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Aus der Stadt Der "Digitalpakt": Antworten auf die wichtigsten Fragen
Hannover Aus der Stadt Der "Digitalpakt": Antworten auf die wichtigsten Fragen
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00:17 22.03.2019
Die Schüler werden auch in Niedersachsen zunehmend digital unterrichtet. Quelle: picture alliance / Armin Weigel/
Hannover

Das Kultusministerium beantwortet Fragen zur Umsetzung des Digitalpakts.

Was heißt eigentlich „digitales Lernen“? Lernt man dasselbe genauso wie bisher, nur mit der Unterstützung bewegter Bilder? Muss es komplett neue Lehrpläne geben?

Der Begriff „digitales Lernen“ wird in Niedersachsen nicht verwendet. Es geht nicht darum, in Priorität digitale Tools zu verwenden, sondern das Lernen mit und über Medien dort einzubinden, wo es pädagogisch sinnvoll oder notwendig ist. Es geht um Lehren und Lernen in einer zunehmend digitalen Welt. Unter diesem Blickwinkel werden sich die Lehr- und Lernformen ebenso verändern wie die Inhalte der Lehrpläne.

Lernt man eigentlich auch etwas über das Digitale? Geht es auch um den Umgang mit sozialen Medien und die Auswirkungen der Digitalisierung auf das ganze Leben? Gibt es neue Fächer?

In der Medienbildung berücksichtigt das Kultusministerium drei sich ergänzende Perspektiven:

1. die technologische Perspektive: Sie hinterfragt und bewertet die Funktionsweise der Systeme, die die digitale Welt ausmachen. Sie gibt Antworten auf die Wirkprinzipien von Systemen und deren Erweiterungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie erklärt verschiedene Phänomene mit immer wiederkehrenden Konzepten.

2. die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive: Sie untersucht die Wechselwirkungen der vernetzten Welt mit Individuen und der Gesellschaft. Sie geht Fragen nach wie etwa: Wie wirken digitale Medien auf Individuen und die Gesellschaft, wie kann man Informationen beurteilen, eigene Standpunkte entwickeln und Einfluss nehmen?

3. die anwendungsbezogene Perspektive: Sie fokussiert auf die zielgerichtete Auswahl von Systemen und deren effektive Nutzung zur Umsetzung individueller und kooperativer Vorhaben. Sie geht Fragen nach, wie und warum Werkzeuge ausgewählt und genutzt werden.

Es wird geprüft, ob das Fach Informatik schrittweise als Pflichtfach eingeführt werden soll. Noch fehlen allerdings die Lehrer. „Digitalisierung sowie der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ist kein Selbstzweck“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Sondern vielmehr gehe es darum, Schülern einen reflektierten kritischen Umgang mit digitalen Medien beizubringen, und darum, den Mehrwert, den digitale Lernwerkzeuge insgesamt haben können, in alle Unterrichtsfächer einzubetten.

Was heißt das alles für die Lehrer? Was ist deren Ausbildung und bisherige Arbeitsweise noch wert?

Der Arbeitsplatz von Lehrern verändert sich genauso wie andere Arbeitsplätze sich durch Digitalisierung verändern. Dies bedeutet nicht, dass das bisherige Wissen nichts mehr wert ist. Im Gegenteil: Durch den professionell pädagogischen Blick wird das Lernen mit und über Medien in das fachliche Wissen integriert. Lehrkräfte benötigen dazu zum einen eigene Medienkompetenz und zum anderen medienpädagogische Kompetenzen.

Zurzeit werden sowohl die Ausbildung der Lehrkräfte an Universitäten als auch der Vorbereitungsdienst an Studienseminaren systematisch hinsichtlich Medienkompetenzen ergänzt. Für bereits aktive Lehrkräfte gibt es ein breites Angebot an Fortbildungsmaßnahmen. Es gibt 80 medienpädagogische Berater für eine Prozessbegleitung der Schulen. Durch den Digitalpakt wird diese Zahl voraussichtlich noch erhöht.

Wie weit kommt man eigentlich mit dem Geld aus dem Digitalpakt? Wie teuer ist es, die Schule ordentlich zu verkabeln, alle Kinder mit Tablets auszustatten, Lehrer zu schulen etc.?

