zahlreiche große Gewerbegebäude aus verschiedenen Jahrzehnten. Weil der Wunsch nach Erhalt der historischen Gebäude groß ist, hat Architekt Sven Martens vom Büro Gruppeomp die Umnutzung geprüft und verworfen. „Fast überall gibt es niedrige katakombenartige Keller, deren Standfestigkeit gering ist“, erklärt er. Die Gebäude selbst sind sehr tief, Licht ließe sich nur durch Einschnitte herstellen. Brandschutz und Barrierefreiheit stellten weitere Probleme.

Neubau schafft Platz für mehr Bewohner

„Wir wollen Wohnraum für viele Menschen schaffen“, betont Martens. Neubauten könnten Platz für rund 250 Bewohner bieten, ein Umbau mit erheblichen finanziellen Risiken böte Raum für vielleicht 125 Menschen. Gerlach-Geschäftsführer Kummer berichtet von öffentlichen Besichtigungen, die den Besuchern die Probleme schnell vor Augen führten. „Die alten Gebäude können ohne große Schwierigkeiten genutzt werden“, behauptet dagegen eine Frau aus der Aktivistengruppe.

Als Nordstädter hat sich auch Heiko Heybey in der Arbeitsgruppe zur Bürgerbeteiligung engagiert. Angesichts der Wohnungsnot sei es wichtig, wenn schnell Wohnungen gebaut würden, betont der Spandau-Betreiber. „Natürlich wäre es toll, wenn das Gelände komplett an eine Genossenschaft gegangen wäre. Es wird hier aber diskutiert, als ob die Stadt es verkauft hat. Das war aber die Stiftung der verstorbenen Besitzerin.“

Das neue Wohnquartier entsteht am Engelbosteler Damm auf dem ehemaligen Gelände des Sanitär- und Elektrogroßhandels Bumke. Die Stadt hat für das 8.200 Quadratmeter-Grundstück einen Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan verabschiedet, der ein Wohngebiet statt Gewerbe vorsieht. Die Eckpunkte aus der bisherigen Bürgerbeteiligung sollen als Empfehlung an die Politik dienen: Der Rat entscheidet noch über den eigentlichen Bebauungsplan und den städtebaulichen Vertrag zwischen Investor und Stadt. Über die Petition der Aktivisten berät der Verwaltungsausschuss.

Ladenlokal zum Teilen von Werkzeug

Direkt am Engelbosteler Damm sind nach bisherigem Stand in den unteren Geschossen Gewerbeflächen für kleinflächigen Handel vorgesehen. Der Arbeitskreis aus Bürgern, Politikern, Investor, Stadt und Fachleuten schlägt außerdem gemeinschaftliche und soziale Einrichtungen auf dem Gelände vor wie eine Kita und einen sogenannten Sharing-Kiosk. In dieser Art Ladenlokal können Nachbarn sich gegenseitig Werkzeuge leihen oder die gemeinschaftliche Nutzung von Gemüsebeeten, Autos oder Rädern organisieren. Rund 340 Stellplätze für Räder sind geplant, in einer Tiefgarage auch Parkplätze für Carsharing und E-Autos. Angedacht ist eine verringerte Anzahl von regulären Pkw-Stellplätzen.

Stadtbaurat Uwe Bodemann spricht bereits von einem beispielhaften Projekt, lobt den hohen Anteil an Mietwohnungen, geförderten Wohnungen und die besonderen Angebote. „45 Prozent sozialer Wohnungsbau, das ist schon ein Wort.“

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Von Bärbel Hilbig

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