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Aus der Stadt „Dienst an anderen Menschen muss freiwillig bleiben“
Hannover Aus der Stadt

Die von der CDU-Vorsitzenden angeregte Dienstpflicht stößt in Hannover auf Ablehnung

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17:31 29.11.2019
Ein junger Mann, der ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) absolviert, hilft der Bewohnerin einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke. Quelle: Frieso Gentsch, dpa
Hannover

Die in der Bundes-CDU diskutierte Dienstpflicht für junge Leute nach Abschluss der Schule stößt in Hannover auf breite Ablehnung. Kritik kommt nicht nur von Sozialunternehmen und Hilfsorganisationen sondern auch vom Landesschülerrat.

Das evangelische Unternehmen Diakovere, das in Hannover Krankenhäuser, Seniorenheime und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen betreibt, hat gute Erfahrungen mit den Menschen gemacht, die ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) und den Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Viele wollten dann einen sozialen Beruf ergreifen, sagt der Theologische Geschäftsführer von Diakovere, Pastor Uwe Mletzko. In seinem Unternehmen engagierten sich jedes Jahr 120 junge Menschen für andere Menschen, um sie zu pflegen und zu begleiten. „Dabei stellen wir fest, dass viele während dieser Zeit entgegen des ursprünglichen Berufswunsches nun den Wunsch haben, einen sozialen Beruf zu erlernen“, sagt Mletzko.

„Wer im Sozialbereich arbeitet, sollte das freiwillig tun“

Die Freiwilligen seien besonders interessiert an der Arbeit mit den unterschiedlichen Menschen. „Ein Pflichtjahr, das junge Menschen dazu führt gegebenenfalls entgegen ihrer Neigung in der Pflege zu arbeiten, wird weder den Berufswunsch stärken noch führt es dazu, dass Menschen besser betreut werden“, betont Mletzko.

Ähnlich äußert sich Frauke Engel von der Hilfsorganisation Johanniter. Eine allgemeine Dienstpflicht sei nicht zielführend, vor allem nicht im sozialen Bereich, meint sie. Es sei vernünftig, wenn junge Leute im sozialen Bereich Erfahrungen sammelten. Die Freiwilligkeit sei für die Arbeit im sozialen Bereich aber eine Grundvoraussetzung, betont sie.

„Junge Leute brauchen keine generelle Dienstpflicht

Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Region Hannover, Burkhard Teuber, fordert eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung des Bundesfreiwilligendienstes, damit er attraktiver wird. Teuber kann sich zudem vorstellen, ein bereits praktiziertes Modell auszuweiten. Dabei können Arbeitnehmer vor dem Renteneintritt aufhören zu arbeiten und sich stattdessen sozial engagieren. „Dafür gibt es nur ein Taschengeld, es müssen aber die Lebenshaltungskosten gesichert werden“, sagt er.

Ole Moszczynski aus dem Vorstand des Landesschülerrats hat Einwände gegen eine generelle Dienstpflicht. Die Jugendlichen engagierten sich schon stark, sagt der Gymnasiast aus Hannover, wie beispielsweise bei den Fridays-for-Future-Protesten zu sehen sei. „Viele wollen sich gern engagieren, aber es mangelt an der finanziellen Ausstattung beim FSJ und an den richtigen Angeboten.“ Wer ein FSJ mache, erhalte derzeit nur ein Taschengeld, das reiche einfach nicht aus.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte die Einführung eines Pflichtjahrs für gemeinnützige Tätigkeiten junger Frauen und Männer vorgeschlagen, analog zur früheren Wehrpflicht und dem Zivildienst vorgeschlagen. Es soll nach der Schulzeit abgeleistet werden, zum Beispiel im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich. Mögliche Einsatzorte wären neben der Bundeswehr beispielsweise Pflegeeinrichtungen, die Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk.

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Von Mathias Klein

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