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Aus der Stadt Darum ist das Kopftuchverbot im Fitnessstudio keine Diskriminierung
Hannover Aus der Stadt Darum ist das Kopftuchverbot im Fitnessstudio keine Diskriminierung
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00:15 12.02.2019
Das „Fitnessloft“ im Leine-Center Laatzen hat einer Muslima untersagt, mit Kopftuch zu trainieren. Der Fall wird heiß diskutiert. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Um Missverständnissen gleich zu Beginn vorzubeugen: Ein Fitnessstudio, das einer Muslima wegen ihrer religiösen Überzeugung den Besuch verwehrt, handelt nicht verfassungskonform. Es diskriminiert die Frau, die aufgrund ihres Glaubens ein Kopftuch trägt, schränkt ihr Recht auf Religionsfreiheit ein. Aber was ist, wenn ein Fitnessstudio jeglichen Schmuck und Kopfbedeckungen zur Vorbeugung von Unfällen verbietet? Diskriminiert es die junge Frau, die ihr Kopftuch beim Trainieren nicht ablegen will? Oder macht der Betreiber schlicht von seinem Hausrecht Gebrauch?

Ein Kommentar von Jutta Rinas (Haz Redakteurin)

Die Kontroverse einer Rechtswissenschaftsstudentin und der Kette Fitnessloft hat in dieser Woche eine hitzige Debatte ausgelöst. Das ist gut – in Zeiten, in denen Rassismus spürbar zunimmt, tut Hannover gut daran, zu diskutieren, wann Toleranz und Vielfalt gefährdet sind. Die Frage in diesem Fall ist aber: Haben wir es hier mit tatsächlich mit Diskriminierung zu tun? Oder eher mit einem Vorgang, den man nicht gut finden kann, aber tolerieren muss?

Es gibt Alternativen für Muslima

Was ist dagegen einzuwenden, wenn eine Fitnesskette Kopfbedeckungen aller Art verbietet, solange sich das Verbot tatsächlich auf alle bezieht, Muslime wie Christen, Männer wie Frauen, und weder Schriftverkehr noch persönlicher Umgang einen falschen Zungenschlag enthalten? Nichts. Bei Licht besehen ist das Erlebnis jener Hannoveranerin mit afghanischen Wurzeln sogar ein Beleg dafür, wie sehr sich das Kopftuch im Freizeitsport durchgesetzt hat. Recherchen der Studentin und der HAZ ergaben: Es gibt Studios in Hülle und Fülle, in denen Frauen mit Kopftuch trainieren können. Muss man da nicht tolerieren, dass es auch eines gibt, das den Zutritt verwehrt, wenn es Argumente vorbringt, die man zumindest nachvollziehen kann?

Jeder kann Sicherheitsregeln selber festlegen

Es gibt für Muslima überdies eine ebenso einfache wie effektive Möglichkeit, gegen das Geschäftsgebaren von Fitnessloft zu protestieren. Als potenziell zahlende Kundinnen können sie die Kette treffen, indem sie diese meiden.

Ja, man kann zwei Fragen stellen. Die erste: Wie kommt es, dass andere Fitnessketten das Trainieren mit Kopftuch für ungefährlich halten? Die Antwort: Jeder kann solche Sicherheitsbestimmungen festlegen, wie er will. Die zweite: Was wäre, wenn die Frau nicht in einer Großstadt wohnte, wo sie Alternativen zu diesem Studio hat? Die Antwort: Dann hätte sie wohl eher eine Chance, dagegen rechtlich vorzugehen, sagen Juristen – denn dann könnte man möglicherweise doch von Diskriminierung sprechen.

Seit 20 Jahren Streit

Bei all dem lohnt es sich, daran zu erinnern, wie es vor noch nicht allzu langer Zeit um die Akzeptanz des Kopftuchs in Deutschland stand. Es ist gerade einmal 20 Jahre her, dass es hier so viel Ablehnung erfuhr wie Jahrzehnte zuvor der Minirock, wenngleich aus entgegengesetzten Gründen. Vor 20 Jahren wurde im berühmten Kopftuchstreit einer Lehrerin aus Baden-Württemberg der Eintritt in den Staatsdienst untersagt. Mittlerweile ist es erlaubt, mit Kopftuch zu unterrichten.

Ein Kleidungsstück, das polarisiert

Es ist dennoch kein Zufall, dass dieses Kleidungsstück heute noch polarisiert. Im Fall einer Erwachsenen mag es für Selbstbestimmung stehen. Bei einem Mädchen in einer strenggläubigen Familie kann es schlimme Unterdrückung bedeuten. Der Hashtag #MeTwo hat jüngst gezeigt, wie viel Alltagsrassismus Migranten heute ertragen müssen. Das schlägt Wunden, prägt, verändert den Blick. Hier aber hat es ihn vernebelt.

Von Jutta Rinas

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