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Aus der Stadt Erster Infa-Tag: Volle Straßen, volle Hallen
Hannover Aus der Stadt

Erster Infa-Tag in Hannover: Volle Straßen, volle Hallen

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19:50 13.10.2019
Infa kreativ: Sigrun Knöpfle-Lukasczyk, 40, von der Firma Lillestoff zeigt Lisa Wielick, 30, wie man eine kleine Mütze näht. Die Mützen werden anschließend für Frühgeborene gespendet. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Wer zur Infa will, braucht Geduld. Das gilt für die Autofahrer, die sich auf den Zufahrtswegen zum Messegelände stauen oder die Besucher, die schon vor der Eröffnung am Sonnabend um 10 Uhr in vollen Stadtbahnen unterwegs sind. Mehr noch aber für die Gäste in Halle 23, die an diesem Eröffnungswochenende im Zeichen der Kreativität steht. An den Wolle-, Stoff- und Schmuck-Ständen drängeln sich die Hobbykünstlerinnen. Maja (13) ist mit ihrer Mutter Britta (48) und Schwester Finja (11) aus der Nähe von Braunschweig hierhergekommen. Sie bastelt Drahtschmuck, hat ihre Kreationen schon selbst auf dem örtlichen Dorfmarkt verkauft oder verschenkt sie an ihre kleinere Schwester, die selbst gern Postkarten gestaltet. Mutter Britta näht lieber.

Basteln alle gern: Britta, 48, mit ihren Töchtern Finja, 11, und Maja, 13. Maja sucht Material, um daraus Metallschmuck zu basteln. Quelle: Katrin Kutter

Auch für Thimm und Nadine (beide 37) mit Tochter Pia (5) aus Wettbergen ist der Tag auf der Messe ein Familienausflug. Mutter Nadine sucht Stoffe, sie schneidert am liebsten Kinderkleidung. Der Raum, der eigentlich mal Büro werden sollte, sei jetzt Nähwerkstatt, erzählt Thimm. Los ging es mit der Nähmaschine der Oma, dann kam die eigene, dann eine Presse, weil die selbst geschneiderte Kleidung ja auch bedruckt werden sollte. Nadine näht und strickt viel für den Eigengebrauch, Mützen, Pullover, Hoodies, Kleider. Verschenken möchte sie ihre Werke nur an diejenigen, die auch „wirklich zu schätzen wissen, wie viel Arbeit darin steckt“.

Aus dem Büro ist eine Nähwerkstatt geworden: Nadine, 37, sucht gemeinsam mit ihrem Mann Thimm, 37, und Tochter Pia, 5, Stoff für ein neues Kinderkleid. Quelle: Katrin Kutter

Männer vertreiben sich die Zeit lieber mit Eisenbahnen

Benjamin (37) aus dem Kreis Schaumburg hilft nicht mit beim Stoffeaussuchen, er vertreibt sich die Zeit mit seinen beiden Söhnen Jannik (10) und Henrik (5) lieber am Modelleisenbahnmodell in der Mitte der Halle. Die Waggons in Spur-1-Größe mit den kleinen bunten Fahrgästen im Inneren sind beeindruckend. „So eine Eisenbahn hätte wohl jeder Mann gern“, sagt er. „Große Jungs eben“, schiebt er nach. Während die großen und kleinen Jungen am 20 mal elf Meter großen Modelleisenbahnmodell staunen, suchen ihre Begleiterinnen nach Stoffen und Wolle. „Meine Frau?“, Benjamin überlegt, „die habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, aber sie weiß ja, wo sie uns findet.“

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„Meine Frau? Die hab ich länger nicht gesehen?“ Benjamin, 37, vertreibt sich die Zeit mit seinen Söhnen Jannik, 10, und Henrik, 5, mit Eisenbahnen, während seine Frau Stoffe aussucht. Quelle: Katrin Kutter

Die Eisenbahn, die zu Weihnachten um den Tannenbaum kreist, gehört für Felix (32) aus Garbsen-Berenbostel zu seinen schönsten Kindheitserinnerungen, die er gern in der eigenen Familie mit Töchterchen Lotte (5) wieder aufleben lässt. Ob Modelleisenbahn oder Playmobil – Züge seien einfach spannend zum Spielen, sagt er.

