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Aus der Stadt Schlechter Platz? Egal. Hannover ist trotzdem „City of Eurovision“
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Eurovision Song Contest: Warum Deutschland beim ESC hinten gelandet ist

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00:16 22.05.2019
„Der ESC mobilisiert die Leute“: Experte Irving Wolther aus Hannover.
„Der ESC mobilisiert die Leute“: Experte Irving Wolther aus Hannover. Quelle: dpa (RND-Collage)
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Hannover

Deutschland hat beim Eurovision Song Contest in Israel enttäuscht. Das Duo Sisters landete am Ende nur auf dem drittletzten Platz. Warum eigentlich?

Irving Wolther ist ausgewiesener Experte für den Eurovision Song Contest. Der 49-jährige Dozent an der Musikhochschule Hannover hat seine Doktorarbeit über den Wettbewerb verfasst und veranstaltet Ende Juni in Hannover ein ESC-Festival für Fans mit Teilnehmern aus sechs Jahrzehnten.

Herr Wolther, Deutschland ist im Eurovision Song Contest auf den drittletzten Platz gelandet. Ist das verdient?

Immerhin ist es nicht der letzte. Es lag nicht an der Performance der beiden „Sisters“. Sie haben ihr Bestes gegeben. Der Song ist eher von der unauffälligen Sorte, das ist beim ESC immer problematisch. Der Beitrag muss sehr auffällig oder emotional sein, denn die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums ist begrenzt.

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Im Video: Das sind die Top 10 des ESC

Zum dritten Mal kam jetzt mit Carlotta Truman eine Teilnehmerin aus der Region Hannover.

Zum vierten Mal! Es wird immer Wyn Hoop aus Vahrenwald vergessen, der 1960 den vierten Platz für Deutschland gemacht hat. Das war, gerade mal 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, eine richtige Leistung. Deutsche Teilnehmer mussten noch bis in die Achtzigerjahre mit Nazivorwürfen kämpfen. Hoop hat übrigens in den Sechzigerjahren noch eine ordentliche Schlagerkarriere gemacht.

Insgesamt nahmen 26 Länder mit ihren Kandidaten am Finale des Eurovision Song Contests 2019 teil. In dieser Bildergalerie finden Sie die Fotos aller Acts und ihre Platzierungen.

Also sogar vier ESC-Sänger aus dem Raum Hannover, davon drei junge Frauen in relativ kurzem Abstand. Purer Zufall oder steckt mehr dahinter?

Hannover hat tatsächlich bessere musikalische Strukturen, als viele denken. Im Pop-Institut der Musikhochschule werden viele Leute ausgebildet, die im Musikbusiness Fuß fassen. Dieses Jahr habe ich in Tel Aviv einen ehemaligen Mitstudenten getroffen, der dort Vocal Coach für Aserbaidschan war. TVN hat den ESC 2006 in Athen produziert, Sennheiser ist seit fast 20 Jahren Haus- und Hoflieferant für die Tontechnik. Wir sind City of Eurovision.

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Klingt beeindruckend.

Außerdem sind wir die einzige Stadt außer London, die eine U-Bahn-Station nach einem Siegertitel benannt hat.

Da bin ich gespannt. London hat Waterloo-Station, und Hannover?

Waterloo.

Oh. Okay, also denken wir auch in Hannover in der U-Bahn künftig an Abba statt an Napoleon. Wo haben Sie den Contest mitverfolgt?

Auf einer ESC-Tagung in Berlin mit großem Public Viewing. Wir waren optimistisch, dass es für Platz 20 reicht. Aber null Punkte vom Publikum, das ist eine Ansage.

Was bewirkt es in der Heimatstadt, wenn eine Sängerin es bis zum ESC schafft?

Es mobilisiert die Leute, sie können stolz sein. Es hat mich sehr positiv überrascht, dass Garbsen ein eigenes Public Viewing auf die Beine gestellt hat. Ich hoffe, dass Stadt und Einwohner auch künftig hinter Carlotta und ihrer Musik stehen.

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Von Bärbel Hilbig