Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Wir haben ja nur die Läden zu“: So trotzen Hannovers Händler und Kunden der Krise
Hannover Aus der Stadt

Corona in Hannover: So trotzen Einzelhandel und Gastronomie der Krise

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:19 26.03.2020
Sie betreiben selbst ein Geschäft – oder wollen die hannoversche Gastro-Szene unterstützen, weil sie dort oft gern selbst zu Gast sind: Einige Hannoveraner und Hannoveranerinnen haben Initiativen für Gastronomie und Einzelhandel ins Leben gerufen, um in der Krise zu helfen. Quelle: Privat/Seifert
Hannover

Hannovers Einzelhändler leiden unter der Corona-Krise – geschlossene Läden, Kontaktverbot und abgesagte Messen sind denkbar schlecht fürs Geschäft. Deswegen haben gleich mehrere Betroffene Initiativen ins Leben gerufen, mit denen Unternehmer aus der Gastronomie und dem Einzelhandel die Umsatzeinbußen aufzufangen versuchen. Eine von ihnen ist Luise Kokkelink.

„Alle kaufen Klopapier – und keinen Schmuck

„In der Krise kaufen alle Klopapier - und keinen Schmuck“, sagt die 36-Jährige. Das ist schlecht für sie. Gemeinsam mit Geschäftspartnerin Mira Reuter betreibt sie das Schmucklabel Oh My Goddess. Seit Mitte November verkaufen die beiden unter anderem handgefertigte Ringe und Ohrringe aus Griechenland. Für das Start-up ist die derzeitige Situation eine Katastrophe. „Wir haben viel Schmuck bestellt, den wir auf Messen und in zwei Läden in der Stadt verkaufen wollen, der bleibt jetzt liegen“, sagt Kokkelink.

Luise Kokkelink (links) organisiert weiteren Betroffenen die Initiative Support Your Locals Hannover. Dort können sich Einzelhändler vernetzen und bieten gemeinsam Ware an. Quelle: Andrea Seifert

Mit sieben weiteren Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern aus der Stadt hat sie, einem weltweiten Beispiel folgend, die Social-Media-Initiative Support Your Locals Hannover gegründet.

Auf Instagram und Facebook stellen die Händlerinnen und Händler unter Supportyourlocals_Hannover ihre Artikel vor und bieten an, diese kostenfrei zu liefern. Besonders an der Initiative: Kunden können Blumen bei Miller Fleurs, Ballons bei Ballon Fantasy und Kinderbekleidung bei Poggi Little Looks in einer Nachricht ordern und bekommen alles in einem Paket geliefert, erklärt Kokkelink. Mittlerweile sind noch mehr Geschäfte dazugekommen, teilweise sogar aus dem Umland Hannovers.

„Vielleicht wollen sich die Leute Kunden in dieser Zeit auch etwas Schönes gönnen und kaufen bei uns ein“, hofft die 36-Jährige.

Eine Plattform für alle

Jemand, der Kokkelinks Sorgen ganz sicher verstehen kann, ist Franziska Haiduk. Am Freitagabend um 23 Uhr hatte die Unternehmerin eine Idee. Die 28-Jährige, die mit ihrer Familie das hannoversche Bettenfachgeschäft Die Schlafzimmerei führt, setzte sich an den PC und begann, eine Website aufzusetzen. Keine 24 Stunden später war www.hannoverhelfen.de online. Haiduk hat eine Plattform geschaffen, auf der Kundinnen und Kunden aus Hannover in der Corona-Krise sehen können, welche Läden und Restaurants noch Essen und Produkte liefern – oder Waren zur Abholung bereitstellen – ähnlich dem Modell der HAZ. „Wir bieten ja fast alles weiterhin an, nur nicht mehr im Laden“, sagt Haiduk.

Franziska Haiduk hat die Webseite hannoverhelfen.de aufgesetzt. Sie führt mit ihrer Familie das Bettengeschäft Die Schlafzimmerei. Quelle: Privat

Sie stünde wie wahrscheinlich jedes kleinere oder mittelständische Unternehmen wegen des Lockdowns vor einer großen Herausforderung, sagt Haiduk. 2016 haben sie und ihre Familie Die Schlafzimmerei gegründet, 2018 ein zweites Geschäft eröffnet, eine Insolvenz sei für sie keine Option. „Sich Sorgen zu machen hilft jetzt ja auch nicht“, sagt Haiduk und erzählt lieber von hannoverhelfen.de.

Über ihre Plattform will sie darauf aufmerksam machen, „was für tolle Unternehmen wir hier vor der Tür in Hannover haben.“ Sie hofft, dass einige Hannoveranerinnen und Hannoveraner dann auch online Produkte kaufen. „Das gibt den Unternehmen ein bisschen Sicherheit – und vor allem Wertschätzung.“

Spenden für das Lieblingscafé

Vor ein paar Tagen saßen Jan Patzer, Melina Schulte und Can Lewandowski das letzte Mal in ihrem Lieblingscafé zusammen und sprachen das erste Mal darüber, dass sie besonders die Gastronomie während der Coronakrise unterstützen wollen. „Am Freitagabend haben wir uns dann zu entschlossen, auf eine Spendenkampagne ins Leben zu rufen“, sagt Patzer.

Jan Patzer(von links), Milena Schulze und Can Lewandowski wollen Hannovers Gastronomiebetriebe in der Krise unterstützen. Quelle: privat

Das derzeitige Spendenziel: 100.000 Euro für ausgewählte inhabergeführte Restaurants und Cafés in Hannover zu sammeln - darunter das Café Lasall in der Südstadt, das V17 in Linden-Mitte oder die Sternwarte hinter der Oper. Knapp 9500 Euro haben die Freunde seit Freitagabend schon gesammelt.

„Manchmal muss man erstmal machen“, sagt Patzer. Er, Schulte und Lewandowski haben die bisher ausgewählten Gastronomiebetriebe zusammen mit dem Spendenaufruf auf einer Crowdfunding-Plattform in einer Liste online gestellt. Es sind Läden, die die Freunde selbst gern besuchen. Keiner von ihnen arbeite derzeit in der Gastronomie und profitiere von den Spenden, versichert Patzer. „Allerdings haben wir Freunde, die in der Gastronomie arbeiten, daher wissen wir, wie schwierig die Situation derzeit ist“. Mittlerweile gibt es eine Warteliste mit weiteren Vorschlägen aus der Community. Je nachdem, wie viel Spenden zusammenkommen, wollen die Freunde die Spendenliste um einige Gastronomiebetriebe erweitern.

Coronavirus: Das sollten Sie gelesen haben

Von Nadine Wolter

Die tägliche Hannover-Glosse - „Lüttje Lage“: Weihnachtsmann im Frühling

So bemerkenswert kann das Leben in Hannover sein: In der täglichen Kult-Glosse „Lüttje Lage“ erzählen HAZ-Autoren von den skurrilen, absurden und lustigen Erlebnissen des Alltags. Heute: Weihnachtsmann im Frühling.

25.03.2020

Das DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in Hannover erhält eine Spende aus einem Nähprojekt in der Wedemark. Derweil wird die Lage bei den Ärzten immer dramatischer, weil es keine Schutzausrüstung gibt.

25.03.2020

Im Kampf gegen das Coronavirus ruft die MHH die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Genesene Patienten sollen sich melden – denn sie können helfen: mit Antikörpern und „Killerzellen“, die ihr Immunsystem gegen das Virus SARS-Cov-2 gebildet hat. Per Plasmaspende können sie diese an Kranke weitergeben.

25.03.2020