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Aus der Stadt Sollten Tablets und Smartphones die Schulbücher ersetzen?
Hannover Aus der Stadt Sollten Tablets und Smartphones die Schulbücher ersetzen?
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00:18 22.03.2019
Analog lernt man besser findet Prof. Martin Korte. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Für den Braunschweiger Neurobiologen Martin Korte sind digitale Medien ein Lernwerkzeug, mehr aber auch nicht.

Herr Prof. Korte, brauchen wir digitale Medien wie Tablets und Smartphones im Klassenzimmer?

Digitale Medien sind wie alle Unterrichtsmedien Werkzeuge, hier ist eine Vielfalt gut und es ist gut, Lernwerkzeuge zu verwenden, die auch etwas mit dem Alltag der Schüler und Schülerinnen zu tun hat. In diesem Sinne sind digitale Medien willkommen als Ergänzung der klassichen Unterrichtsmaterialien. Allerdings, müssen Schüler und Schülerinnen dafür erst mal die Grundlagen von Lesen, Schreiben, Rechnen und logischem Denken gelegt haben. Es reicht also völlig, digitale Medien ab der 7. Klasse einzusetzen.

Welche Chancen bieten digitale Medien in der Schule?

Sie erlauben individuelleres Lernen, da sich die Geschwindigkeit der Lernapp nach dem einzelnen Schüler, der einzelnen Schülerin ausrichten kann.

Welche Risiken bergen sie?

Es müssen für die Einbindung nur digitaler Lernwerkzeuge neue Methoden des Unterrichtens erlernt werden. Die Gefahr besteht darin, dass Lehrkräfte hier nicht genügend unterstützt werden und entsprechend nicht ausgetestete Unterrichtskonzepte versucht werden, die dann in allen Bereichen Stress verursachen, ohne die entsprechenden Früchte zu tragen. Ein anderes Risiko besteht in der Illusion, dass Lernen durch digitale Medien „über Nacht“ spielend leicht wird. Das ist eine Illusion, die wichtigen Lernelemente, um ein Fach wie Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie zu erlernen, sind ebenso komplex und schwierig, wie es die Fächer Geschichte und Erdkunde sind, oder Sprachen – all das um mündige Bürger in einer globalisierten Welt zu werden. Das Gehirn merkt sich Zusammenhänge am besten, wenn es sich diese hat (hart) erarbeiten müssen.

Wie ändert sich die Rolle von Lehrern und Schülern in der digitalen Welt?

Der Lehrer wird starker zum Mentor und Betreuer beim Lernen, er ermuntert, bietet Hilfestellung und koordiniert das Lernen. Die Schüler und Schülerinnen werden eigenständiger im Erlernen neuer Lerninhalte und erarbeiten sich Themen anhand von Themenkomplexen und die auch die Grenzen der klassischen Fächer durchdringen. All dies aber nur, wenn sowohl vor wie auch nach den digitalen Lerneinheiten die Klassen und Kurse als sozialer Verband wieder zusammenkommen. Sonst fehlt das soziale Feedback und die sprachliche wie auch handschriftliche Einbindung des gelernten Stoffes in den Gesamtzusammenhang eines Faches.

Kann Deutschland es sich leisten, Kinder weiterhin hauptsächlich analog zu unterrichten?

Ja, alle Studien deuten darauf hin, dass Deutschland sogar wohl beraten ist, einen nicht unerheblichen Teil des Unterrichtes aus Büchern zu absolvieren. Man merkt sich hier mehr an Zusammenhängen und Fakten als es Flachbildschirme leisten können, in Gruppenarbeit und in der Erarbeitung von Themen und fachlichen Zusammenhängen mit der Lehrkraft. Menschen haben soziale Gehirne, die in und mit der Sozietät anderer Gehirne lernen wollen. Dieser Umstand sollte digitalen Medien nicht ausschließen, aber eben nur als ein Unterrichtselement, und nicht das alles beherrschende. Wir sollten Lerninhalte nicht mit Lernwerkzeugen verwechseln.

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