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Aus der Stadt Neues Legendenschild weist auf die dunkle Seite von Ernst August hin
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Ernst-August-Platz in Hannover: Neues Legendenschild weist auf die dunkle Seite von Ernst August hin

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09:53 15.01.2020
Der Ernst-August-Platz vor dem Hauptbahnhof bekommt ein Legendenschild, das auf die Schattenseiten des Königs hinweist. Quelle: Jacqueline Hadasch
Hannover

Der Treffpunkt „unterm Schwanz“ vor dem Hauptbahnhof gehört zu den hannoverschen Traditionen wie die Kröpcke-Uhr und die Lüttje Lage auf dem Schützenfest. Doch der Herr „überm Schwanz“ des Reiterdenkmals, König Ernst August von Hannover, ist eine umstrittene historische Figur. Er hob die liberale Verfassung des Königreichs Hannover 1837 auf und setzte protestierende Beamte, darunter die berühmten Göttinger Sieben, vor die Tür. Auf diese Risse im Denkmal weist ein Legendenschild hin, das am Donnerstag auf dem Ernst-August-Platz angebracht wird.

„Der Platz wird nach einem Schuft benannt“

„Wir würden heute nicht mehr einen Platz nach einem Menschen benennen, der einen Staatsstreich begangen hat“, sagt Piraten-Vertreter Jürgen Junghänel. Auf seine Initiative im Bezirksrat Mitte geht die Montage des Legendenschilds zurück. Fünf Jahre ist es her, dass sich Junghänel zum ersten Mal mit Ernst August beschäftigte und ihm auffiel, dass der König keineswegs der glänzende Herrscher war, als der er in Stein gemeißelt auf dem Bahnhofsplatz erscheint.

Selbst aus Sicht der damaligen Zeit sei die Aufhebung der Verfassung ein widerrechtlicher Akt gewesen, meint Junghänel. „Der Platz wird nach einem Schuft benannt“, sagt der Pirat. Doch der Name Ernst August habe sich im Laufe der Zeit von den historischen Zusammenhängen abgekoppelt und erscheine jetzt als neutrale Bezeichnung – vergleichbar mit Hindenburg, meint Junghänel.

SPD stimmte gegen Legendenschild

Um die nötige Aufmerksamkeit zu erregen, plädierte Junghänel zunächst dafür, den Ernst-August-Platz umzubenennen. „Das war nicht ganz ernst gemeint“, sagt der Pirat im Rückblick. Nach etlichen Diskussionen stimmte der Bezirksrat Mitte im März vergangenen Jahres mit großer Mehrheit für das Legendenschild. Wörtlich steht auf dem Schild: „König Ernst August von Hannover (1771-1851) hob 1837 die Verfassung des Königreichs Hannover auf. Dagegen protestierende Beamte wurden entlassen“.

Die SPD, Initiator für die Umbenennung der Hindenburgstraße, votierte gegen das Schild. „Die Genossen dachten offenbar, es handele sich um einen Scherz“, sagt Junghänel.

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