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Aus der Stadt DSGVO: So wirken sich die neuen Datenregeln auf Vereine aus
Hannover Aus der Stadt DSGVO: So wirken sich die neuen Datenregeln auf Vereine aus
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00:21 19.10.2018
Die Datenschutzgrundverordnung bereitet den Vereinen Probleme, wie hier Hajo Rosenbrock vom TKH. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Rolf Jägersberghat die Nase ziemlich voll. „Das ganze ist eine einzige Katastrophe“, sagt der Präsident des Sportvereins VfL Eintracht Hannover. „Und nicht nur das, es ist einfach auch unnötig.“ Jurist Jägersberg meint die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union, die seit Ende Mai in Kraft ist.

Eigentlich sollten die neuen Datenschutzregeln vor allem Verbraucher vor der Datensammelwut von Unternehmen schützen, so hatte es geheißen. Während aber die großen Internetunternehmen wie Facebook und Google fleißig weiter Verbraucherdaten sammeln, haben zahlreiche Vereine, Verbände, Schulen und Kitas in Hannover große Probleme bei der Umsetzung der neuen Regeln. Wie zum Beispiel beim VfL Eintracht. „Man stellt sich oft die Frage, welchen Sinn das macht“, sagt Jägersberg. Die Probleme fingen beim Vereinseintritt an, meint Jägersberg. „Bisher reichte ein Formular, jetzt muss man drei Seiten ausfüllen“, berichtet er. Die Leute, die sich die Regeln ausgedacht haben, hätten einfach nicht mitgedacht. „Wir sind einfach nur ein Sportverein, und wir betreiben keinen Datenhandel“, betont er.

„Alle fordern einen Abbau von Bürokratie“, sagt der Vereinspräsident. „Die Datenschutzverordnung ist das Paradebeispiel dafür, dass das alles nur Lippenbekenntnisse sind.“ Besonders schlimm sei es, dass die ganzen Regeln ehrenamtlich arbeitende Männer und Frauen träfen. „“Eine größere Schmach kann man einem Ehrenamtlichen kaum zufügen“, sagt Jägersberg.

Der Vorsitzende des Turn Klubb zu Hannover (TKH), Hajo Rosenbrock, ist zurückhaltender in der Wortwahl, aber auch spricht von einer „Verunsicherung“. Zum Beispiel wenn es darum geht, Mitglieder für neue Angebote des Vereins zu begeistern. „Da darf ich jetzt nicht einfach eine Mail an alle Mitglieder rausschicken“, berichtet er. Eine weitere Schwierigkeit sei der ärztlich verordnete Gesundheitssport. Dort muss muss jetzt darauf geachtet werden, dass die Verordnungen für die einzelnen Sportler besonders gesichert werden, berichtet Rosenbrock.

Das müssen Bürger bei den neuen Regeln beachten

Darf ich am Strand oder im Schwimmbad oder beim Straßenfest meine Familie fotografieren, auch wenn auf dem Foto noch andere Menschen zu erkennen sind?

Ja, dann wenn es nur um die Aufnahme des Fotos geht und dieses nur privat verwendet wird.

Darf ich das Bild mit meiner Familien und anderen Menschen darauf in soziale Netzwerke wie Facebook, Instragram oder Twitter posten?

Das ist nur mit der Einwilligung aller auf dem Foto zu sehenden Mensch möglich.

Darf ich als Privatmann Bilder von Demonstranten aufnehmen, wenn diese zum Beispiel den Hitlergruß zeigen und die Bilder dann über das Internet verbreiten?

Hier gibt es von den Datenschutzexperten keine eindeutige Aussage. Generell gelte, dass Aufnahmen von Demonstrationen grundsätzlich den Gesamtvorgang abbilden sollen, nicht nur einige oder wenige Individuen.

Welche Rechte haben Pressefotgarafen?

Fotos von Veranstaltungen im öffentlichen Raum können veröffentlicht werden, wenn sich die Berichterstattung auf die Veranstaltung bezieht. Die Menschen, die an solchen Ereignissen teilnehmen, müssen das dulden.

Darf ich als Pressewart eines Vereins das Foto mit 85 Mitgliedern der Turnsparte auf der Internetseite des Vereins veröffentlichen?

Ja, wenn alle Betroffenen volljährig sind und vorher über den Veröffentlichung auf der Internetseite informiert wurden. Dann darf das Foto zum Beispiel auch an die Zeitung weitergegeben werden.

Darf das Schulkonzert gefilmt werden und die Aufnahmen anschließend zum Beispiel bei Youtube veröffentlicht werden?

Hier wird es schwierig. Denn es braucht die Zustimmung aller auf den Aufnahmen zu Sehenden oder gegebenenfalls deren Erziehungsberechtigten.

Ähnlich im Fitnessstudio des TKH: Bisher lagen die einzelnen Trainingspläne in Stahlschränken, „das ist heute verboten“, sagt der TKH-Vorsitzende. Jetzt sollen die Pläne digitalisiert werden, dann können sie künftig kennwortgeschützt per Computer aufgerufen werden. „So hilft uns die Datenschutzverordnung auch, uns zu verbessern und kundenfreundlicher zu werden“, sagt Rosenbrock.

In anderen Bereichen ist die Verunsicherung über das, was erlaubt und was verboten ist, noch größer. Zum Beispiel in den Schulen. Zum Ärger mancher Eltern weigern sich zahlreiche Lehrer den früher üblichen Notenspiegel nach Klassenarbeiten herauszugeben, mit Verweis auf die neuen Datenschutzregeln. Da in einem Notenspiegel aber keine Namen genannt würden, sei dessen Herausgabe vollkommen unproblematisch, sagt dagegen der Sprecher der Landesdatenschutzbeauftragten, Johannes Pepping. Aber das wissen noch nicht alle Lehrer.

Info: Herrscht bei Ihnen im Beruf, im Verein oder in der Schule noch Unsicherheit im Umgang mit der Datenschutz-Grundverordnung? Oder haben Sie eine einfache Methode gefunden, mit den neuen Regeln umzugehen? Schildern Sie uns Ihren Fall in einer E-Mail an hannover@haz.de – Betreff: „Datenschutz“.

Von Mathias Klein

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