Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ermittlungen gegen Graffiti-Sprayer „Rising Boys Hannover“: Nach drei Jahren nur eine Anklage
Hannover Aus der Stadt

Ermittlungen gegen 96-Ultras „Rising Boys Hannover“: Nach drei Jahren nur eine Anklage

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:34 08.10.2019
Polizei und Staatsanwaltschaft haben drei Jahre lang gegen die 96-Ultras „Rising Boys Hannover“ ermittelt. Sie sollen unter anderem Züge mit ihrem Kürzel RBH beschmiert haben. Quelle: Vice Sports
Hannover

Riesiger Ermittlungsaufwand, kleiner Erfolg: Drei Jahre lang haben Polizei und Staatsanwaltschaft versucht, Beweise gegen die 96-Ultragruppe Rising Boys Hannover (RBH) zu sammeln. Die Sprayer sollen durch Graffiti einen enormen Schaden in der Stadt verursacht haben. Es gab zwei Razzien, unzählige Beweismittel wurden sichergestellt, die Untersuchungen richteten sich gegen 16 Personen. Und nun das ernüchternde Fazit: Lediglich ein 29-Jähriger muss sich demnächst vor dem Amtsgericht Hannover verantworten, den übrigen Verdächtigen konnte nichts Stichhaltiges nachgewiesen werden.

Bei der Razzia im April 2018 stellte die Polizei nach eigenen Angaben umfangreiches Beweismaterial sicher. Quelle: Christian Elsner (Archiv)

„Wir haben uns wirklich alle Mühe gegeben“, sagt Staatsanwaltssprecher Thomas Klinge. Den Ertrag der zeitintensiven und aufwendigen Ermittlungen bezeichnet er daher als „ein bisschen schlecht“. Dem 29-Jährigen wird gemeinschädliche Sachbeschädigung in fünf Fällen vorgeworfen, mit seinen Graffiti soll er Regionalzüge beschmiert und damit einen Schaden von mindestens 17.000 Euro verursacht haben. Nach HAZ-Informationen ist der 29-Jährige bereits zweimal wegen Sachbeschädigung zu Geldstrafen verurteilt worden.

Drei Jahre lang wurde ermittelt

2016 begannen die Ermittlungen gegen die RBH, nachdem die Gruppe im Internet ein 20-minütiges Video von ihren Sprayaktionen veröffentlicht hatte. Im Film war zu sehen, wie die Mitglieder S-Bahnen und Regionalzüge, Lärmschutzwände sowie Mauern mit ihren Graffiti beschmieren – darunter auch die U-Bahn-Station Markthalle. Ein Jahr später folgte die erste Razzia der Polizei unter anderem in Linden und Springe. Im April 2018 durchsuchten die Beamten weitere Wohnungen, die mit den Rising Boys Hannover in Zusammenhang standen. Es wurden Farbspraydosen, diverse Speichermedien, Pyrotechnik und Drogen beschlagnahmt. Die Auswertungen nahmen viel Zeit in Anspruch.

Das gravierendste Problem aber war: Die Strafverfolger mussten zunächst klären, ob es sich bei den Rising Boys Hannover um eine kriminelle Vereinigung handelte. Dann hätte die Staatsanwaltschaft wesentlich einfacher gegen die gesamte Gruppe ermitteln können. Das schied laut Klinge aber „aus rechtlichen Gründen aus“, weil dafür eine Gefährdung der Öffentlichkeit hätte bestehen müssen – nicht haltbar bei Sachbeschädigung. Also war jede einzelne Tat jedem einzelnen RBH-Mitglied zuzuordnen. „Das war schwer, weil die Sprayer ihre Taten allesamt vermummt begingen“, sagt Klinge. Somit wurde aus anfangs 16 Verdächtigen nur noch ein Angeklagter.

Zeugen haben 29-Jährigen überführt

„In seinem Fall waren Zeugen vorhanden“, sagt Klinge. Aus dem Grund konnte dem 29-Jährigen aus Sicht der Staatsanwaltschaft etwas nachgewiesen werden. Als Folge bekam der Hannoveraner bereits einen Strafbefehl über 300 Tagessätze, die zusammen eine Geldstrafe im fünfstelligen Bereich ergaben. Dagegen legte der 29-Jährige aber Widerspruch ein, sodass es nun zum Prozess kommt. Dafür sind laut Amtsgerichtssprecher Koray Freudenberg 17 Zeugen und 60 Beweismittel aufgeführt – darunter Fotos, Videos, Spraydosen und sogar eine Drohne. Einen Termin für die Verhandlung gibt es aber noch nicht.

Alle aktuellen Polizeimeldungen

Die aktuellsten Polizeinachrichten aus Hannover lesen Sie hier in unserem Ticker.

Von Peer Hellerling

Stinkende Schultoiletten sollen rasch repariert werden – dafür will sich der Oberbürgermeisterkandidat der CDU, Eckhard Scholz, einsetzen. Zudem hält er es für nötig, das Sanierungspaket der Stadt von bisher 520 Millionen auf eine Milliarde Euro nahezu zu verdoppeln.

08.10.2019

Ein Leser hat am Montagabend über dem Lindener Küchengartenplatz einen auffällig leuchtenden Fleck am Himmel gefilmt. Das ist natürlich kein Ufo – aber was ist tatsächlich zu sehen? Die HAZ hat Experten um Erklärung gebeten.

08.10.2019
Aus der Stadt Schwulen- und Lesbenszene Hannover Homosexuelle Ampelmännchen kommen gut an

Ein echtes Zeichen für Toleranz oder nur ein symbolpolitisches Feigenblatt? Die Schwulen- und Lesbenszene reagiert positiv auf die gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen, die im nächsten Frühjahr während des Christopher Street Days installiert werden sollen. Sie hat aber weitergehende Forderungen.

03.12.2019