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Aus der Stadt Am Weidendamm laden schon italienische Feinkost und Sportangebote ein
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Ehemaliger Hauptgüterbahnhof in Hannover: Am Weidendamm laden schon italienische Feinkost und Sportangebote ein

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00:15 23.05.2019
Vier Sorten Auberginen im Angebot: Giuseppe Andronaco und Angelo Arena präsentieren einen ganzen Korb voll. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Aus den Lautsprechern schallt italienische Radiomusik, im lang gestreckten Bistro des Andronaco-Supermarkts sitzen vereinzelt ein paar Gäste beim Espresso. Ohne viel Aufhebens hat der Feinkost- und Großhändler aus Hamburg Anfang Mai sein Geschäft im ehemaligen Hauptgüterbahnhof geöffnet. „Wir haben das stillschweigend gemacht, damit unsere Leute die Abläufe kennenlernen“, erklärt Angelo Arena, Andronaco-Betriebsleiter in Hannover. Die neuen Mitarbeiter hat die Firma fast alle in Hannover gefunden, etliche mit deutsch-italienischer Familiengeschichte, aber ebenso gehören auch Russen, Kolumbianer oder Iraner zum Team. „Wir sind multikulti“, versichert der 26-Jährige.

Ein Gefühl von Italien vermitteln

Dennoch hilft es, dass manche Verkäufer Italienisch sprechen, die anderen sollten wenigstens ein paar Brocken davon beherrschen. „Wir wollen das Gefühl vermitteln, in Italien zu sein“, sagt Arena. Italienische Feinkost – das lässt sich gut als Lebensgefühl verkaufen. Die rund 7600 Produkte im Supermarkt kommen mit Ausnahmen im Gemüse- und Obstsegment aus Italien. Vier verschiedene Sorten Auberginen, große Bündel Oregano, Polenta- und Kichererbsenmehl, Pasta, Weine, Salami und Schinken in großer Auswahl an einer 27 Meter langen Frischetheke sind im Angebot. „Teilweise kaufen Italiener bei uns, die sagen, sie finden manches davon nicht in Geschäften in Italien“, sagt Arena.

Im Bereich für die Großabnehmer stapeln sich in hohen Regalen 25-Kilo-Säcke mit Mehlsorten für Pizzateig, 500-Gramm-Tüten mit Lorbeerblättern, ganze Käselaibe und große Kanister mit Olivenöl. Hier haben nur Käufer mit Kundenkarte Zutritt. „Wir haben sehr treue Kunden aus dem Raum Hannover, die bisher immer nach Hamburg gefahren sind“, berichtet Arena. Die Wege für die Gastronomen sind nun kürzer. Seit dem Start in Hannover sind 50 bis 60 neue Großhandelskunden dazugekommen.

Die Halle mit Gastronomie und Sport ist das Herzstück

Vor gar nicht so langer Zeit führten noch Gleise in die Bahnhofshalle, im Keller gab es Duschen für die Eisenbahner. Mit Andronaco ist nun der lang ersehnte Ankermieter in den ehemaligen Hauptgüterbahnhof gezogen. Das Immobilienunternehmen Aurelis hat das riesige Areal am Weidendamm entwickelt, die meisten Grundstücke im Norden sind längst an neue Nutzer wie Paketdienstleister DHL und Abfallentsorger Aha übergegangen. Für das Herzstück, die Halle, setzt Aurelis auf einen Mix aus Gastronomie und Freizeit mit mehreren Sportanbietern. Einzelhandel, der Geschäften in der City oder am Engelbosteler Damm Konkurrenz macht, hatte die Stadt sich verbeten.

Der Feinkosthandel mit seinem spezialisierten Angebot gilt als Ausnahme, gleichzeitig erhoffen sich alle Beteiligten eine Belebung der von Gewerbe geprägten Gegend durch die Gastronomie. Ob das aufgeht, bleibt abzuwarten. Noch finden nicht allzu viele Kunden den Weg in die Bistro-Pizzeria mit üppigen 250 Plätzen. Der Blick schweift bis unters Hallendach, Stahlträger, Leitungen und Lüftungsrohre liegen frei. Der Charme einer Großmarkthalle ist gewollt, der raue Industriecharakter des Bahngebäudes sollte auf Wunsch der Denkmalpflege in Teilen erhalten bleiben.

Erste Filiale im modernen Look

„Das ist genau der Flair, den auch unsere anderen Filialen haben“, beteuert Betriebsleiter Arena. Deshalb ist der Feinkosthandel für Entwickler Aurelis der perfekte Mieter. Im Bistro versucht Andronaco, mit einem Mix hochwertiger Möbel Atmosphäre zu schaffen: lange Tische aus Massivholz, an denen eine Großfamilie tafeln kann, daneben Hochtische und verschiedene Stuhlvarianten. An der Decke skurrile Lampen, die zu schreien scheinen: „Wir sind italienisches Design.“ „Das ist unsere erste Filiale im modernen Look“, sagt Arena mit Stolz.

