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Aus der Stadt Mehr als 20 Veranstaltungen: Hannover feiert seine Kioske
Hannover Aus der Stadt

Die HAZ lädt zum Kiosktag - Am Sonnabend werden die Kioske in Hannover gefeiert

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20:17 01.08.2019
Lust auf Kioskkultur: Kiosk-Betreiber Ngoc Duc Nguyen, Juliane Lorenz von der Gilde-Brauerei, HAZ-Redakteur Jan Sedelies sowie Julius Martinek und Johannes Keller von der Band Kasimir Effekt laden zu Konzerten und besonderen Kioskmomenten ein. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Ein Nachmittag in der Probierbude am Ende der Limmerstraße. Die Stammkundschaft geht ein und aus, Nachbarn winken von Weitem, manche kommen näher und begrüßen Betreiber Ngoc Duc Nguyen mit Handschlag.

Der steht vor seinem Kiosk und bespricht mit der hannoverschen Band Kasimir Effekt die letzten Feinschliffe für den kommenden Sonnabend – dann gibt das Elektro-Jazz-Trio ein eher ungewöhnliches Konzert. Es findet direkt am Kiosk statt – während des HAZ-Kiosktags.

Zum zweiten Mal organisiert die HAZ in Zusammenarbeit mit starken Partnern nach 2018 den Kiosktag in Hannover. Die Idee: Die Teilnehmer wollen ein Zeichen setzen für die Kioskkultur – und auf Probleme durch steigende Mieten und den Konkurrenzdruck durch Supermärkte hinweisen.

Die Bedeutung der Kioskkultur

Betreiber und Künstler bitten am Sonnabend, 3. August, zwischen 14 und 21 Uhr zu Kleinkunst, Ausstellungen und Konzerten. Die meisten der etwa 25 Angebote sind kostenlos.

HAZ-Redakteur und Koordinator Jan Sedelies weiß um die Bedeutung der Kioskkultur für die Stadt: „Kioske bieten immer auch Raum für Nachbarschaft und den persönlichen Austausch. Wir möchten die Menschen in Hannover einladen, an ihrem Kiosk des Vertrauens mit Besitzern und Nachbarn ins Gespräch zu kommen oder auch einmal neue Kioske kennenzulernen.“

Die Probierbude in Linden Nord war schon im vergangenen Jahr dabei, Betreiber Nguyen freut sich auf viele Begegnungen mit alten und neuen Kunden: „Kioske sind Anlaufstellen in vielerlei Hinsicht, die Leute kaufen hier ihre Limo, aber sie kommen auch mit Sorgen und bei Langeweile. Ich weiß immer Bescheid, wie es meinen Stammkunden geht.“

Auch Juliane Lorenz von der Gilde Brauerei, in diesem Jahr Partner des Kiosktags, ist schon voller Vorfreude. „Das ist ein Tag, an dem die Hannoveraner ihre Kioske feiern. Die Kioske verankern die Menschen hier, so unterschiedlich sie auch sind. Und sie geben ihnen ein Stück regionales Zuhause.“

Schwerpunkt: Kleine Konzerte

Neben Lesungen, Ausstellungen und Kinderprogramm liegt auch dieses Jahr der Schwerpunkt auf kleinen Konzerten. Das Konzert des Elektro-Trios Kasimir Effekt in der Probierbude bildet um 20 Uhr den Abschluss des Kiosktags. Die Band kombiniert analoge technische Sounds mit jazzigen Einflüssen und hofft auf Tanzeinlagen.

Kontrabassist Johannes Keller gibt zu: „Wir hatten auch eine Anfrage in Bayern zu spielen, aber wir haben uns an diesem besonderen Tag deutlich für Hannover entschieden. Denn was wäre die Stadt ohne ihre Kioske?“

Das Programm des Kiosktags 2019:

Linden

Kiosk-Satire-Lesung mit Joe Fass im ehemaligen Kiosk, Ecke Posthornstraße/Von-Alten-Allee, 14 Uhr

Im ehemaligen Kiosk direkt am Eingang des Von-Alten-Parks ist das Café von Alten eingezogen. Dort stellt am Sonnabend der hannoversche Autor Joe Faß sein neues Buch „Zartbitter / SatireSplitter3“ vor. Direkt am historischen Eingang des Parks lernten sich Café-Betreiber Lincoln Dyssell und Joe Faß bei einem Cappuccino kennen und schätzen.

