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Aus der Stadt Hat Behörde bei Raupert Hof mit zweierlei Maß gemessen?
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Denkmalschutz in Hannover-Bemerode: Hat Behörde bei Raupert Hof mit zweierlei Maß gemessen? 

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13:00 18.11.2019
Gundlachs Raupert-Hof-Umbau: Spannender Kontrast zwischen moderner Architektur und altem Hofensemble – oder schlicht Frevel? Quelle: Jacqueline Hadasch
Bemerode

Rund 100 Bilder und Illustrationen zieren die Seiten eines Buches, das Petra Hülsing entwarf. Unter dem Titel „Raupert Hof“ arbeitet die Bemeroderin darin die Geschichte der gleichnamigen Gebäudegruppe Ecke Wülfeler Straße/Katzenwinkel auf. Der Anlass: Den historischen Hof, in dem sie geboren wurde, gibt es nicht mehr – zumindest nicht in seiner damaligen Form. Die hannoversche Immobilienfirma Gundlach kaufte das Grundstück und baute darauf Eigentumswohnungen und Reihenhäuser.

In ihrem Fotobuch beklagt die 62-Jährige ein geringes Maß an Denkmalschutzauflagen für die neuen Gebäude der Baufirma. „Der Wohnraum ist mit Sicherheit schön geworden, und das Gebäude stand fast 20 Jahre leer. Aber was Gundlach sich denkmalschutzrechtlich geleistet hat, geht gar nicht“, kritisiert Hülsing. Während die Anwohner harten Auflagen nachkommen müssten, seien für Gundlachs Neubauten vergleichsweise niedrige denkmalschutzrechtliche Standards erkennbar.

Metall und graue Fenster

Ein Beispiel seien die Metallrahmungen der Giebel. „Bei unserem Haus durften wir kein Metall verwenden“, erzählt Hülsing, „wir mussten Zahnleisten aus Holz nehmen.“ Auch fordere die Behörde für Denkmalpflege von Anwohnern teure, oben gebogene Fensterfronten und Fenstersprossen. Diesem Standard entsprächen die geradlinig gefassten grauen Fenster der Gundlach-Häuser nicht. Besonders wundert sich Hülsing über die laschen Vorgaben, da die Denkmalschutzbehörde den Bereich um die Wülfeler Straße vom Raupert Hof bis zur Kapelle 2011 unter Ensembleschutz stellte – weshalb ein Bauvorhaben der Firma GTP Bau auf dem Grundstück scheiterte.

Gundlach ist verwundert

Mit ihrem Eindruck ist die Bemeroderin nicht allein. „Bei den Gebäuden hat man sich sicher viel Mühe gegeben, diese in den Dorfcharakter einzufügen“, findet auch Anwohner Volker Moennig. Aber: „Die Denkmalschutzbehörde hat da offenbar mit zweierlei Maß gemessen. Beim neuen Raupert Hof ist sie so großzügig. Bei uns Bürgern aber sehr restriktiv, was mich ärgert“, beklagt der 73-Jährige. Die Stimmungslage in der Nachbarschaft sei ähnlich.

Die Firma Gundlach zeigt sich verwundert über den Unmut der Anwohner. Das Projekt Raupert Hof sei „ein absolutes Musterbeispiel für den Umgang mit Denkmalschutz“, sagt Frank Scharnowski, Leiter der Marketingabteilung. Der Hofcharakter sei erhalten worden und Gundlach sehr behutsam mit alten Elementen des Hofes umgegangen.

Neubauten „korrekt beantragt“

Auch die Stadt sieht keine denkmalschutzrechtlichen Verstöße. Das Grundstück sei Teil einer geschützten Gruppe baulicher Anlagen, allerdings seien unter den alten Gebäuden auch solche ohne Denkmalwert gewesen – was die Neubauten überhaupt erst ermöglichte, erklärt Pressesprecherin Michaela Steigerwald. Für Neubauten gelten dabei denkmalrechtliche Standards, „die sich von den Anforderungen an den Denkmalwert mitbegründende Gebäude grundsätzlich unterscheiden“. Dementsprechend seien die Neubauten „korrekt beantragt“, denkmalrechtliche Aspekte vollständig berücksichtigt und sachgerecht abgewogen worden.

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Von Jacqueline Hadasch

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