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Aus der Stadt Baubauungsplan für ehemaliges Finanzgericht gebilligt
Hannover Aus der Stadt Baubauungsplan für ehemaliges Finanzgericht gebilligt
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14:00 16.11.2018
Die Fassadengestaltung des Neubaukomplexes soll sich an die Nachbarhäuser an der Peiner Straße anlehnen. Die drei Kastanien an der Bushaltestelle sollen erhalten bleiben. Quelle: MIchael Zgoll
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Döhren

Die früheren Flächen des Finanzgerichts und einer Tankstelle in Döhren, die die Wohnungsgenossenschaft Heimkehr gekauft hat, werden mit s-förmig versetzten Häusern bebaut; rund 85 Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen will der Projektentwickler Hegu – das steht für Hermann-Guthe-Straße – auf dem 4400 Quadratmeter großen Grundstück an der Peiner Straße aus dem Boden stampfen. Auch eine neue Kindertagesstätte wird auf dem Areal entstehen. Der Bezirksrat Döhren-Wülfel billigte in seiner vergangenen Sitzung einmütig eine Verwaltungsdrucksache über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Hegu-Geschäftsführer Kosta Legacis rechnet nach derzeitigem Planungsstand damit, dass im Herbst 2019 Baubeginn ist und der Komplex im Frühjahr 2021 fertiggestellt sein könnte.

Die Fassadengestaltung des Neubaukomplexes soll sich an die Nachbarhäuser an der Peiner Straße anlehnen. Quelle: MIchael Zgoll

Die Neubauten werden fünf Stockwerke hoch sein; die beiden Obergeschosse des nördlich an der Hermann-Guthe-Straße gelegenen Blocks werden allerdings deutlich zurückversetzt, so dass hier der Eindruck einer dreigeschossigen Bebauung entsteht. Die Fassaden müssen laut Verwaltungsvorlage mit roten Klinkern oder Ziegelsteinen gestaltet werden und sollen sich in der Farbgebung an das denkmalgeschützte Nachbarhaus Peiner Straße 29 – dort ist ein Musikfachgeschäft beheimatet – anlehnen. Zu allen Wohnungen gehören entweder eine kleine Terrasse, ein Balkon, eine Loggia oder eine Dachterrasse. 25 Prozent der für den Wohnungsbau vorgesehenen Flächen sind öffentlich geförderten Mietwohnungen vorbehalten.

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Drei Blocks will die Hegu auf dem Döhrener Grundstück errichten. Der Zugang zum südlich gelegenen Gebäude ist an der Peiner Straße geplant, hier sind auch Ein- und Ausfahrt einer der beiden Tiefgaragen zu finden. Das mittlere Haus wird über einen westlich gelegenen Innenhof erschlossen, das nördliche hat seinen Eingang an der Hermann-Guthe-Straße. Dort sind auch Ein- und Ausfahrt der zweiten Tiefgarage angesiedelt, ebenso wie eine im Erdgeschoss gelegene Kindertagesstätte. Diese Einrichtung soll 15 Kitaplätze für Kinder über drei Jahre und fünf Krippenplätze für Kinder unter drei Jahre anbieten, die dazugehörige Außenspielfläche ist in einem Innenhof des Neubaukomplexes gelegen.

Dächer werden begrünt

In den zwei mit Toren verschließbaren Tiefgaragen sind Parkplätze für etwa 65 Autos geplant. Zehn Prozent der Stellflächen sind mit einer Lademöglichkeit für E-Autos versehen, die übrigen können bei Bedarf nachgerüstet werden. Außerdem will der Investor vor den Hauseingängen 17 sowie in Unter- und Erdgeschoss 153 Fahrradabstellplätze schaffen; 30 Prozent dieser Radparkplätze werden mit Stromanschlüssen ausgestattet, um dort E-Bikes aufladen zu können.

Die Dachflächen der Wohnanlage sowie die freiliegenden Dachflächen der Tiefgaragen werden laut Bebauungsplan begrünt, auch sollen in den privaten Innenhöfen weitere Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen werden. Die Häuser sind so gut gedämmt, dass die Werte 15 Prozent unter der derzeit gültigen Energiesparverordnung liegen. Im Vorfeld der eigentlich viel früher geplanten Bebauung des Finanzgerichtsareals waren 2016 – mit Genehmigung der Stadt – bereits 14 Bäume und Großsträucher abgeholzt worden, was Nachbarn und Lokalpolitiker heftig kritisiert hatten. Die jetzt noch vorhandenen Bäume sollen aber erhalten bleiben: ein großer Ahorn sowie drei mittelgroße Ahorn- und Lärchenbäume im Norden der derzeitigen Brachfläche, ein großer Baum an der Ecke von Peiner Straße und Hermann-Guthe-Straße sowie drei „ortsbildprägende“ Kastanien an der Peiner Straße. Als Ersatz für die verschwundene Vegetation ist laut Bebauungsplan das Pflanzen von elf Laubbäumen und neun Großsträuchern direkt auf dem Neubaugelände vorgesehen.

Boden teilweise verseucht

Auf dem früheren Tankstellen- und Autohandelsgelände an der Peiner Straße wurden bereits frühzeitig drei Tanks entsorgt. Die Stadt will aber nicht ausschließen, dass man im Zuge der Bauarbeiten noch weitere Tanks findet und wegschaffen muss. Auch muss der in diesem Bereich mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verseuchte Boden ausgekoffert werden. Einen Teil der Umgestaltung der Nebenanlagen des Neubaukomplexes übernimmt die Stadt, der Bebauungsplan weist eine Summe von 114.000 Euro aus.

Auf zwei kritische Stellungnahmen aus der Nachbarschaft geht die Vorlage ebenfalls ein. So sollen die Lüftungsanlagen der Tiefgaragen so konzipiert sein, dass „unzumutbare Belästigungen der Nachbarn ausgeschlossen werden“. Auch hat sich die Verwaltung mit den Befürchtungen eines benachbarten Tischlers beschäftigt, dass der Lärm des Gewerbebetriebs zu Konflikten mit den Hausbewohnern führen könnte. Schon heute, so die Position der Stadt, dürfe die Tischlerei die Lärmrichtwerte für ein allgemeines Wohngebiet nicht überschreiten und müsse Rücksicht auf die Anwohner nehmen. „Ausweislich der Ergebnisse der schalltechnischen Untersuchung“, heißt es weiter, seien demzufolge „keine Maßnahmen zum Schutz vor Gewerbelärm erforderlich“.

Von Michael Zgoll

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