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Aus der Stadt Ratten in der Querstraße: Häuser stehen nahezu leer
Hannover Aus der Stadt Ratten in der Querstraße: Häuser stehen nahezu leer
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00:16 24.02.2019
An den Fensterfronten lässt sich der schlechte bauliche Zustand des Wohnhauses Querstraße 27 erkennen. Quelle: Michael Zgoll
Döhren

Zwei Mietshäuser in der Querstraße nahe dem Fiedelerplatz verfallen immer mehr. Nur noch wenige Wohnungen sind in den Häusern mit den Nummern 27 und 29 belegt, in den Kellerräumen und auf dem Grundstück tummeln sich Ratten, auf dem Dachboden nisten Tauben. Dieser Tage inspizierte die Bauaufsicht die Döhrener Immobilien, wegen der Rattenplage will das Ordnungsamt den Eigentümer nach 2017 nun „nochmalig“ anschreiben und auffordern, einen Schädlingsbekämpfer einzuschalten. Ein Rentnerehepaar aus der Nachbarschaft, das den Niedergang der beiden vierstöckigen Mietshäuser schon seit Jahrzehnten beobachtet, spricht von skandalöser Vernachlässigung und wirft der Stadt Untätigkeit vor. Der Eigentümer, ein um die 90 Jahre alter Seelhorster, sagte dem Stadt-Anzeiger: „Ich habe die Millionen nicht, um die Häuser zu sanieren.“ Doch verkaufen möchte er die Immobilien auch nicht.

Zwei Häuser in der Querstraße verfallen immer mehr

Wer sich die Fassaden der beiden Wohnhäuser genau anschaut, kann erahnen, wie es drinnen aussieht. Man sieht zerbrochene Scheiben, aufgequollene Holzrahmen und mit Zeitungspapier, Holzplatten oder Pappen verhängte Fenster. Auf Simsen hocken Tauben, aus einer Nische hängt ein toter Vogel heraus. Meryem Seslikaya wohnt schon seit 30 Jahren in der Querstraße 27 und hat mitbekommen, wie ein Mieter nach dem anderen auszog. „Wir haben dem Vermieter schon tausendmal gesagt, er soll die undichten Fenster reparieren, aber er macht einfach nichts“, klagt die 42-Jährige. Im winzig kleinen Garten haben Mieter ein Blumenbeet angelegt, um etwas gegen die Hinterhoftristesse zu tun – doch die Wirkung ist begrenzt.

Gerüst steht seit Jahrzehnten

Die Gasheizung und das Laminat in ihrer Wohnung haben die Seslikayas selbst eingebaut, mit dem Klo auf halber Treppe hat sich die Familie mit den drei Kindern arrangiert. Natürlich sei eine monatliche Kaltmiete von 300 Euro für rund 65 Quadratmeter Wohnraum in dieser Lage günstig, weiß Meryem Seslikaya: „Aber für den miserablen Zustand des Hauses ist das dann doch wieder viel.“ Lange aber wird sie sich nicht mehr über den modrig riechenden Keller, die verrosteten und wüst beklebten Briefkästen, die einfach verglasten Fenster oder das verfallene Gerüst ärgern müssen, das schon seit vielen Jahren wie verloren an der Rückseite des Hauses hängt: In drei Monaten zieht die Familie aus.

Yasin Haciahmetoglu (26) lebt seit seiner Geburt in der Querstraße 29. Nur zwei von acht Wohnungen, erzählt er, seien hier noch belegt; in der anderen Wohnung lebe wohl eine Gruppe von Arbeitern aus Bulgarien. Auch der Versicherungskaufmann, der sich mit fünf Familienmitgliedern rund 85 Quadratmeter Wohnraum teilt, hat schon oft die Erfahrung gemacht, dass der Eigentümer notwendige Instandhaltungsmaßnahmen unterlässt und auf Beschwerden nur ausweichend reagiert. „Jüngst war wenigstens mal ein Dachdecker da, weil Wasser vom Dachboden durch das ganze Haus gesickert ist“, berichtet Haciahmetoglu.

Eigentümer lehnt Verkauf ab

Die Bewohner dieser Vier-Zimmer-Wohnung zahlen 500 Euro Kaltmiete im Monat. „Unsere Räume sind etwas besser ausgestattet als die anderen Wohnungen, weil hier vor Jahren die Tochter des Eigentümers gelebt hat“, erzählt der Mieter. Vor einiger Zeit habe er dem Vermieter den Vorschlag unterbreitet, ihm die Nummer 29 abzukaufen, doch das habe der Senior abgelehnt. Nun seien er und die übrigen Familienmitglieder ebenso wie die Nachbarin so weit, sich ein neues Domizil zu suchen.

Der Eigentümer bestätigt, die beiden Häuser nicht veräußern zu wollen: „Ich habe sie von meinem Vater geerbt und werde sie auch weitervererben.“ Von den Ratten auf dem Grundstück und den Tauben auf dem Dachboden wisse er, doch „damit muss man leben“. Schuld am desolaten Zustand der „Schlichtwohnungen“ seien die Mieter, die die Räumlichkeiten nicht ordentlich gepflegt hätten: „Die Meckerleute sollen sich mal an die eigene Nase fassen.“ Alarmiert durch die öffentliche Aufmerksamkeit erklärte er gegenüber dem Stadt-Anzeiger, nun aber zumindest das Dach abdichten zu wollen, um die Tauben aus dem Hausinneren fernzuhalten.

Nachbarn beklagen Schandfleck

Von der Fassadengestaltung her, so heißt es in der Nachbarschaft, seien die zwei nicht unter Denkmalschutz stehenden Häuser ja durchaus ansehnlich. Doch im derzeitigen Zustand würden sie in der Querstraße als Schandfleck angesehen, und der Leerstand in dieser guten Döhrener Lage sei auch völlig inakzeptabel.

Die Stadt hatte schon vor vier Jahren auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bezirksrat Döhren-Wülfel erklärt, dass „die Verwaltung im Allgemeinen keine Handhabe hat, um in privatem Besitz stehenden Wohnraum einer Nutzung als Mietwohnung zuzuführen“. Ergänzend hieß es damals, dass in Döhren 161 Wohnungen leer stünden und die Leerstandsquote im Stadtteil mit 1,9 Prozent knapp über dem städtischen Mittel liege. Doch auch Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner weiß, dass man den Eigentümer der heruntergekommenen Häuser in der Querstraße zu nichts zwingen kann: „Die Sanktionsmöglichkeiten der Verwaltung bei privatem Wohneigentum sind leider sehr begrenzt.“

Von Michael Zgoll

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