Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Brauchen wir wirklich Tablets und Smartphones im Klassenzimmer?
Hannover Aus der Stadt Brauchen wir wirklich Tablets und Smartphones im Klassenzimmer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 22.03.2019
Digitale Medien bieten für Jörg Dräger große Chancen. Quelle: Jan Voth
Hannover.

Bildungsforscher Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung sieht in digitalen Medien eine Chance.

Herr Dräger, brauchen wir digitale Medien wie Tablets und Smartphones im Klassenzimmer?

Unbedingt. Denn digitale Medien bieten die Chance, erfolgreicher zu lernen. Zudem gehören Handys zur heutigen Lebenswelt, Verbote wie in Frankreich sind der falsche Weg. Wo, wenn nicht in der Schule, sollen alle Kinder den vernünftigen Umgang damit lernen? Zum vernünftigen Umgang zählt übrigens durchaus auch mal das Ausschalten. Aber eben auch das Verständnis, was mit meinen Daten geschieht und wann Algorithmen über mich entscheiden.

Welche Chancen bieten digitale Medien in der Schule?

Digitale Bildung ist eine Chance, aber kein Allheilmittel. Nur in Verbindung mit einem guten pädagogischen Konzept können Smartphones, Tablets und Lernsoftware helfen, Kindern und Jugendliche besser individuell zu fördern. Lehrer können dann einfacher analysieren, wo welches Kind im Stoff steht und welche Unterstützung es braucht. So werden Lehrkräfte entlastet und erhalten Freiräume, damit sie mehr Zeit für jedes Kind haben. Und mehr Zeit für die großen bildungspolitischen Herausforderungen wie die steigende Heterogenität im Klassenzimmer und die Inklusion.

Welche Risiken bergen sie?

Schlechter Unterricht digitalisiert bleibt schlechter Unterricht. Eine moderne technische Ausstattung der Schulen alleine wird also nichts bringen. Entscheidend ist, dass die Schulen maßgeschneiderte pädagogischen Konzepte für sich erarbeiten, wie sie digitale Medien nutzen wollen, und die Lehrer entsprechend fortgebildet werden.

Wie ändert sich die Rolle von Lehrern und Schülern in der digitalen Welt?

Die Bedeutung der Lehrkraft als Wissensvermittler wird weiterhin abnehmen, die Rolle des Lernbegleiters wird hingegen wichtiger. Mit der Digitalisierung verändern sich übrigens auch die Anforderungen an schulische Prüfungen. Ausschließlich individuelle Leistungen unter Zeitdruck und ohne Hilfsmittel abzuprüfen, ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen vielmehr neue Prüfungsformate, die auch in den Blick nehmen, wie Schüler kreativ und im Team unter Zuhilfenahme aller verfügbaren Möglichkeiten komplexe Probleme lösen.

Kann Deutschland es sich leisten, Kinder weiterhin hauptsächlich analog zu unterrichten?

Nein. Aber es geht nicht um den Gegensatz analog zu digital, sondern um eine neue Lernkultur, die auch digitale Medien nutzt. Statt „Büffeln“ geht es doch heute mehr um „Rauskriegen“, also um das Lösen von komplexen Problemen. Wenn Künstliche Intelligenz und Roboter zukünftig leicht automatisierbare Tätigkeiten ersetzen, brauchen wir kreative, kritische und widerstandsfähige Kinder. Die entwickeln sich durch ein anderes Lernen, das stärker problemorientiert und fächerübergreifend ist. Digitale Medien sollten da ein selbstverständliches Hilfsmittel sein.

Der Weg zur „digitalen Schule“: Das müssen Sie zum Thema wissen

Die HAZ-Themenseite: Alle Beiträge zum Thema „digitale“ Schule auf einen Blick

Der „Digitalpakt:“ Das Kultusministerium beantwortet häufig gestellte Fragen

Schädlicher Staub in den Klassenräumen: Der Streit um die Abschaffung der Kreidetafeln

Ein Blick in die Praxis: „Regulärer Unterricht ist nur unter schwersten Bedingungen möglich“

Interview: Sollten Tablets und Smartphones die Schulbücher ersetzen?

Interview: Brauchen wir wirklich Tablets und Smartphones im Klassenzimmer?

Mehr aktuelle Berichte aus Hannovers Schulen

Aktuelle Infos für Lehrer, Eltern und Schüler in Hannover: Die HAZ berichtet laufend über Themen rund um die Schulen der Stadt. Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel auf einen Blick.

Von Saskia Döhner

Was verändert sich durch das Lernen mit dem Tablet? Müssen sich schon Grundschüler mit den digitalen Medien befassen? Stadt und Region Hannover meinen Ja und haben das Modellprojekt Calliope Mini gestartet. Auch für Lehrer verändert sich durch die neue Technik viel.

22.03.2019

Rainer Lubert von der Pestalozzischule steht der Digitalisierung positiv gegenüber. Seine Oberschule habe aber dringendere Probleme, es fehlten Räume und Plätze für Schulformwechsler. Regulärer Unterricht sei kaum noch möglich.

22.03.2019

Die Grünen im Landtag unterstützen eine Petition, die den geplanten Kiesabbau bei Wilkenburg verhindern will. Sie wollen das Areal eines antiken Römerlagers als Bodendenkmal erhalten.

19.03.2019