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Aus der Stadt Niedersachsen hat jetzt einen digitalen Denkmalatlas
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Denkmalatlas  freigeschaltet: Niedersachsen startet Internet-Übersicht

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20:33 22.01.2020
„Stets aktueller Wissensspeicher“: Christina Krafczyk, Präsidentin des Landesamts für Denkmalpflege, gibt das Startsignal für den Internet-Denkmalatlas in Niedersachsen. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Auch für die ältesten Zeugnisse der Geschichte hat jetzt das Zeitalter der Digitalisierung begonnen. Seit Mittwochabend ist der Denkmalatlas Niedersachsen im Internet freigeschaltet, zunächst in einer Beta-Version. Wenn alles fertig ist, sollen rund 120.000 Bau- und Kunstdenkmäler abrufbar sein: mit Beschreibung, genauen Geodaten, Denkmalstatus und fachlicher, trotzdem aber knapper Beschreibung.

Denkmalatlas für Niedersachsen ist freigeschaltet

Der Denkmalatlas werde ein „umfassender und stets aktueller Wissensspeicher“ und bilde die Grundlage für eine „Komunikationsplattform zwischen Bürgern und Fachleuten“, sagt Christina Krafczyk, seit Ende 2017 ist sie Präsidentin des Landesamts für Denkmalpflege (NLD). Die Daten sollten helfen, „die einzigartigen, identitätsstiftenden Kulturlandschaften Niedersachsens für zukünftige Generationen zu bewahren und weiterzuentwickeln“. Beim Jahresempfang ihrer Behörde in der Scharnhorststraße gab ihr Tea erstmals Einblicke in die Funktionen des Internetverzeichnisses. Staatssekretärin Sabine Johannsen aus dem Kulturministerium sagte, mit dem Atlas ließen sich Denkmale nicht nur „besser erfassen, verstehen und schützen, sondern auch bürgernah und verständlich präsentieren“.

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Zum Beispiel Hannovers Aegidienkirche: Der Denkmalatlas Niedersachsen - listet auf Knopfdruck die wichtigsten Informationen auf. Darunter befindet sich ein Erklärtext zur Geschichte des Bauwerks. Quelle: NLD

Aus Hannover sind bisher erst gut ein Dutzend Baudenkmale abrufbar, etwa das Fürstenhaus Herrenhausen, die Ruine der Aegidienkirche, die historische Landwehr am Pferdeturm und zusätzlich mehrere Bauhaus-Bauwerke. Bauhaus deshalb, weil der Atlas zusätzlich zu den Einzeldenkmalen auch inhaltliche Themenschwerpunkte präsentieren will. Und weil 2019 das Bauhaus-Jahr war, hat man einen der ersten Schwerpunkte auf die Strömung des Neuen Bauens im frühen 20. Jahrhundert gesetzt. Zu sehen sind etwa die alte TiHo-Mensa in der Bult, der Heinemanhof in Kirchrode oder die Stadtbibliothek.

Denkmalbehörde setzt Themenschwerpunkte

Andere Themenschwerpunkte drehen sich etwa um die Farbigkeit von Fachwerkhäusern in Niedersachsen, um das Wirken des Geodäten und Physikers Carl Friedrich Gauss im Lande und um Grabungsschutzgebiete. Und bei allen Beispielen zeigt sich der Vorteil der digitalen Präsentation gegenüber der gedruckten: Wurde bisher die vielseitige Denkmaltopographie für Landstriche herausgegeben, die nur in vieljährigem Abstand aktualisiert werden konnte, sind jetzt sowohl Verknüpfungen wie auch Aktualisierungen problemlos möglich. Bei der imposanten katholischen St. Augustinus-Kirche in Nordhorn etwa gibt es einen weiterführenden Link zu 360-Grad-Ansichten von Grafschafter Kirchen.

So sieht der Denkmalatlas Niedersachsen derzeit aus, wenn man Hannover in die Suchmaske eingibt. Bisher sind erst 15 Denkmale abrufbar – die Zahl dürfte bald auf einige Tausend steigen. Quelle: NLD

Bisher sind die Denkmalbestände für vier Städte vollständig erfasst: Nordhorn (196 Denkmale), Buxtehude-Altstadt (218 Denkmale), Northeim (655 Denkmale) und Wolfsburg (1588 Denkmale). Zusätzlich sind die archäologischen Baudenkmale der Landkreise Celle, Cloppenburg, Gifhorn und Holzminden abrufbar. Bodendenkmale allerdings werde das Landesamt nicht online publizieren, sagt Sprecher Tobias Wulf: Zu groß sei die Sorge vor illegalen Grabungen. Derzeit läuft die Verortung der Einzeldenkmale noch auf einer wenig komfortablen Openstreetmap-Version. Schon in wenigen Wochen aber soll mit dem Denkmal-Viewer eine besser nutzbare Software nutzbar sein.

Bürger sollen später Fotos beisteuern können

Geplant ist auch, dass Bürger die Datenbank mit Informationen bereichern können. Vom Döhrener Turm etwa fehlt noch ein aktuelles Foto, ebenso wie von der Anna-Siemsen-Schule in der Nordstadt. Gebäudeeigentümer sollen künftig möglicherweise Informationen oder historische Postkarten beisteuern können, um den Denkmalatlas vielfältiger zu machen. Zunächst aber muss die Datenbank aufgebaut werden. Bisher gibt es vergleichbar nur eine Wikipedia-Denkmalliste im Netz, die aber unverbindlich ist.

„Bürgernah und verständlich präsentieren“: Denkmalpflegepräsidentin Christina Krafczyk und Staatssekretärin Sabine Johannsen mit dem neuen Digitalatlas der Denkmale beim Neujahresempfang in der Scharnhorststraße 1. Quelle: Villegas

Bis 2023, sagt NLD-Präsidentin Krafczyk, solle Niedersachsens Denkmallandschaft flächendeckend über den Atlas abrufbar sein. Dann wäre das Bundesland wieder auf der Höhe: In Bayern ist der digitale Denkmalatlas bereits seit 2014 im Aufbau. Allerdings ist er dort auch heute noch im Teststadium und unfertig. Die Niedersachsen-Variante dagegen ist mit den Themenschwerpunkten deutlich vielfältiger.

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