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Aus der Stadt Welle der Solidarität in Coronazeiten – Hunderte wollen beim Einkaufen helfen
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Corona: Hunderte wollen Corona-Risikogruppen beim Einkaufen helfen

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08:03 19.03.2020
„Wir helfen helfen“: Johannes Meyer hat die „Nachbarschaftschallenge“ organisiert, bei der Helfer beispielsweise für Senioren einkaufen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Eigentlich kommt sie gut alleine zurecht. Doch vor zwei Wochen kam sie mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus, und vor wenigen Tagen wurde sie dann unerwartet rasch wieder entlassen. „Ich bin von Kindheit an Asthmatikerin und gehöre zur Corona-Risikogruppe“, sagt die 64-jährige Christa Vogel, „da muss ich vorsichtig sein und sollte nicht einkaufen gehen.“

Ihre Vorräte daheim waren aber aufgebraucht. Ihr Sohn, der sie sonst versorgen könnte, ist derzeit selbst krank. „Und der Lieferservice meines Supermarktes, der sonst meist schon am Tag nach der Bestellung kommt, hat momentan Wartezeiten von fast zwei Wochen“, sagt die Stöckenerin. Sie war heilfroh, als ein Bekannter ihr von der Aktion „Nachbarschaftschallenge – Hilfe für Risikogruppen“ berichtete.

Besorgungen, Rezepte, Medikamente

Das Diakonische Werk hat eine Hotline eingerichtet, die ehrenamtliche Helfer und Menschen wie Christa Vogel zusammenbringt. Die Unterstützter machen Einkäufe und führen Hunde aus, holen Rezepte vom Arzt oder Medikamente aus der Apotheke. „Ein sehr freundlicher junger Mann stellte mir Brot, Butter und Wurst vor die Haustür“, sagt Christa Vogel. „Ich bin dankbar, dass es dieses Angebot gibt.“

Einer der Initiatoren der Nachbarschaftschallenge ist Johannes Meyer. Der 61-jährige ist Diakon beim Stadtkirchenverband, und wegen Corona kann er derzeit nicht arbeiten wie gewohnt – Gottesdienste und soziale Projekte sind gestrichen. „Es war aber klar, dass wir etwas machen müssen“, sagt er. Seit einigen Tagen steht sein Telefon nun nicht mehr still. Mehr als 200 Helfer haben ihre Unterstützung angeboten. „Das ist eine überwältigende Welle der Solidarität“, sagt Meyer. „Solche Krisen bringen manchmal eben auch das Gute im Menschen zum Vorschein.“

Unermüdlich koordiniert er Hilfsgesuche und -angebote, wobei es im Moment noch nicht viele Menschen gibt, die um Unterstützung bitten. „Wir werben mir Flyern für unser Angebot. Es muss sich wohl erst herumsprechen – und wir rechnen damit, dass es in zwei Wochen viele Anfragen gibt“, sagt er.

Zwischen Nähe und Distanz

Johannes Meyer kann von dem Rollstuhlfahrer berichten, dessen Betreuer ausgefallen war und der auf eine Hilfslieferung von Lebensmitteln dringend angewiesen war. Und von dem großflächig tätowierten Baseball-Cap-Träger, der vier Supermärkte abklapperte, damit er einer alten Dame das gewünschte Roggenbrot vor die Tür stellen konnte. „Unter den Helfern sind auch viele Migranten, die sich für ältere oder kranke Menschen engagieren wollen“, sagt er.

Alle Beteiligten müssen dabei einen Spagat bewältigen: Sie müssen soziale Nähe suchen und dabei zugleich physische Distanz wahren. „Sie sprechen sich meist telefonisch ab“, sagt Meyer. Die Einkäufer nehmen die Bestellung auf und legen das Geld zunächst aus. Dann stellen sie die Tüten mit Bon und Wechselgeld vor die Haustür, wo die Bewohner das Geld schon bereithalten. „Es gibt aber auch Fälle“, sagt er, „in denen Menschen einfach jemanden brauchen, mit dem sie reden können.“ Die Not, die Corona verursacht, hat eben viele Gesichter.

So können Sie helfen – und hier finden Sie Hilfe

Die Nachbarschaftschallenge des Diakonischen Werks bringt Hilfsbedürftige und Helfer zusammen. Beide können sich unter der Rufnummer (0511) 3687108 oder per Mail an hilfe@dw-h.de melden.

Zudem gibt es mehrere ähnliche Initiativen, bei denen ehrenamtliche Helfer Einkäufe oder Botengänge machen, um in der Corona-Krise anderen Menschen zu helfen. Die von Studentinnen gegründete „Einkaufshilfe Hannover“ ist unter (0178) 8314475 oder per Mail unter einkaufshilfe.hannover@gmx.de zu erreichen.

Zudem gibt es auch im Umland mehrere Initiativen. Im Laatzener Ortsteil Rethen bietet der Verein Rethen rockt unter (0151) 12450151 eine Einkaufshilfe an. In Seelze haben Mitglieder des Ortsrats Kirchwehren einen Einkaufsservice ins Leben gerufen, der unter (05137) 50794 zu erreichen ist. Die Freiwilligenagentur Wedemark hat gemeinsam mit Kirchengemeinden ein Netzwerk für Nachbarschaftshilfe geknüpft, das unter (05130) 9744511 zu erreichen ist.

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