„Pauschale und einfache Antworten auf diese Fragen gibt es nicht“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Jedes Schulgebäude hat eigene Voraussetzungen. Die Wahl der Geräte steht den Trägern frei. In Niedersachsen wird im Grundsatz auf eltern- oder nutzerinnen- und nutzerfinanzierte Endgeräte gesetzt. Bei der Qualifizierung der Lehrkräfte sind neue Formate der Fortbildung zu entwickeln, z. B. Online-Kurse oder blended-learning Formate. Die Entwicklung dieser Formate ist über den Digitalpakt länderübergreifend finanzierbar.

Bleibt da Land bei seinem Motto: Bring your own device? Werden das dann Handys sein? Wie können Privatgeräte zentral administriert werden, um etwa Betrug bei Klausuren zu vermeiden?

Das Land Niedersachsen setzt grundsätzlich auf elternfinanzierte Endgeräte (bring oder get your own device), wobei die Priorität derzeit auf dem Einsatz von Tablets liegt. Im Digitalpakt ist die Förderung von Smartphones bewusst ausgeschlossen. Für bedürftige Eltern wird derzeit im Kultusministerium ein Bezuschussungsmodell entwickelt.

Was sagt eigentlich der Datenschutz zum Digitalpakt?

Die Maßnahmen in Niedersachsen zum Erwerb von Medienkompetenz werden datenschutztechnisch professionell begleitet. Auch die geplante Bildungscloud wird in Kooperation mit Datenschutzexperten entwickelt und unterliegt hier strengen Anforderungen. Es sei eine Herausforderung , die bildungspolitischen Vorstellungen mit dem Datenschutz in Einklang zu bringen.

Wer übernimmt die Wartung dieser Tausenden von Geräte?

Elternfinanzierte Geräte sind in der Regel versichert oder die Träger haben Wartungsverträge mit den Herstellern/ Händlern, so dass im Bedarfsfall ein Gerätetausch stattfindet oder Ersatzgeräte gestellt werden. Insofern wird sich der Administrationsaufwand mittelfristig verringern.

Wo kann man mit der ganzen Initiative auf Sicht nicht viel anfangen, weil es gar kein WLAN gibt?

Die WLAN-Ausleuchtung ist eine prioritäre Fördermaßnahme des Digitalpakts. Voraussetzung für ein leistungsstarkes WLAN ist allerdings eine ebenso leistungsstarke Netzanbindung der Schule. Über den Masterplan Digitalisierung Niedersachsen wird die Glasfaseranbindung der Schulen massiv vorangetrieben.

Wie verhindert man Betrug in Klausuren?

Schulen, die digitale Endgeräte in zentralen Prüfungen einsetzen möchten, müssen das die von ihnen gewählte Gerätekonfiguration einem Belastungstest unterwerfen, um die Prüfungssicherheit zu gewährleisten.

Wie verhindert man das Angucken von Pornoseiten oder anderem Quatsch?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Aufrufen unzulässiger Inhalte durch Schüler/innen zu unterbinden. Es gibt hierfür entweder Filtersoftware oder aber es werden mit Schülerinnen und Schülern verbindliche Nutzungsregeln abgeschlossen, die bei Missbrauch zu entsprechenden Sanktionen führen.

Wann soll digitale Bildung starten? Schon in der Grundschule?

Das Lernen mit und über Medien sollte die Lebenswelt der Kinder aufgreifen. Daher ist auch die Primarstufe bereits ein Ort, in dem Kinder Medienkompetenz erwerben können. Es ist derzeit allerdings nicht angedacht, dass auch Grundschülerinnen und Grundschüler über persönliche Endgeräte verfügen.

Was ist mit dem Argument, dass man durch Begreifen (analoge Bücher) besser lernt?

Digitale Medien sind ein Lernwerkzeug von vielen sind. Sie werden im Unterricht dort verwendet, wo sie einen pädagogischen Mehrwert haben. Darüber hinaus erfordert das Lernen mit und über Medien natürlich den Einsatz digitaler Medien. Für Schüler ist heute der Einsatz von Medien ein wichtiger Zugang zur Welt. Besonders Kinder mit Behinderung profitieren dabei vom Einsatz digitaler Tools, zum Beispiel durch Vorlesefunktionen und eine insgesamt bessere Möglichkeit, Lerninhalte individualisiert zu gestalten.

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