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Aus der Stadt Ein Polizist rechnet vor: Was mich meine Dienstkleidung kostet
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Ein Polizist rechnet vor: Was mich meine Dienstkleidung kostet

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00:19 27.05.2019
Hauptkommissar Kevin Komolka muss mit 200 Euro Bekleidungsgeld pro Jahr auskommen.
Hauptkommissar Kevin Komolka muss mit 200 Euro Bekleidungsgeld pro Jahr auskommen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Hauptkommissar Kevin Komolka klickt sich auf seinem iPad durch den Online-Shop des Logistikzentrums Niedersachsen. Auf dieser Internetseite kann der 30-Jährige seine Bestellungen aufgeben, wenn er neue Hosen, Jacken oder Schuhe für seinen Dienst benötigt. 53 Euro kostet zum Beispiel eine Cargohose, 56,47 Euro eine Sommerjacke mit der Aufschrift „Polizei“, sportliche Einsatzstiefel sind in dem Webshop mit 101,43 Euro veranschlagt.

Neues Poloshirt soll 32,13 Euro kosten

Der Beamte und Gewerkschafter ist auf der Suche nach einem neuen Poloshirt ohne Knöpfe, das unter der neuen Überziehschutzweste getragen werden muss. Das Kleidungsstück ist im Online-Shop zu finden. 32,13 Euro soll es kosten. Doch bestellt werden kann es derzeit nicht – es gibt Lieferschwierigkeiten. Probleme gibt es auch bei den Westen. „Es heißt jetzt, sie sollen vielleicht im Herbst in die Dienststellen ausgeliefert werden, wir benötigen sie aber jetzt, wenn es wieder heiß wird“, sagt der Polizist. Derzeit tragen die Einsatzkräfte in Niedersachsen die Schutzweste unter dem Hemd. Die neuen Westen können über der normalen Bekleidung getragen werden und lassen sich leicht an- und ablegen. Bei hohen Temperaturen könnten sich die Beamten so zumindest am Schreibtisch etwas Abkühlung verschaffen.

Rund acht Kilo wiegt die Ausrüstung von Kevin Komolka

Die Weste gilt nicht als Kleidungsstück, sondern als Einsatzmittel der Polizei. Ihre Beschaffung muss deshalb europaweit ausgeschrieben werden. Das dauert. Noch länger warten die Polizistinnen und Polizisten in Niedersachsen bereits auf die kugelsicheren Schutzhelme, mit denen alle Streifenwagen ausgestattet werden sollen. „Ihre Anschaffung wurde nach dem wegen eines Terrorverdachts abgesagten Fußball-Länderspiel im November 2015 in Hannover angekündigt. Bis heute liegt kein einziger Helm in einem Streifenwagen“, sagt Komolka.

Die Befestigung für das Reizgassprühgerät hat sich der Beamte selbst beschafft. Quelle: Samantha Franson

Sollten die neue Weste oder der Helm im Online-Shop zu haben sein, wird der Hauptkommissar sich an den Anschaffungskosten beteiligen müssen. 200 Euro Bekleidungsgeld stehen jedem Beamten in Niedersachsen pro Jahr zur Verfügung. „Die Summe ist seit Jahren gleich geblieben, obwohl die Preise für unsere Einsatzkleidung gestiegen sind“, sagt der Beamte. Zur Grundausstattung, die jede Polizistin und jeder Polizist in Niedersachsen vor dem Dienstantritt bekommt, gehören unter anderem ein Paar Stiefel, ein Paar Halbschuhe, sieben Hemden, drei mit langen, vier mit kurzen Ärmeln, und fünf Hosen. Ist ein Kleidungsstück aufgetragen, muss es der Betroffene vom Bekleidungsgeld ersetzen. „Das gilt auch, wenn sich mal die Konfektionsgröße geändert hat“, sagt der 30-Jährige.

„Ausstattung ist auch ein Zeichen der Wertschätzung“

Alles was nicht in der Grundausstattung enthalten ist, müssen die Einsatzkräfte im Online-Shop bestellen und bezahlen. Kevin Komolka wünscht sich beispielsweise eine langärmlige Warnjacke, damit er im Dunklen besser zu sehen ist, wenn er nachts etwa einen Einsatz an einer Unfallstelle hat. „Die Warnjacke kostet aber 144,89 Euro – das überlegt man sich schon sehr genau“, sagt er. Die Ausstattung der Einsatzkräfte sei auch ein Zeichen der Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen. Einfacher als mit einer vernünftigen Ausstattung könne man nicht für gute Stimmung sorgen, sagt der Polizist.

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Von Tobias Morchner