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Aus der Stadt Warum schließen immer mehr Läden in Hannovers Innenstadt?
Hannover Aus der Stadt Warum schließen immer mehr Läden in Hannovers Innenstadt?
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00:15 07.02.2019
Der Einzelhandel braucht mehr Qualität und mehr Kreativität, gerade in Zeiten von Absatzproblemen: Dirk Wichner, Einzelhandelsexperte Jones Lang Lasalle (JLL). Quelle: privat
Hannover

Esprit schließt sein größtes Geschäft in Hannover, jetzt macht auch Benetton seinen Megastore an der Georgstraße dicht. Im HAZ-Interview sagt Handelsexperte Dirk Wichner von Jones Lang Lasall, dass der stationäre Handel Fehler gemacht hat.

Herr Wichner, in kurzer Folge schließen erst Esprit, dann Benetton, viele alteingesessene Geschäfte sind schon länger weg. Welches Problem hat der Modehandel in der Innenstadt?

Vor zehn Jahren hat der Onlinehandel mit Büchern die Buchgeschäfte in den Innenstädten getroffen, mit spürbaren Auswirkungen. Da haben sich die Marktkräfte für diese Branche inzwischen austariert, aber jetzt geht es im Textilhandel los. Der Unterschied ist: Der Buchhandel hat früher 8 Prozent in den Innenstädten ausgemacht, jetzt noch 6 Prozent – der Textilhandel aber macht 50 Prozent der Verkaufsflächen in Innenstädten aus. Die Folgen sind also deutlicher wahrnehmbar.

Werden wir denn in zehn Jahren nur noch Handy- und Dönershops oder Nagelstudios in den besten Lagen haben?

Keinesfalls, und gerade in Städten wie Hannover muss man sich da keine Sorgen machen. Hannover hat als eine der deutschen Top-Ten-Einkaufstädte nicht nur ein großes Einzugsgebiet, sondern in diesem Einzugsgebiet auch eine starke Kaufkraft. Deshalb wird die Innenstadt attraktiv für Handelsansiedlungen bleiben.

Wenn aber die Rahmenbedingungen so toll sind, warum müssen dann Esprit und Benetton schließen?

Das ist ein bisschen der Nokia-Effekt. Nokia war einmal eine große Marke, hat dann das Klapphandy als Trend verschlafen und wurde schwerfällig wie ein Tanker. Das hemmt Innovation und Kreativität. Wenn plötzlich die Konkurrenz mit Schnellbooten kommt, um im Bild zu bleiben, dann fällt den Althergebrachten das Umsteuern schwer.

Wo liegen denn die Fehler?

In Deutschland wird auf Absatzprobleme oft mit Kostenreduktion reagiert. Da sparen die großen Modenamen dann an Personal – entweder indem Personal abgebaut wird oder indem weniger qualifiziertes Personal eingestellt wird. Das ist aber ein riesiger Fehler, den der Kunde beim Einkauf in Geschäften merkt. Mal ehrlich: Wann haben Sie sich denn beim Modeeinkauf zuletzt so gut betreut gefühlt wie früher, als Herrenausstatter Sie noch intensiv beraten hat?

Fakt ist aber doch auch, dass durch den Onlinehandel Umsätze verloren gehen.

Wer intelligent darauf reagieren will, muss sich die Nachteile des Onlinehandels zunutze machen. Der kann nur den Seh-Sinn ansprechen, mit bunten Bildern. Wir kennen das doch alle: Im Internet sehen die Klamotten toll aus, und wenn man sie dann zuhause vor dem Spiegel anprobiert, dann sind die Gesichter lang. Der Stationärhandel hat da einen Riesenvorteil – aber er hat es in den vergangenen Jahren versäumt, das reale Einkaufen zum Erlebnis zu machen.

Was muss sich ändern?

Der Innenstadthandel muss sich wandeln. Viele Leute haben zum Beispiel keine Lust, ihre Einkäufe stundenlang durch die Stadt zu schleppen. Warum gibt es in den meisten Geschäften noch keine guten Lieferdienste? Und warum kann ich nicht, wenn ich im Internet einen tollen Pulli gesehen habe, mir anzeigen lassen, ob der im Geschäft meines Vertrauens in der passenden Farbe und Größe vorrätig ist? Insgesamt muss das Einkaufen ein Erlebnis sein. Aber warum bekomme ich in wenigen Geschäften einen Kaffee angeboten, wenn ich dort für viel Geld einkaufen will? Marken, die sich nicht auf Wandel einstellen, werden nicht überleben. Aber die Innenstädte sterben dadurch nicht aus. Sie verändern sich nur.

11,5 Prozent Geschäfte inhabergeführt

11,5 Prozent der Geschäfte in der Innenstadt werden noch von den Inhabern selbst betrieben – die anderen 88,5 Prozent sind Filialisten oder Franchise-Shops. Das klingt nach einem kleinen Anteil, ist aber im Vergleich zu allen anderen Großstädten ein sehr guter Wert.

In der Bahnhofstraße und der Großen Packhofstraße beträgt der Filialisierungsgrad 100 Prozent. Vor allem in Oster- und Karmarschstraße sowie in der Georgstraße bieten viele Familienunternehmen seit Generationen Qualität, etwa I.G. von der Linde, Mäntelhaus Kaiser, Parfümerie Liebe, Horstmann + Sander, Weitz und andere.

Von Conrad von Meding

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