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Aus der Stadt Studenten besuchen Flüchtlingskinder im Libanon
Hannover Aus der Stadt Studenten besuchen Flüchtlingskinder im Libanon
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09:00 06.04.2019
Studentin Lotta Meister besucht mit Mitstudenten syrische Flüchtlingskinder in einer evangelischen Schule im Libanon.
Studentin Lotta Meister besucht mit Mitstudenten syrische Flüchtlingskinder in einer evangelischen Schule im Libanon. Quelle: Evangelische Landeskirche
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Hannover

Die Reise hat Lotta Meister nachhaltig beeindruckt. Die Tochter von Landesbischof Ralf Meister hat Ende März mit 14 weiteren Studenten drei Schulen für syrische Flüchtlingskinder im Libanon besucht. Die jungen Deutschen haben mit den Kindern gebastelt, Spaß gehabt und Sport gemacht. Und die Schüler zeigten sich sehr dankbar für diese Art der Zuwendung, an der es ihnen oft mangelt. „Die Kinder sind teils sehr lebhaft, auch verhaltensauffällig. Wir haben sie zu Bewegungsspielen angeleitet. Sie kannten es gar nicht, dass sie ihre Energie auch mal ausleben dürfen.“ Die 19-Jährige studiert selbst Arabistik, anderen in der Gruppe studieren Religionspädagogik. Mehrere sprechen Arabisch und haben selbst Wurzeln in der Region.

Studenten helfen in evangelischen Schulen im Libanon, die syrische Flüchtlingskinder unterrichten.

Der Besuch der Studenten aus Göttingen, Hildesheim und Osnabrück gehört zu einem Projekt der Evangelischen Landeskirche Hannover. Eine erste Gruppe reiste im Herbst 2018 an die Schulen. Seit 2017 unterstützt die Kirche evangelische Schulen in Syrien und dem Libanon. „Wir tun viel für die syrischen Flüchtlinge in Deutschland. Aber wir fragten uns, was mit den vielen passiert, die auf ihrer Flucht nahe der Heimat geblieben sind“, berichtet Landesbischof Meister. Es entstand ein Kontakt zur evangelischen Kirche in Syrien und dem Libanon. Die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon unterhält selbst mehrere Schulen. Besonders die Einrichtungen in Nähe der Flüchtlingscamps sind oft nur klein und arbeiten unter provisorischen Bedingungen. „Für Sport und Basteln haben die Lehrer im Libanon keine Zeit“, sagt Pastor Daniel Küchenmeister, der die Reise geleitet hat.

Viele Kinder haben beide Eltern verloren

Die Schüler leben unter widrigen Bedingungen, die Belastung durch Krieg und Flucht wiegen schwer. Viele Kinder haben beide Eltern verloren. Andere Familien kümmern sich kaum um den Nachwuchs. Lotta Meister wird ganz still, als sie von der Schule in Minyara erzählt. Kurz bevor die Studenten dort ankamen, mussten drei Mädchen im Alter von zwölf und 13 Jahren von der Schule abgehen. Ihre Familien hatten sie gegen ihren Willen verheiratet.

Um so wichtiger ist die Hilfe aus Deutschland. Gemeinden der Landeskirche haben seit 2017 knapp 85.000 Euro für die Schulen gespendet. Dazu kommen 25.000 Euro aus der Katastrophenhilfe der Landeskirche. Das Geld diente zur Stromversorgung der Schulen oder auch zum Kauf von Schuluniformen für die Kinder. Die Studenten haben jetzt auch T-Shirts mit den Schülern bemalt. Auch das eine völlig ungewohnte Erfahrung für die Kinder. „Sie haben 100-mal nachgefragt, ob die T-Shirts tatsächlich für sie sind“, berichtet Lotta Meister.

Die Kirche will weiter Studenten in die Krisenregion schicken. Im September ist ein Gegenbesuch geplant. Sechs Schulleiter aus dem Libanon besuchen zur Fortbildung die Schulen der Landeskirche. „Wir hoffen, dass es mit den Visa klappt“, sagt der Bischof. Meister hofft auf einen engeren Austausch. „Eine Schulpatenschaft wäre ein Traum.“

Von Bärbel Hilbig