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Aus der Stadt 15 Grundschulen testen jetzt den Mikrocontroller „Calliope“
Hannover Aus der Stadt 15 Grundschulen testen jetzt den Mikrocontroller „Calliope“
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16:20 01.03.2019
Wer berührt den Draht am häufigsten? Der „Calliope Mini“ zählt die Fehler von Oberbürgermeister Stefan Schostok (l.) und Regionspräsident Hauke Jagau (r.), im Hintergrund Prof. Axel Haverich (r.) und Sepp Heckmann. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

An zehn Grundschulen in der Stadt und fünf im Umland sollen Drittklässler jetzt mit dem „Calliope Mini“ Grundzüge des Programmierens lernen. Oberbürgermeister Stefan Schostok, Regionspräsident Hauke Jagau und Sepp Heckmann, Vorstandsvorsitzender vom Verein „Kind - Wissen – Zukunft“ (Kiwiz), haben das einjährige Pilotprojekt am Freitag gestartet. Der Mikrocontroller „Calliope“ besteht aus einer Platine mit Prozessor, Bewegungssensor, Kompass, Lautsprecher und Mikrofon. Mit ein paar Klicks können Kinder einfache Roboter programmieren oder Autos in Bewegung bringen. Auch eine eigene Wetterstation können sie bauen, indem sie Sensoren wie Temperaturfühler oder Feuchtigkeitsmesser anschließen.

Schulen aus der ganzen Stadt machen mit

Stadt und Kiwiz haben zehn Klassensätze mit je 25 Geräten für Schulen in Hannover angeschafft. Ein Klassensatz kostet 749 Euro. Zu den Pilotschulen gehören die Grundschule Beuthener Straße (Mittelfeld), die Friedrich-Ebert-Schule (Badenstedt), die Otfried-Preußler-Schule (Südstadt), die Grundschule Salzmannstraße (Linden-Nord), die Grundschule Stammestraße (Ricklingen), die Egestorffschule (Linden-Süd), die Eichenorffschule (Linden-Nord), die Heinrich-Wilhelm-Olbers-Schule und die Grundschule Suthwiesenstraße (beide in Döhren) sowie die Grundschule Lüneburger Damm (Heideviertel). Insgesamt steuerte der Verein Kiwiz 3745 Euro für das Projekt bei und die Stadt noch einmal dieselbe Summe. Die Region wählt die fünf Pilotschulen im Umland derzeit aus.

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„Kinder werde immer früher mit der digitalen Welt konfrontiert“, sagte Schostok, „wir wollen, dass das in altersgerechter Weise und mit Spaß geschieht.“ Der Calliope sei ein „wunderbares Einstiegsinstrument“, das mit einfachen Schaltkreisen erste praktische Erfahrungen ermögliche. Er erinnerte daran, dass man vor 30 Jahren noch darüber diskutiert habe, dass Jugendliche unter 16 Jahren noch nicht mit Computern arbeiten sollte. Der Mikrocontroller werde die Grundschulen verändern, ist der OB überzeugt. Es gehe um einen menschenzentrierten Ansatz, nicht darum, schon Achtjährige zu Informatik-Genies zu machen, sondern zu erklären, wie so viel Wissen in diese kleinen Geräte komme.

Kinder im Grundschulalter hätten noch keine Medienkompetenz, sagt Kiwiz-Vorstandmitglied Marcus Mey, lernten aber die Grundzüge logischen Denken: „Wenn ich heute meine Hausaufgaben nicht mache, bekomme ich morgen Ärger.“

Niedersachsen will Mini-Rechner an alle Grundschulen bringen

Schon vor zwei Jahren hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angekündigt, dass Niedersachsen Modellversuche mit dem „Calliope Mini“ auflegen wolle. In Hannover geht nun das erste Pilotprojekt an den Start. „Meine Generation konnte sich noch entscheiden, ob sie bei der Digitalisierung mitmacht oder nicht“, sagte Heckmann (75). Für heutige Grundschüler gelte das nicht mehr. Wenn Deutschland auf dem Weltmarkt bestehen wolle, müssten schon Kinder früh an das Thema herangeführt werden. „In China werden jedes Jahr 750.000 Ingenieure fertig, in Indien 350.000 und in Deutschland gerade mal 35. 000.“ Der „Calliope Mini“ sei eine gute Ergänzung zu den Technikbaukästen, mit denen Kiwiz bereits 50 Grundschulen ausgestattet habe, sagte Heckmann. Ziel sei es, langfristig an allen Grundschulen in der Stadt „Callliope Minis“ einzuführen.

Schüler müssen sich auch regelmäßig bewegen

Damit die Schüler nicht zuviel sitzen, sollen an den Pilotschulen in 45 Minuten Unterricht regelmäßig fünf Minuten Bewegung integriert werden: „Wer sich bewegt, lebt gesünder, sagt Prof. Axel Haverich, Direktor der Klinik für Thorax, Herz- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover, und Mitbegründer des Programms „Rebirth active“. Schüler, die sich mehr bewegten, seien gesünder, schlanker und könnten besser lernen.

Regionspräsident Jagau meinte, dass an den Schulen zurzeit viel zu wenig Wert auf praktisches Lernen gelegt werde. Nicht nur das Gehirn, auch die Hände seien wichtig. Werkunterricht sei auch an weiterführenden Schulen durchaus eine Bereicherung. Wichtig sei es aber auch, die Lehrer in das „Calliope“-Pilotprojekt miteinzubinden. Deshalb gibt es neben Workshops für Pädagogen auch ein neues Handbuch.

Von Saskia Döhner

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