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Aus der Stadt Wie sich Hannovers Programmkinos gegen die Konkurrenz behaupten
Hannover Aus der Stadt Wie sich Hannovers Programmkinos gegen die Konkurrenz behaupten
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20:15 22.04.2019
Das Kino am Raschplatz in Hannover. Quelle: Sebastian Gollnow
Hannover

Den Multiplexkinos brechen die Besucher weg, Programmkinos indes können auf ihre Stammkunden zählen. Es ist offenbar eine verlässliche Gästeschar, die regelmäßig Kinokarten im Apollo, im Hochhaus und in den Raschplatzkinos löst. Während etwa das Cinemaxx mit Kartenpreisen von einheitlich 5,99 Euro versucht, die Sessel zu füllen, hat es am Raschplatz nach Auskunft von Betreiber Torben Scheller nicht einmal im heißen Sommer 2018 eine große Delle bei den Einnahmen gegeben.

Dafür muss allerdings das Angebot stimmen. „Wir sind natürlich auch von der Filmbelieferung abhängig“, sagt Scheller. Doch das sei in den vergangenen Monaten der Fall gewesen. „Filme wie ,25 km/h’, die Kerkeling-Biografie oder ,Der Vorname’ sind sehr lange sehr gut gelaufen.“ Dass dann „Green Book“ noch einen Oscar bekommen habe, habe dazu beigetragen, „dass es auch 2019 sehr gut funktioniert bei uns“.

„Sind auf einem richtig guten Weg“

Zudem gebe es Zeiten, etwa an den Wochenendnachmittagen, an denen beliebte Filme auch immer wieder einmal ausverkauft seien. Es sei nicht immer einfach, „aber wir sind durchaus zufrieden“, sagt Scheller. Eintrittspreise zu senken, kommt für ihn nicht in Frage. „Tickets für 6 Euro, das funktioniert einfach nicht.“ Damit könnten auch die Mitarbeiter nicht mehr anständig bezahlt werden.

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Das Lodderbast in der Südstadt hat keine Mitarbeiter, dafür sind die Sessel in dem Kleinkino stets sehr gut ausgelastet. „Wir machen das erst seit 15 Monaten, waren aber schon mehrfach ausverkauft“, sagt Betreiber Johannes Thomsen. Jüngst hat das Lodderbast mit der Kletterer-Dokumentation „Free Solo“ sogar einen Film gezeigt, der auch im Cinemaxx gelaufen ist. „Bei uns gab es nur noch Stehplätze, im Großkino waren nur eine Handvoll Besucher“, berichtet Thomsen. Aber grundsätzlich zeigt das Kiezkino vor allem Filme, die die Betreiber selber mögen. „Wir sind hier auf einem richtig guten Weg“, meint Thomsen. Und das mit den Plätzen nimmt er nicht so genau. Eigentlich seien es 20. „Aber wir können ja machen, was wir wollen, und da gibt es noch Luft nach oben mit Barplätzen oder Sitzkissen.“

Wiebke und Johannes Thomsen am Lodderbast an der Berliner Allee Quelle: Moritz Frankenberg

So gut gelaufen ist das Jahr 2018, dass das Lodderbast sogar die Eintrittspreise für Schüler und Studenten von 8 auf 6 Euro gesenkt hat. „Als Dankeschön fürs erste Jahr“, so Thomsen. Ostermontag kann sich das Publikum auf ein besonderes Event in der Südstadt freuen. Das Hofer-Filmfestival – wichtiger Termin für Nachwuchsfilmer, bei dem auch Tom Tykwer seine Laufbahn begonnen hat – ist seine erste Kooperation mit einem Kino eingegangen – dem Lodderbast. Ostermontag um 19 Uhr wird daher ein Festivalfilm in Hannover vorgestellt, ein Mitglied der Filmcrew ist dann ebenfalls vor Ort. „Der Festivalleiter Thorsten Schumann kommt aus Hannover, da haben wir wohl auch etwas Heimvorteil gehabt“, sagt Thomsen.

Konkurrenz heißt Netflix

In Schellers Programmkinos gibt es auch ein paar Oster-Highlights: die Matthäuspassion, einen Film über Picasso und van Gogh und „Goliath96“, den neuen Film mit Katja Riemann. Im Apollo läuft „Bohemian Rhapsody“ und als Kontrastprogramm der „Goldenen Handschuh“. Das kleine Kino in Linden funktioniert ohnehin mit einem anderen Programmkonzept: Hier werden gut gelaufene Filme wiederholt, gewissermaßen als verpasste Chance. „Wir hängen hier eben nicht an ein paar Blockbustern, die die Kinokassen leeren, wenn sie nicht wie erwartet funktionieren“, meint Scheller.

Die Kinobranche bewegt sich derzeit in schwerem Fahrwasser. Der Jahrhundertsommer und die Konkurrenz durch Angebote wie Netflix haben dafür gesorgt, dass die Besucherzahlen 2018 auf historische Tiefstände sanken. Nach einer Studie der Filmförderungsanstalt wurden bundesweit nur noch 105,4 Millionen Tickets verkauft. Im Jahr davor waren es noch 122,3 Millionen. In der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen gab es in den vergangenen sechs Jahren einen Rückgang um 36 Prozent – den Kinos bricht das jüngere Publikum weg. Ein Negativtrend, dem die hannoverschen Programmkinos ebenfalls trotzen: Beim Roadmovie „Anderswo“ und dem Fantasy-Thriller „Border“ sitzen derzeit überdurchschnittlich viele 20- bis 30-Jährige im Publikum.

Kino gegen den Strom

Das Kommunale Kino der Stadt Hannover, kurz Koki genannt, konkurriert grundsätzlich nicht mit den anderen Lichtspielhäusern. Das Koki will ein anderes Kino sein, das andere Filme abseits des Mainstreams zeigt. 1974 wurde das Koki als nichtgewerbliches Kino gegründet, erst neun Jahre später erhielt es in der Sophienstraße eine feste Spielstätte. Mehrfach war es aus Geldmangel von der Schließung bedroht, 1993 schließlich wurde aus dem Koki offiziell das Kino im Künstlerhaus der Stadt.

Das Programm zeigt die gesamte Bandbreite des deutschen und internationalen Filmschaffens. Das Koki sieht sich als „Werkstatt“ für den unabhängigen, engagierten und innovativen zeitgenössischen Film; als „Fenster zur Welt“. Hier öffnet sich die Leinwand für Begegnungen mit globalen Filmkulturen, mit Filmen „aus dem Süden“, aus anderen Kontinenten; das Koki-Programm ist der Ort für Filmgeschichte, für die Klassiker der letzten Jahrzehnte und das frühe Kino. Das Kino kann sich daher seiner Stammgäste sicher sein. Karfreitag gibt es um 13.30 Uhr in der Sophienstraße einen Filmgottesdienst mit Arrival.

Von Susanna Bauch

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