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Aus der Stadt Stadtwerke-Abriss an der Glocksee hat begonnen
Hannover Aus der Stadt Stadtwerke-Abriss an der Glocksee hat begonnen
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00:20 20.12.2018
Alles muss weg: Das achtstöckige Gebäude am Enercity-Standort an der Glocksee fällt.
Alles muss weg: Das achtstöckige Gebäude am Enercity-Standort an der Glocksee fällt. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Meter für Meter knabbert sich der Greifbagger durch den Stahlbeton. Am alten Stadtwerke-Standort Glocksee lässt Enercity seine Büro- und Werkstattgebäude abreißen und schafft so Platz für den Neubau, in den ab 2021 auch die Mitarbeiter aus dem Büroturm im Ihme-Zentrum einziehen sollen. Rund 70 Millionen Euro investiert der Energieversorger in das Neubauprojekt.

Nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Haas Cook Zemmrich soll ab 2020 der Stadtwerke-Neubau an der Glocksee entstehen.

Bis März wird der Abriss inklusive der Fundamente dauern. Der Rückbau sei nicht einfach, sagt Philipp Detmering, der die Lehrter Firma A&S Betondemontage gemeinsam mit seinem Bruder Hinrich leitet. Überall sind Schadstoffe in den Gebäuden verbaut. In der alten Brücke, die das fast 40 Meter hohe Hauptgebäude mit einem Querriegel verband, waren asbesthaltige Fensterkitte verbaut, im Gebäude waren Wandputze und Fußbodenelemente mit Asbest vergiftet, auch an Fassadenteilen fand sich Asbestspachtel.

Am Ufer der Ihme bleibt der Gasspeicher erhalten

Seit Montag aber geht es den Gebäuden mit groberem Gerät zuleibe. Mit langen Auslegern beißen sich Greifbagger durch fünf Einzelbauten – nur eines der Nachkriegsgebäude direkt neben dem alten Gasspeicher-Rundbau bleibt bestehen. Der Gasspeicher natürlich auch, er steht unter Denkmalschutz und ist die deutlichste Hinterlassenschaft, dass an dem Standort direkt am Ihme-Ufer früher ein Gaswerk wirtschaftete.

Luftaufnahme des Enercity-Geländes. Quelle: Google Earth

Fast 10 000 Tonnen Bauschutt fallen nach Berechnungen von A&S-Chef Detmering an, das entspricht etwa 400 Lkw-Ladungen. Enercity hat die Anwohner mit einer Hauwurfsendung informiert und versprochen, die Lärm- und Staubbelastung möglichst niedrig zu halten. Aber der Abriss eines achtstöckigen Gebäudes ist natürlich nicht zu verheimlichen. A&S trennt das Abbruchmaterial auf der Baustelle, der Schutt soll auf Baustellen im Umland Hannovers weiterverwendet werden.

Die Firma A&S Betondemontage knabbert Stück für Stück das alte Stadtwerke-Bürohaus am Ihme-Ufer weg. Eine Bildergalerie.

Enercity-Mitarbeiter auf Standorte in Hannover verteilt

350 Mitarbeiter haben auf dem Areal an der Glocksee gearbeitet. Wer aus Platzgründen nicht im Querriegel weiterarbeiten kann, wurde übergangsweise auf die beiden Standorte in der Stammestraße und im Ihme-Zentrum umquartiert.

Voraussichtlich ab Juni 2019 soll auf dem Glocksee-Grundstück die Baugrube vorbereitet werden. Danach soll nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Haas Cook Zemmrich der Neubau mit viel Glas in der Fassade errichtet werden. Allerdings dauert der Neubaustart noch bis 2020: Es stehen noch Genehmigungen der Stadt und Vergaben an Baufirmen aus.

Ein Neubau für 550 Mitarbeiter

2021 soll der Neubau für Hannovers regionalen Energieversorger fertig sein. Im Architektenwettbewerb hatte sich zu Jahresbeginn der Entwurf von Martin Haase aus dem Stuttgarter Büro Haas Cook Zemmrich gegen 15 Konkurrenten durchgesetzt. Er sieht ein gläsernes, ins Gebäude eingeschobenes Entrée vor mit einer innenliegenden Halle, die sich bis in die Obergeschosse hinaufreckt – dort gruppieren sich Büros um den Gebäudekern.

Insgesamt 550 Mitarbeiter sollen im Neubau Platz finden. Enercity konzentriert sich damit auf den historischen Gaswerk-Standort, das einst am Ihme-Ufer produzierte und von dem der markante Backstein-Rundbau erhalten bleibt. Größter Firmensitz des mit Tochterfirmen rund 3000 Mitarbeiter starken Unternehmens aber bleibt die Ricklinger Stammestraße.

Enercity betreibt im Raum Hannover unter anderem drei Kraftwerke und zwei Wasserkraftwerke. Das Unternehmen hat zuletzt 2,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, das Ergebnis nach Steuern betrug im jüngsten Geschäftsjahr 77,6 Millionen Euro.

Von Conrad von Meding

17.12.2018
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