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Aus der Stadt Bierbrauer protestieren gegen „Zerschlagung“ der Gilde
Hannover Aus der Stadt

Demo vor dem Landtag in Hannover: Bierbrauer protestieren gegen Zerschlagung der Gilde

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16:51 20.11.2019
„Kein Tarif, kein Bier“: Mitarbeiter der Gilde-Brauerei demonstrieren vor dem Landtag in Hannover. Sie drohen mit einem unbefristeten Streik ab Montag. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Die Brauer sind sauer. So stand es auf einem Plakat, das einer der rund 50 demonstrierenden Mitarbeiter der Gilde-Brauerei auf dem Hannah-Ahrendt-Platz in die Luft reckte. Auf einer Kundgebung vor dem Landtag protestierten am Mittwochmittag die Bierbrauer bei Hannovers ältestem Unternehmen gegen eine ungleiche Bezahlung und warnten vor einer „Zerschlagung“ der heutigen Gilde in vier Einzelunternehmen.

Sollte sich die Geschäftsführung bis Anfang kommender Woche nicht zu Gesprächen mit dem Betriebsrat bereit erklären, droht ein unbefristeter Streik. Für Montag ruft die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) zu einer Urabstimmung auf. „Ein neuer Tarifvertrag muss her, sonst geben wir keine Ruhe mehr“, skandierten die Beschäftigten.

„Wir sind jetzt hier, weil das so nicht weitergehen kann“: Lena Melcher Quelle: Karl Doeleke

Gewerkschaftssekretärin Lena Melcher kritisierte auf der Kundgebung Lohnunterschiede, die es seit 2016 in dem Traditionsunternehmen gibt. Damals wurde die Gilde von TCB Beverages übernommen. Neu eingestellte Mitarbeiter bekommen laut Melcher 6 Euro weniger Stundenlohn, kein Weihnachtsgeld, nur die Hälfte des Urlaubsgeldes und eine geringere Altersversorgung. „Das macht im Jahr 15 000 Euro brutto weniger – bei gleicher Arbeit.“ Die NGG kämpft für einen einheitlichen Haustarifvertrag für alle 136 Beschäftigten.

Geschäftsführung lehnt Gespräche ab

Was die Arbeitnehmervertretung auch stört: Die Geschäftsführung sei nicht einmal bereit, über eine teilweise Anpassung der Vergütung zu reden. „Bei 6 Millionen Euro Personalkosten würde eine Angleichung des Urlaubsgeldes gerade einmal 32 000 Euro im Jahr kosten, eine gleiche Altersversorgung nur 20 000 Euro“, erklärte die Gewerkschaft.

Eine Angleichung der Gehälter indes würde das Unternehmen nach Angaben von TCB-Geschäftsführer Mike Gärtner mit 1,5 Millionen Euro jährlich zusätzlich belasten – Geld, das die Gilde nach seinen Worten nicht hat. Die Brauerei habe in der Vergangenheit hohe Verluste gemacht und werde auch in diesem Jahr keine schwarzen Zahlen schreiben.

„Die Gilde soll zerschlagen werden“

Melcher warnte auch vor Plänen, die Gilde neu zu strukturieren. „Die Brauerei soll zerschlagen werden.“ Das Unternehmen soll in vier neue Gesellschaften aufgegliedert werden: eine für die Logistik, eine für die Bierabfüllung in Flaschen und Fässer und eine dritte für die Abfüllung in Dosen. Der Kern der Brauerei mit Brauern, Instandhaltung und Qualitätskontrolle soll in einer vierten GmbH aufgehen. Der siebenköpfige Betriebsrat sieht sich dadurch in seiner Existenz bedroht. Über den Erhalt eines Standortbetriebsrates sei die Geschäftsführung ebenfalls nicht bereit zu reden, klagte Melcher. „Diese Verhandlungsverweigerung ist inakzeptabel.“

„Kaum auszuhaltende Arroganz“: DGB-Bezirkschef Mehrdad Payandeh mit Lena Melcher von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. Quelle: Karl Doeleke

Einige Landtagspolitiker der Grünen, der Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler und DGB-Bezirkschef Mehrdad Payandeh gesellten sich zu den Protestierern. Payandeh warf der Geschäftsführung eine „kaum auszuhaltende Arroganz“ vor. Die Landtagsabgeordnete Eva Viehoff sicherte den Brauern die Unterstützung der Grünen zu. „Euer Kampf ist berechtigt.“ Sven-Christian Kindler erzählte, er sei „quasi mit Gilde groß geworden – also als Jugendlicher, nicht als Kind“. Es sei „beschämend und peinlich, dass die Gilde Gespräche verweigert“.

Das ist TCB Beverages

Die Gilde-Muttergesellschaft TCB Beveragesmit den Geschäftsführern Mike Gärtner und Karsten Uhlmann trat erstmals im Jahr 2003 auf den Plan, als sie das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt/Oder erwarb. Dort ist auch heute noch der Firmensitz. In den Folgejahren wuchs die Gesellschaft durch Zukäufe der ältesten noch aktiven Brauerei Frankreichs, Champigneulles, der Feldschlößchen Brauerei in Dresden und schließlich 2015 der Gilde in Hannover, die nach Kapazität der kleinste der vier Betriebe ist.

Nach der Expansion liegt TCB Beverages mit einem Gesamtjahresausstoß von 8,5 Millionen Hektolitern mittlerweile auf Platz zwei im deutschen Biermarkt – größer ist nur die Radeberger-Gruppe. Wichtiges wirtschaftliches Standbein ist die Produktion sogenannter Handelsmarken für den Lebensmittelhandel. In Deutschland zählen etwa Aldi, Edeka und Lidl zu den Abnehmern. Insgesamt beliefert die Firmengruppe Kunden in 25 Ländern weltweit. Darunter sind auch Kunden in China, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Vietnam und Algerien.

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Von Karl Doeleke

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