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Aus der Stadt Eltern müssen von Erspartem leben – weil Ämter Anträge erst nach Monaten bearbeiten
Hannover Aus der Stadt

Eltern müssen von Erspartem leben - weil Ämter in Hannover Anträge verspätet bearbeiten

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07:00 18.11.2019
Eltern warten derzeit monatelang auf die Bearbeitung ihrer Elterngeldanträge in den hannoverschen Behörden. Quelle: picture alliance/dpa
Hannover

Der personelle Notstand in hannoverschen Ämtern hat immer gravierendere Auswirkungen auf das Leben der Hannoveraner. Die Elterngeldstelle im Fachbereich Jugend und Familie braucht derzeit mehrere Monate, um dringend benötigte Anträge zu bearbeiten. „Die Zustände sind nicht mehr haltbar“, sagt ein HAZ-Leser. Drei Monate warte er jetzt schon auf seinen Bescheid, inzwischen müsse er von Erspartem leben.

Familie an der Grenze finanzieller Belastbarkeit

Ein anderes Ehepaar, das anonym bleiben will, berichtet von einer monatelangen Wartezeit, die die Familie an die Grenze der finanziellen Belastbarkeit gebracht habe. Mutter und Vater gingen zugleich in Elternzeit, um sich um das zweite Kind zu kümmern. „Wir hatten mit einer zeitnahen Bearbeitung des Antrags gerechnet und mit einer pünktlichen Zahlung des Elterngelds – so wie bei unserem ersten Kind“, berichtet die Mutter.

Doch dann teilte die Behörde mit, dass sich die Bearbeitung mehrere Monate hinziehen werde. Das brachte die Familie in Schwierigkeiten. Laufende Kosten, etwa Ratenzahlungen für ein Eigenheimdarlehn, überstiegen die finanziellen Möglichkeiten. Die Familie bat um eine Härtefallregelung. Vor einigen Tagen erhielten die Eltern schließlich den ersehnten Bescheid.

Stadt: „Vakante Stellen, hoher Krankenstand“

Die Stadt verweist zum wiederholten Mal auf personelle Engpässe. „Neben mehreren vakanten Stellen ist auch ein hoher Krankenstand zu verzeichnen“, teilt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus mit. Die zügige Nachbesetzung der vakanten Stellen sei durch den Mangel geeigneter Verwaltungskräfte auf dem Arbeitsmarkt erschwert. Zudem beanspruche die Einarbeitung neuer Mitarbeiter viel Zeit.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Anträge auf Elterngeld eingereicht werden. Nach aktueller Hochrechnung der Stadt gehen bei den Behörden in diesem Jahr 8500 Neuanträge ein, hinzu kommen rund 4000 Änderungsanträge. Die Anstiege im Vergleich zum Vorjahr liegen bei 2,8 Prozent (Neuanträge) und fast 6 Prozent (Änderungswünsche).

Engpässe bei der Ausbildung

Auch im Standesamt ist die Besetzung derart dünn, dass Bürger wochenlang auf Geburts- und Sterbeurkunden warten müssen. Das liegt unter anderem daran, dass es Engpässe bereits bei der Ausbildung von Standesbeamten gibt. Zusätzliches Personal sei ad hoc nicht zu beschaffen, heißt es vonseiten der Stadt, da ein externer Lehrgang erforderlich sei, für den es erst Ende Juli 2020 wieder Plätze gebe. Auch könnten weitere Stellen erst im laufenden Planverfahren für den Doppelhaushalt 2021/22 eingerichtet werden.

Daher behilft sich das Standesamt damit, neun Mitarbeiter aus anderen Bereichen abzukommandieren. „Wir können nur unser Bedauern aussprechen und um etwas Geduld und Verständnis bitten“, teilt die Stadt mit.

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