Vieles ist erst im Werden. Im riesigen Pizzaofen können pro Stunden 240 Pizzen backen. Bisher lehnen die Schieber ungenutzt und in Plastik verpackt daneben. Der Schornsteinfeger hat den mit Gas und Holz zu befeuernden Ofen noch nicht freigegeben. Angrenzend stehen in der Eisdiele und Pasticceria mit 60 Plätzen auf 600 Quadratmetern schon die Cocktailsessel. Der Start ist für Ende Mai geplant. Ein Fest zur Eröffnung des gesamten Geschäfts veranstaltet Andronaco am 1. Juni von 9 bis 18 Uhr. Dabei stellen Lieferanten ihre Produkte vor.

Gertrud-Knebusch-Straße wurde neu gebaut

Eingang und große Fensterfront des Andronaco-Markts weisen zur neu gebauten Gertrud-Knebusch-Straße. Dort will das Gastroteam demnächst eine Terrasse mit bis zu 300 Plätzen bespielen. Jetzt rennen auf dem Vorplatz ein Dutzend kleine Kinder juchzend um die Wette. Die weißen Streifen auf dem schwarzen Asphalt wirken offenbar einladend. Mit ihren Erzieherinnen haben die Knirpse kurz zuvor Kekse bei Andronaco ausgesucht. „Wir gehen gern mit den Kindern in unterschiedliche Geschäfte, denn jede Kultur hat ihre eigenen Besonderheiten“, erzählt Tatjana Dolmatska, Leiterin der Kita Vahrenwalder Krabbelnest. Die Kinder haben sich bei der Gelegenheit schon mal nach Zutaten zum Pizzabacken umgeschaut, das machen sie gern. Und weil ihre Kita in der Nachbarschaft liegt, könnten hier kleine Stammkunden heranwachsen.

Die neue Kletterhalle Beta wird schon gut genutzt. Auch Franziska Fritz (23), die Umweltplanung studiert, kommt gern vorbei. Quelle: Samantha Franson

Der eigentliche Vorplatz an der Arndtstraße ist fast vollendet. Die Fensterfront an der modernisierten Bahnhofsfassade strahlt, junge Bäume sind gepflanzt, Rad- und Fußwege angelegt. Arbeiter sind noch damit beschäftigt, einen kleinen Skaterpark anzulegen. Das passt. Denn drinnen hat kürzlich auf 3600 Quadratmetern der Trampolinpark Jump/One eröffnet. Und bereits am 1. Mai ist die Boulderhalle Beta gestartet. Hier hangeln bereits vormittags Studenten an den teils überstehenden künstlichen Felswänden – so wie Emely Reichl-Hean, die sich wie selbstverständlich an einem Arm im Lotussitz hält. Die drei Betreiber Matthias Aberfeld, Johannes Vogt und Florian von Rücker sind nach knapp drei Wochen bereits hochzufrieden. Rund hundert Leute gehen täglich bei ihnen ein und aus. Von Rücker überrascht das nicht: „Kein Wunder, wir sind in Wurfweite zur Uni.“

Das kommt: Hotel und Büros

Der Immobilienentwickler Aurelis hat über Jahre ein Konzept für den ehemaligen Hauptgüterbahnhof erarbeitet und in weiten Teilen umgesetzt. Das 8,5 Hektar große Gelände zwischen Kopernikusstraße, Weidendamm und Arndtstraße war die letzte große Brache in Citynähe. Die riesige Bahnhofshalle wurde teils abgerissen, teils komplett modernisiert. Die Immobilienfirma hat das Areal kürzlich an die Beos AG in Berlin verkauft, die es Mitte des Jahres übernimmt.

Dennoch realisiert Aurelis weitere Projekte auf dem Gelände. Das unansehnliche Hochhaus am Geländeeingang, in dem früher Bahnmitarbeiter übernachteten, soll zu einem Hotel umgewandelt werden. Die Gespräche mit einem zukünftigen Betreiber sind weit fortgeschritten. Der Umbau wird in Abstimmung mit dem neuen Mieter laufen.

Aktuell verhandelt Aurelis mit der Stadt über die zulässige Nutzung für ein Grundstück am Weidendamm auf Höhe des Andronaco-Markts. Die Firma will dort einen Gebäuderiegel für Büros und kleines Gewerbe errichten lassen. Auch in der Bahnhofshalle stehen noch drei Flächen mit insgesamt rund 2400 Quadratmetern für Mieter bereit.

Für die Fitnesskette McFit läuft noch der Ausbau der Räume auf rund 2650 Qua­dratmetern. Zunächst sollte die Filiale im Herbst 2018 starten, nun ist die Eröffnung im Laufe des Jahres geplant. In den Bahnhof will McFit mit einem speziellen Konzept gehen, seinem John Reed Fitness Music Club. Passend zu Tageszeit und Trainingseinheit läuft Clubmusik von House und Electro über Hip-Hop und Urban bis zu Pop und Rock.

Im ehemaligen Hauptgüterbahnhof Hannover starten Gastronomie und Sportangebote.

Von Bärbel Hilbig

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