„Endlich ist an diesem schönen Ort etwas neues entstanden“, so Joe Faß, der es bedauerte, dass der Kiosk bei ihm um die Ecke lange leer stand. Faß hat für sein neues Buch satirische Kaffeehaus-Geschichten und hannoversche Kiosk-Erlebnissen gesammelt.

Nachbarschaftstreff, Kiosk am Sporlederweg 13b, 15 Uhr

Die Nachbarn aus den Straßen Sporlederweg, Am Spielfelde und der Bornumer Straße organisieren regelmäßig Nachbarschaftsfeiern und tauschen sich aus. Am Kiosktag laden die Nachbarn für 15 Uhr zu einer Bringe-Party ein: Das Kioskteam stellt die Getränke, Nachbarn bringen Kuchen mit.

Spontanes Akustik-Konzert von Band ohne Anspruch, Ottenstraße, 15 Uhr

Die Band ohne Anspruch hat angekündigt, spontan in Linden-Nord Akustikpunk zu spielen. Quelle: Band ohne Anspruch.

Die Musiker von der Band ohne Anspruch stehen für eingängigen und schnellen Punkrock. Entsprechend haben die Musiker ein spontanes Akustik-Konzert in Linden an der Ottenstraße angekündigt.

Kiosk-Lesung mit Günter Müller, Can-Zer-Kiosk, Limmerstraße 36, 15.30 Uhr

Günter Müller ist ein hannoverscher Schriftsteller und Hörspielproduzent. Der 75-Jährige hat auch Erzählungen über den Stadtteil Linden verfasst und gesammelt. Nun lädt der umtriebige Autor am Can-Zer-Kiosk zu seiner Lesung mit dem Titel „Von Tante Emmas Laden zum Can-Zer-Kiosk“ ein. Der Kiosk hat für den Künstler eine besondere Bedeutung, er kannte auch das frühere Gemüse- und Lebensmittelgeschäft gut. Mit Unterstützung des Freizeitheims Linden wird Müller den Text direkt am Kiosk vorstellen.

Die Band Flocht spielt akustisch in Linden-Nord. Quelle: Jan Fischer

Kiosk-Konzert mit Flocht am Kiosk Pfarrlandplatz, 18 und 19.30 Uhr

Die Band Flocht steht für eingängige Pophymnen samt Songwriter-Anleihen und Rock-‘n‘-Roll-Momenten. Das Trio spielt jeweils um 18 und 19.30 Uhr am Kiosk am Pfarrlandplatz ein Akustik-Konzert.

Kiosk-Film im Apollo Kino, Limmerstraße 50, 19 Uhr

Das Apollo-Kino zeigt den Film „7 Tage ... im Kiosk“. Die NDR-Autorinnen Lena Lobers und Carina Nickel haben sieben Tage in einem Kiosk gearbeitet und daraus einen Film gemacht. Sie stehen mit Mehmet und Hicran Yildrim und dem zwölfjährigen Sohn Arda hinter der Kasse an der Ungerstraße, füllen Weinblätter und essen gemeinsam mit der Familie vor dem Laden zu Abend.

Die 30-minütige Reportage gewährt einen liebevollen Einblick in die Lebenswelt einer Familie, die mit ihrem Kiosk die Menschen aus dem Viertel zusammenbringt und verbindet. Mehmet Yildrim und seine Frau Hicran betreiben den Laden in Linden seit mehr als 30 Jahren. Früher gab es hier vor allem Schnaps, Zigaretten und Zeitschriften. Heute finden die Kunden aus dem Viertel fast alles, was sie zum alltäglichen Leben brauchen: frisches Obst und Gemüse, hausgemachte Eintöpfe, Klopapier, Fladenbrot und vor allem immer ein offenes Ohr. Der Eintritt zu der Vorstellung im Kino kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Das Gilde Brauerei-Kiosk-Konzert mit Kasimir Effekt an der Probierbude, Limmerstraße 105, 20 Uhr

Die Probierbude direkt an der Limmerstraße ist längst ein Treffpunkt der Kultur. Es gibt Lesungen und kleine intime Konzerte. Zum Kiosktag tritt das Trio Kasimir Effekt auf. Die Musiker verbinden analoge Jazz-Klänge mit elektronischen Rhythmen und Effekten und zaubern einen treibenden Sommersoundtrack. Das Konzert ist zudem der Abschluss des Kiosktages.

