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Aus der Stadt „Normale Kost reicht vielen nicht mehr“
Hannover Aus der Stadt „Normale Kost reicht vielen nicht mehr“
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00:24 22.10.2018
Dr. Eva Busch, Leiterin des Winnicott-Instituts in Hannover. Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Eltern wollen, dass ihre Kinder auch in Ganztagsbetrieben das beste Essen bekommen –aber sie machen einen Fehler, wenn sie dann ohne Indikation zu glutenfreier Kost greifen, meint die Kinderpsychologin Prof. Eva Busch, Leiterin des Winncott-Instituts in Hannover.

Ein Caterer in Hannover ärgert sich, dass offenbar zu viele glutenfreie Essen an den Schulen bestellt werden. Zu Recht?

Ich finde das gut, dass das Unternehmen sich so zu Wort meldet. Denn das zeigt, dass es sich Gedanken darum macht, seinen Kunden tatsächlich etwas Gesundes und auch das Richtige zu liefern. Es ist ja ein Irrglaube, dass glutenfreies Essen in jedem Fall gesünder ist als normale Kost. Normal Vollmilch ist beispielsweise gesünder als behandelte Milch. Wenn jemand diese Diätkost nicht braucht, sollte er sie nicht wählen.

Woher kommt dieser Irrglaube?

Wir haben seit einigen Jahren, vielleicht sogar schon Jahrzehnten, eine Tendenz, dass man Essen optimieren will. Normale Kost reicht vielen nicht mehr - es muss irgendwie besonders sein: Besonders vitaminreich, besonders schonend zubereitet oder eben auch gluten- oder lactosefrei. Da steht dann ein falsches Gesundheitsverständnis dahinter.

Deshalb wird auf Verpackungen im Supermarkt betont, dass ein Essen lactosefrei ist, selbst wenn es das von Natur aus ist und gar keiner Zusatzbehandlung bedurfte?

Es ist ja nicht falsch, wenn man diese Information auf die Packung druckt. Aber es signalisiert natürlich auch: Hier gibt es etwas Besonderes und das hilft sicherlich beim Verkauf. Das Etikett suggeriert hier ein Plus an Qualität, das sich aber bei genauerer Betrachtung nicht halten lässt.

Warum kommen Eltern auf die Idee, für ihre Kinder glutenfreies Essen zu bestellen?

Die meisten Kinder bekommen heutzutage ihr Mittagessen nicht mehr zuhause. Die Eltern arbeiten beide, die Kinder essen in Ganztagseinrichtungen. Da spielt bei Eltern eine Angst mit rein: Wird mein Kind dort gut versorgt? Man will natürlich das Beste für sein Kind - der Griff zum glutenfreien oder lactosefreien Essen zählt aber nicht dazu, wenn das Kind keine entsprechende Indikation hat.

Über kaum ein Thema wird in Familien wohl so häufig gestritten wie über Essen. Woran liegt das?

Wenn ein Kind offen sagt: "Mama, dein Essen will ich nicht", dann ist das eine bittere Enttäuschung für die Mutter, die sich viel Mühe gegeben hat, ihrem Kind etwas Gutes zuzubereiten. Da können die Emotionen schon mal hochschlagen. Andererseits ist es eben auch für Kinder ein Feld, in dem sie Macht ausüben können, wenn sie Essen verweigern. Aber auch wenn es an die Nerven gehen kann: Das ist in den meisten Fällen eine komplett normale Form der Auseinandersetzung in Familien. Gerade kleine Kinder sind sehr wählerisch, was Essen angeht und wollen manchmal nur zwei oder drei Dinge zu sich nehmen und finden alles andere ekelig. Meine Tochter hat lange immer nur Milch aus der Flasche trinken wollen, immer und immer wieder. Und plötzlich pickt sie sich Oliven aus einer Schale und verputzt sie mit Kern. Diese Dinge regeln sich mit der Zeit von selbst. Je weniger Stress man sich beim Essen macht, desto besser.

Zur Person

Professor Dr. Eva Busch ist Leiterin des Winnicott-Institut am Maschsee. Die analytische Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche ist 1955 geboren. Das Institut ist ein psychosoziales Zentrum mit breitem Therapie- und Beratungsangebot, Ambulanz und einem medizinischen Versorgungszentrum.

Von Heiko Randermann

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