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Aus der Stadt Tiny-House-Siedlung soll an den Kronsberg ziehen
Hannover Aus der Stadt

Europas größte Tiny-House-Siedlung soll an den Kronsberg in Hannover ziehen

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00:15 09.05.2019
Auf die Bauflächen nördlich des Wohnquartiers soll es gehen: Die Stadt hat dem Tiny-House-Projekt 50.000 Quadratmeter am Kronsberg-Nord angeboten. Links der Bauflächen befindet sich die Grundschule Feldbuschwende, daneben die gebogene Stadtbahntrasse. Quelle: Google-Maps
Hannover

In Hannover soll Europas größte Tiny-House-Siedlung entstehen mit Kleinstwohnungen, die zum Teil in Mobilheimen eingerichtet werden. Was zunächst wie eine utopische Idee einiger Aktivisten klang, nimmt jetzt spürbar Gestalt an. Die Stadt hat dem Trägerverein ein 50.000 Quadratmeter großes Baufeld am Nordrand des Kronsberg-Quartiers angeboten. Bis Jahresende haben die Initiatoren des Projekts Ecovillage Hannover das Exklusivrecht zur Planung auf dem Areal.

Trend zu Tiny-Houses kommt aus Amerika

Der Trend zu minimalistischen Tiny-Houses kommt aus Amerika, wo immer mehr Menschen in Kleinst-Mobilheimen leben, die zum Teil pfiffig, zum Teil skurril ausgestattet sind. In Hannover aber geht es um mehr als die Bauform: Die Initiatoren wollen ein experimentelles Wohn- und Lebensquartier für bis zu 1000 Menschen schaffen, in dem der individuelle Wohnraum mit durchschnittlich 25 Quadratmetern klein gehalten wird, dafür mehr Gemeinschaftsflächen genutzt werden.

Mehr als 300 Interessierte waren im Januar zu einer Auftaktveranstaltung im Pavillon gekommen, bei der die Initiatoren Thomas Köhler vom Verein Transition-Town und der ehemalige Stadtrat Hans Mönninghoff ihre Pläne vorstellten. Inzwischen haben sich fast 1000 in den Infoverteiler des Vereins Ecovillage aufnehmen lassen, gut 200 von ihnen engagieren sich in regelmäßigen Arbeitsgruppen. „Das Thema hat offenbar einen Nerv getroffen“, sagt Köhler: „Das Interesse ist riesig.“ Am Sonnabend, 1. Juni, soll es einen Kongress mit 400 Teilnehmern im Freizeitheim Ricklingen geben, bei dem der erarbeitete Planungsstand diskutiert wird.

Hannovers Stadtspitze unterstützt das Projekt von Ecovillage

Bei der Stadtspitze ist die Initiative auf offene Ohren gestoßen. Es habe ein Treffen mit Oberbürgermeister Stefan Schostok, Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeier-Dette sowie Stadtbaurat Uwe Bodemann gegeben und dann noch weitere Treffen mit Bodemann und Fachleuten. „Die Treffen waren gut vorbereitet“, sagt Köhler, „wir freuen uns sehr über diese Unterstützung der Stadt.“

Pläne für Tiny-House-Siedlung in JHainholz haben sich zerschlagen

Ursprünglich gab es den Plan, Kleingartenflächen in Hainholz umzuwandeln, die laut Wohnkonzept der Stadt langfristig Wohnbauland werden sollen – allerdings hagelte es Protest von Kleingärtnern. Bei den Gesprächen mit der Stadt seien nun sechs Grundstücke zur Auswahl gestellt worden, heißt es. Das am Kronsberg sei wegen der Nähe zur Stadtbahn, zur Grundschule an der Feldbuschwende und der Gesamtinfrastruktur am besten erschienen, sagt Köhler. 18 Minuten benötigt die Stadtbahn bis zum Kröpcke, die Haltestelle liegt etwa 400 Meter vom Baugebiet entfernt. Alternativflächen wären das alte Bahnausbesserungswerk in Leinhausen oder die ehemaligen Kleingartenflächen in Bischofshol – in beiden Fällen aber würden Jahre für Vorplanungen verstreichen, weil kein Bebauungsplan vorliegt, der Wohnen zulässt.

Ecovillage als Genossenschaft auf Pachtflächen?

Derzeit diskutieren die Arbeitsgruppen, wie sie ihr Projekt so finanzieren können, dass auch Menschen mit extrem wenig Geld teilhaben können. Angedacht ist ein Genossenschaftsmodell, bei dem möglicherweise Einzelpersonen auch durch ihre Fähigkeiten beim Betrieb des Projekts Genossenschaftsanteile erwerben können, indem sie etwa gärtnern, handwerken oder pflegen. Die Stadt würde das Bauland nördlich der Straße Wittbusch wohl in Erbpacht vergeben, sodass kein Kapital für den Flächenkauf nötig wäre.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann am 1. Juni beim Visionskongress einsteigen – wenn Plätze frei sind. Die Anmeldung soll in Kürze beginnen, allerdings haben die bereits Aktiven ersten Zugriff. Obwohl das gesamte Freizeitheim Ricklingen angemietet ist, könnte es eng werden: Es fasst nur 400 Personen.

Lesen Sie auch diese Texte:

Januar 2019: So ging es mit Hannovers geplanter Tiny-House-Siedlung los

Folgebericht: Mehr als 300 Interessierte bei Auftaktveranstaltung

Von Conrad von Meding

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