Döhren

Brauseverkostung und Konzert an der Brausebude, Hildesheimer Straße 258, 15 Uhr

Diese Brausesorten muten mutig an: Johannisbeer-Vanille, Basilikum, Lakritz-Cola, Tannenwald, Birne-Rosmarin und etliche andere Limonaden in diversen Geschmacksrichtungen füllen die Regale der neuen Brausebude. Verkauft werden sie durch ein schmales, klassisches Kioskfenster von den Schwestern Mirjana und Sonja Schütze der Agentur Fremd.essen. Seit Anfang des Jahres nutzen die Schwestern den ehemaligen Kiosk als Büro und Verkaufsraum mit völlig neuem Konzept.

„Wir organisieren seit vier Jahren Streetfood-Märkte und hatten nach einem Büro gesucht“, erzählt Sonja Schütze. Zum Kiosktag planen sie lockere Verkostungen und öffnen von 14 bis 17 Uhr. Dazu erhalten sie Unterstützung durch Lukas Dolphin. Der Hannoveraner erfindet sein ganz eigenes Genre zwischen Elliot Smith, Simon & Garfunkel oder REM. Lukas Dolphins Texte sind tiefgründig und seine Musik einfach außergewöhnlich. Um 15 Uhr geht’s komplett akustisch an der Brausebude los.

Oststadt

Ausstellung am Kiosk, Hallerstraße 7, Vernissage 14 Uhr

Der Kiosk an der Hallerstraße 7 wird schon seit 36 Jahren vom gleichen Pächter betrieben – nun bekommt er seine erste Ausstellung. Denn direkt am Kiosk stellt der Künstler Olli Mueller Fotos aus. Der Künstler wurde 1993 in Hannover geboren und hat inzwischen Fotoreportagen für sich entdeckt. Er begleitete Rennsportler wie Maximilian Günther und David Kolkmann und hielt als Reisereporter Bilder von den Azoren, Kanaren und der Karibik fest.

Für den FC St. Pauli begleitete Olli Mueller Trainer, Physiotherapeuten, Scouts und schaute hinter die Kulissen des Nachwuchsleistungszentrums. Besucher des Kiosktages können die besten Fotos des jungen Künstlers sehen. Er lädt um 14 Uhr zur Vernissage ein. Neben den typischen Getränken und Snacks gibt es für die ersten 100 Besucher das Capri-Eis des Kioskchefs Hayri Canat. Zusätzlich bekommen die ersten 150 Besucher ein Give-Away-Paket.

Nordstadt

Bierverkostung bei Onkel Olli's Nordstadt/Linden Kiosk, An der Lutherkirche 10, 13 Uhr

Der Kiosk von Onkel Olli lädt Besucher zu einer Bierverkostung aus 99 Sorten ein. Um 13 Uhr geht’s bei Selbstbedienung los.

Calenberger Neustadt

Kiosk-Konzert mit Lieber Herr Meier, Flacon Kiosk, Oeltzenstraße 17, 19 Uhr

Die Band Lieber Herr Meier spielt in der Calenberger Neustadt. Quelle: Lieber Herr Meier

Auch zum 2. Kiosktag gibt es wieder ein etwas größeres Kiosk-Konzert. In diesem Jahr wird mit der Band Lieber Herr Meier gefeiert. Die Band zeigt, dass man Hüftschwung und Kopf miteinander verknüpfen kann. Ob nun Indie-Pop, Indie-Rock oder doch poppige Attitüde, die Band beweist sowohl in Worten als auch in der Musik ihre Fähigkeit zur differenzierten Reflektion kleiner wie großer Zusammenhänge. Diese Musik ist offen und öffnet, überrascht, holt ab. Radio 21 unterstützt das Konzert.

Südstadt

Piratenklänge am See-Kiosk am Piratengarten, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 81, ab 14 Uhr

Der Künstler Matthias Wessolowski betreibt den Kiosk und Minibiergarten am Südufer des Maschsees. Im vergangenen Jahr rief er dazu auf, Gedichte vorzutragen. In diesem Jahr soll es unter dem Motto „Maschsee – die SeeLE Hannovers“ um den Sommer und den See gehen. Jeder Besucher, der einen Song zu den Themen an einem alten Piano spielt, bekommt ob Calypso oder Volkslied eine Jakobsmuschelschale zur Erinnerung. Zudem stellt Wessolowski seine „SeeVenirs“ vor: kleine Erinnerungen an den Maschsee vom Aufkleber bis zum Schlüsselanhänger.

