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Aus der Stadt Kabelriss bei Bauarbeiten legt Finanzämter lahm
Hannover Aus der Stadt Kabelriss bei Bauarbeiten legt Finanzämter lahm
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00:17 20.10.2018
Auskünfte zu Steuerfragen kann das Finanzamt Hannover Süd derzeit nicht erteilen. Quelle: (Alexander Kšrner)
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Hannover

Drei Finanzämter in Hannover sind seit Montagnachmittag lahm gelegt. Weder können Auskünfte zu Steuerfragen erteilt werden, noch ist es den Mitarbeitern möglich, Steuererklärungen zu bearbeiten. Grund für die Störung sind Bauarbeiten in der Göttinger Chaussee, bei denen ein Glasfaserkabel beschädigt wurde. Dadurch wurde der Zugriff auf die EDV in den drei umliegenden Ämtern gekappt. „Wir haben keine Internetverbindung mehr, Mails kommen nicht an und gehen nicht raus, nur Fax und Telefon funktionieren noch“, berichtet Carsten Kiene, Geschäftsstellenleiter im Finanzamt Hannover Süd. Betroffen sind zudem das Finanzamt Hannover Land I und das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen.

Die Störung ist schon ein paar Tage alt. Bereits am Montagnachmittag um 15 Uhr fiel den Finanzbeamten auf, dass ihre EDV nicht mehr funktionierte. Ein Bagger hatte bei Erdarbeiten in der Göttinger Chaussee ein Glasfaserkabel durchtrennt. Das Kabel sollte umgehend repariert werden, doch auf die Schnelle war das nicht machbar. Umfangreiche Grabungsarbeiten seien nötig, teilt ein Sprecher des Niedersächsischen Finanzministeriums mit.

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Ein Teil der Mitarbeiter habe inzwischen den Dienst eingestellt, heißt es aus den Ämtern. Steuererklärungen könnten nicht ohne Hilfe der EDV bearbeitet werden. Der Bund der Steuerzahler ist der Ansicht, dass die Beschäftigten dafür Urlaubstage einreichen sollten. „Das ist in der Privatwirtschaft nicht unüblich“, sagt Bernhard Zentgraf, Vorsitzender des Steuerzahlerbunds Niedersachsen-Bremen. Auch Überstunden könnten bei dieser Gelegenheit abgebaut werden.

Um die Ämter wieder ans Netz zu schließen und arbeitsfähig zu machen, soll ein Mobilfunkrouter installiert werden. Wann die mobile Verbindung steht, sei noch unklar, teilt das Finanzministerium mit.

Gelöst sind die Probleme damit noch nicht. „Ein Mobilrouter ist nicht so leistungsstark wie eine Glasfaser-Verbindung“, sagt Geschäftsstellenleiter Kiene. Nur ausgewählte Rechner könne man ans Netz anschließen, andere Computer müssten weiter offline bleiben, ansonsten verlangsame sich das System zu stark. Auskünfte zu Steuerfragen seien mit Routeranschluss vermutlich wieder möglich, jedoch eingeschränkt.

Dauert die Störung weiter an, fällt sie ausgerechnet auf einen sogenannten Dienstleistungs-Donnerstag. Dann haben die Finanzämter auch nachmittags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet und sind für Fragen der Bürger erreichbar – an diesem Donnerstag vermutlich in geringerem Umfang. „Mit längeren Wartezeiten ist zu rechnen“, teilt das Landesamt für Steuern in einer Presseerklärung mit.

Auch Hannovers Stadtverwaltung kann ab Mittwoch, 17. Oktober, tagelang keine Auskunft zu Steuer-, Zahlungs- und Buchhaltungsangelegenheiten erteilen, weil das Computersystem gewartet wird. Ab Mittwoch, 13 Uhr, haben die Stadtmitarbeiter keinen Zugriff mehr auf ihr Computersystem. Erst am Montag, 22. Oktober, ab 13 Uhr können die Beschäftigten wieder alle Fragen beantworten. Es handele sich um ein „Komplettupdate“ der im Finanzwesen der Stadt eingesetzten Software, sagt eine Stadtsprecherin zur Begründung. Um die Ausfallzeiten so gering wie möglich zu halten, habe man das Wochenende einbezogen. „Aufgrund ständig anwachsender Datenmengen erhöht sich der Zeitbedarf für die Durchführung der regelmäßig wiederkehrenden Programmupdates“, sagt die Sprecherin.

Nicht mehr zeitgemäß

Manchmal braucht es einen Unfall, um zu erkennen, wie zentral inzwischen das Internet und der Austausch von elektronischen Daten für die Arbeit geworden ist – auch in Behörden. Weil ein Glasfaserkabel bei Straßenbauarbeiten aus Versehen gekappt wurde, müssen die Mitarbeiter in drei Finanzämtern ihre Arbeit deutlich reduzieren. Ebenso lahm gelegt sind seit gestern weite Teile der hannoverschen Stadtverwaltung, allerdings nicht zwangsweise wie in den Finanzämtern, sondern aus eigener Entscheidung: Hier stand ein großes Update des Systems an.

Und dieser zweite Fall ist es, der einen staunen lässt: Fünf Tage nimmt sich die hannoversche Stadtverwaltung, um ihre Computerprogramme zu aktualisieren. Fünf Tage ohne Server – kein Krankenhaus, keine Firma, nicht die Polizei oder die Bahn könnten sich eine solche Pause auch nur im Ansatz leisten, obwohl auch sie alle mit wachsenden Datenmengen zu tun haben. Die lange Auszeit der Stadt vermittelt daher ein unglückliches Signal: Hier steht der Bürgerservice nicht an erster Stelle. Wer etwas von uns braucht, kann auch mal ein paar Tage warten.

Das alles ist mehr als unglücklich. Mit der Aktualisierung der Computersysteme hat die Stadt Hannover nur den ersten Schritt getan. Nun muss dringend noch das IT-Management und der Service auf die Höhe der Zeit gebracht werden.

Von Heiko Randermann

Von Andreas Schinkel