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Aus der Stadt Das Aegi zeigt „Der Nussknacker“ mal anders
Hannover Aus der Stadt Das Aegi zeigt „Der Nussknacker“ mal anders
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10:43 09.01.2019
Nussknacker im Tutu: "The Nutcracker Reloaded" im Theater am Aegi. Quelle: Daniel Ohlsson
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Hannover

Weihnachten ist vorbei. Und das ist vielleicht ganz gut so. Denn bei der Nussknacker-Neuauflage, die derzeit im Theater am Aegi zu sehen ist, will so gar keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Dafür aber jede Menge gute Laune.

Dabei beginnt schon der erste Akt mit viel Drama: Eine unheilbare Krankheit, Armut und Kinderobdachlosigkeit sind zentrale Handlungselemente. Und Organhandel. Genauer gesagt der mit Organen handelnde Vampir Drosselmeyer. Daran erinnern Sie sich bei Tschaikowski gar nicht? Na, dann warten Sie erst mal Super Mario, die tanzenden Glückskekse und Darth Vader ab.

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Ballett und Breakdance

Der schwedische Choreograf Fredrik Rydman hat eine Gruppe von starken Tänzern zusammengestellt, dazu gibt es eine gut gemachte Lichtshow. Doch die Inszenierung überzeugt vor allem durch Humor. Rydman kombiniert Tschaikowskis Werk mit Hip Hop und Popmusik und lässt einen Großteil der Handlung auf der Müllkippe spielen. Auf Ballett folgt Bruce Almighty, einer der weltbesten Breakdancer. Der fleischgewordene Nussknacker (Marcus Nyström) tritt zwar im Tutu, aber mit Backgroundtänzern in bester Justin-Bieber-Manier auf und singt „Don’t Go Cracking My Nuts“. In einer anschließenden kurzen Selbstfindungsphase blickt er ratlos gen Himmel und fragt mit Ehrfurcht in der Stimme: „Tschaikowski, is that you?“

All das ist doch wirklich unterhaltsam genug, um ein zweistündiges Programm zu füllen. Könnte man meinen. Doch dann gibt es da noch Jörgen. Jörgen Thorsson ist in Wahrheit Schauspieler und Musiker und hat in der bekannten Krimi-Serie „Die Brücke“ mitgespielt. Doch an diesem Abend ist er Jörgen, der Mitarbeiter des schwedischen Kulturministeriums. Und als solcher hat er den Auftrag, dafür zu sorgen, dass das hannoversche Publikum der Aufführung auch folgen kann. So platzt Jörgen auf der Bühne mitten in die Szenen, erklärt – auf Deutsch, aber mit starkem schwedischen Akzent – Handlung und Tanzschritte. Immer wieder streut er zudem lustige kleine Anekdoten über die Schauspieler ein. Wer braucht schon eine vierte Wand, wenn man stattdessen Jörgen haben kann?

Das Publikum prämiert die urkomische Neuinterpretation bei der Hannover-Premiere am Dienstag mit anhaltendem Applaus und Standing Ovations.

„The Nutcracker Reloaded“ ist noch bis Sonnabend, 12. Januar, täglich um 20 Uhr sowie am Sonntag, 13. Januar, um 15 Uhr im Theater am Aegi zu sehen. Tickets gibt es ab 55,90 Euro unter tickets.haz.de.

Von Johanna Stein

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