Kiosk-Cocktails, Kiosk am Maschsee-Nordufer, Kurt-Schwitters-Platz 1, ab 14 Uhr

Im vergangenen Jahr haben Stefan Herzlieb und Vincent Weidig den Kiosk am Maschsee-Nordufer übernommen. Direkt neben dem Hellebardier bieten sie saisonale Snacks aus überwiegend regionaler Produktion. Am Kiosktag sind sie eigentlich mit dem Maschseefest entsprechend ausgelastet. Trotzdem bieten sie einen besonderen Kioskcocktail – ein Gin kombiniert mit einer Rosenlimonade. Dazu gibt es eine kleine, bunte Tüte.

Künstler Keja tritt erneut beim Kiosktag vor dem Kiosk auf. Quelle: Sedelies

Am Kiosk hat im vergangenen Jahr der Künstler Keja akustisch Kinderlieder und eigene Kompositionen aus dem Rockbereich auf einem Hocker sitzend direkt vor dem Kiosk gespielt. Nachbarn kamen spontan zusammen und hörten auf Stühlen zu. In diesem Jahr soll sogar ein Zauberer dazukommen. Die Kinderlieder beginnen um 15 Uhr, die eigenen Kompositionen sind in kleinen Blöcken immer wieder ab 19.30 Uhr zu hören.

Diskussion im Kiosk der Vielfalt, Große Barlinge 62, 16 Uhr

Im Kiosk der Vielfalt wird über Gerechtigkeit diskutiert. Quelle: Sedelies

Der Kiosk der Vielfalt ist eine neue Kultureinrichtung in einem ehemaligen Kiosk in der Südstadt. Der Kiosk der Vielfalt möchte Neugier auf verschiedene Themen fördern und ein Ort sein, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen, um miteinander zu diskutieren und neue Anregungen zu bekommen. Für den Tag des Kiosks haben die Betreiber Bernd Bödecker und Barbara Blust mit der Frage „Ist es gerecht, wenn Banker und Lagerarbeiter das Gleiche fürs Bier am Kiosk bezahlen?“ erstmals ein gesellschaftliches Diskussionsthema ausgewählt.

Die Kioskbetreiber sind sich jedoch ziemlich sicher, dass es sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was eine gerechte Bezahlung eigentlich ausmacht, was die Ursachen dafür sind und was man tun kann, um das zu ändern. Sie laden herzlich dazu ein, sich an der bestimmt anregenden Diskussion zu beteiligen.

Innenstadt

Jazzklänge am
Gottfried's Kiosk, Holzmarkt 6, 15 bis 17 Uhr

Direkt am Holzmarkt in der Altstadt hat in diesem Jahr Gottfried’s Feinkiosk eröffnet – mit regionalen Produkten und Kaffeespezialitäten sorgen die Betreiber für Wohnzimmeratmosphäre mitten in der Stadt. Nun kommt auch noch Musik dazu. Denn am entspannten Sonnabendnachmittag gibt es Livemusik. Das Steinberg Trio spielt von 15 bis 17 Uhr Singer-Songwriter-Jazz.

Langenhagen

Kuchen am Kiosk Neue Bult, Hoppegartenring 1, 6 bis 16 Uhr

Der Kiosk Neue Bult bietet von 6 bis 16 Uhr selbstgemachte Kekse und Kuchen an.

Besondere Aktionen

Zum Kiosktag bereitet Holger Wohllebe eine Segway-Kiosktour vor. Der Geschäftsführer des hannoverschen Anbieters 6-way Segway Tour bietet eine Benefiz-Tour an, die ein paar Programmpunkte gezielt ansteuert. Zwölf Teilnehmer können dabei vom Trammplatz aus auf eine vierstündige Kiosk-Tour gehen. Buchungen sind auf der Internetseite des Anbieters möglich. Die Einnahmen werden dem Verein Business for Kids e. V. gespendet. Es gibt nur noch ganz wenige Restplätze.

Das Team von der Initiative Lust auf Fahrrad unterstützt auch in diesem Jahr den Kiosktag und verteilt an Passanten unterwegs kleine Süßigkeiten – die bunten Tüten werden in nachhaltigen Verpackungen gereicht und sollen Lust auf Müllvermeidung und hannoversche Kultur machen. Die Radler sind von 16 bis 20 Uhr in der Innenstadt, Linden und in der Calenberger Neustadt unterwegs.

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Von Tabea Sperl

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