Felix, 32, und Lotte, 5, an der Eisenbahnplatte. Quelle: Katrin Kutter

Holger Finck (66) aus Langenhagen gehört zum Spur-1-Team Hannover, das das Modell für die Infa aufgebaut hat. Die Mitglieder seien zwischen 30 und 75 Jahren, sagt er. Es seien hauptsächlich Männer, eine Frau sei aber auch dabei. Fincks größter Stolz ist ein Schienenbus aus den Fünfzigerjahren. An der Spur-1-Größe schätzt er, dass „man richtig etwas in der Hand hält“. Seit den Achtzigerjahren sei er selbst Modelleisenbahner, sagt er.

Modelleisenbahnfan Holger Finck (66) ist besonder stolz auf seinen Schienenbus. Quelle: Katrin Kutter

Berufsschüler zeigen eigene Kreationen

Derweil zeigen die Schüler von der Anna-Siemsen-Schule ihre eigenen Modelle bei einer Modenschau, entweder sind es nachhaltige Kreationen, etwa Kleider aus Krawatten, oder wandelbare, die sich für Kälte und Hitze gleichermaßen eignen, indem man einfach ein paar Schichten ablegt.

Kleider aus Krawatten: Modenschau der Anna-Siemsen-Schule auf der Infa. Quelle: Katrin Kutter

Viele Stofffans kommen zum Stand von Lillestoff aus Langenhagen. Bekleidungstechnikerin Sigrun Knöpfle-Lukasczyk (40) erklärt „Hobbynäherin“ („Schneiderin wäre zu hoch gegriffen“) Lisa Wielick (30), wie man eine Mütze für Frühchen macht. Lillestoff spendet das Material, die Besucherin die Zeit, und am Ende gehen die Mützen an den Verein „Herzenssache“ aus Wandlitz, der Familien mit Frühchen oder sogenannten Sternenkindern, die tot zur Welt kommen, unterstützt.

Die Mützen werden für Frühgeborene gespendet. Quelle: Katrin Kutter

Lillestoff bringt seit dem vergangenen Jahr auch eigene Schnittmusterhefte heraus. Die seit 2010 bestehende Firma ist nicht nur Rohstofflieferant auf Messen für Hobbykünstlerinnen, sondern bietet auch Fabrikverkauf am Standort in Langenhagen an.

Harald Heuser (62) aus Ennepetal (Nordrhein-Westfalen) gehört zu den wenigen männlichen Standbetreibern, eigentlich unterstützt er seine Frau Elisabeth. Unter dem Label „Lizzy’s Handmade“ vertreibt sie selbst gefärbte Schur- oder Merinowolle, im eigenen Laden im Ruhrgebiet oder auf Messen quer durch Deutschland.

Elisabeth Heuser, 62, und ihr Mann Harald, 62, verkaufen selbstgefärbte Wolle. Quelle: Katrin Kutter

Zum Selbstfärben sei sie vor drei Jahren eher zufällig gekommen, weil die Frau, die sonst im Strickkreis die Wolle gefärbt habe, irgendwann nicht mehr dabei gewesen sei. Stricken sei schon seit Kindheitstagen ihre Leidenschaft. „Ich hatte eine Lehrerin, die hatte jede Woche einen neuen selbst gestrickten Pullover an, das hat mich irgendwie angefixt“, sagt Elisabeth Heuser.

Selbstgemachte Lesezeichen gibt es auch. Quelle: Katrin Kutter

Ayla (51) und Hülya (52) Tutkunkardes aus Göttingen bieten selbst kreierte Haarbänder im Fünferpack an, die man auch als Armband tragen kann, und Lesezeichen mit persönlicher Note. Nicht weit weg hat Hans (12) aus Everode bei Alfeld (Kreis Hildesheim) gerade seinen ersten Kugelschreiber gedrechselt, geschliffen und gewachst. An diesem Wochenende ist Halle 23 der Ort für Selbermacher.

Hans (12) und sein Papa drechseln sich eigene kleine Kugelschreiber bei der Firma Unimat von Matthias Lauterborn (59). Quelle: Katrin Kutter

Das müssen Sie wissen zur Infa:

Die Sonderausstellung Infa kreativ läuft bis einschließlich Montag, 14. Oktober. Die gesamte Infa-Messe geht bis zum 20. Oktober, geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für Kinder bis zwölf Jahre ist frei, Jugendliche zahlen am Wochenende 9 Euro, Erwachsene 14 Euro an den Messekassen, online sind die Tickets jeweils zwei Euro günstiger. Von Montag bis Freitag kosten die Karten für Erwachsene an der Messekasse jeweils 12 Euro.

In der Kreativhalle 23 kommen vor allem die Selbermacher auf ihre Kosten.

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