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Aus der Stadt Darum steht die Fassade des ehemaligen Maritim-Hotels immer noch
Hannover Aus der Stadt

Ex-Maritim in Hannover: Kaum Fortschritt bei Umbau, aber neuer Betreiber

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08:00 30.11.2021
Container werden mit Metallschrott gefüllt und ausgetauscht: Die Arbeiten am ehemaligen Maritim-Hotel in Hannover am Friedrichswall gehen nur langsam voran.
Container werden mit Metallschrott gefüllt und ausgetauscht: Die Arbeiten am ehemaligen Maritim-Hotel in Hannover am Friedrichswall gehen nur langsam voran. Quelle: Conrad von Meding
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Hannover

Der Umbau am ehemaligen Maritim-Grandhotel geht nur sehr langsam voran. Noch im Sommer hatte der Projektentwickler versprochen, er werde im Oktober die alte Betonfassade abreißen – aber auch Ende November ist dort kein Fortschritt sichtbar. Stattdessen holt ein Bautrupp, bestehend aus rund einer Handvoll Mitarbeitern, seit Tagen Wertstoffe wie etwa Altmetall aus dem Gebäude.

Maritim: Fassadendemontage verschoben

Das Unternehmen Manufortis, vom Eigentümerunternehmen Intown mit dem Umbau der Großimmobilie beauftragt, kann erklären, warum es an der Fassade nicht vorangeht. Man habe entschieden, „die Fassadendemontage auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um das Gebäude wetterfest zu halten“. Verschiebungen angekündigter Teilsanierungen gehören seit Jahren zu dem Umbauprojekt.

Eingerüstet und hinter Planen: Das ehemalige Maritim-Hotel in Hannover am Friedrichswall. Quelle: Conrad von Meding

Allerdings sagt der Manufortis-Sprecher auch, dass an einigen Stellen hinter der Gerüstplane bereits Balkone abgesägt und Fassadenteile zurückgebaut seien, um dort Platz für die neue Musterfassade zu schaffen. Sie soll im Frühjahr montiert werden.

Stadt übt sich in Geduld

Bei der Stadt übt man sich in Geduld, obwohl die Betonruine nach dem Abschied der Maritim-Kette 2014 nun schon seit sieben Jahren ein trostloser Anblick gegenüber vom Rathaus ist. Das Grundstück gehört der Stadt, sie hat es per Erbpacht an das Berliner Unternehmen Intown/Linaeo vergeben und Fristen festgelegt für den Umbau. Die würden überwacht, sagt Stadtsprecher Dennis Dix: „Die Stadtverwaltung verschafft sich regelmäßig ein Bild zum Baufortschritt.“

Siegerentwurf von 2015 für den Umbau des ehemaligen Maritim-Grandhotels Friedrichswall in Hannover vom Architekturbüro Christoph Mäckler aus Frankfurt am Main. Das wellenförmige Dach allerdings gefiel der Stadt nicht, hier soll nachgebessert werden. Quelle: Christoph Mäckler

Immerhin spricht einiges dafür, dass es in naher Zukunft etwas schneller vorangeht. Trotz der aktuellen Krise am Hotelmarkt sei jetzt ein Betreiber für das künftige Hotel gefunden worden, sagt der Manufortis-Sprecher aus Berlin. In der Hotelbranche war es ein offenes Geheimnis, dass das Unternehmen mit etlichen, auch namhaften Ketten verhandelt hat, die sich aber wegen überzogener Preisforderungen wieder zurückgezogen haben sollen. Auch das dürfte ein Grund für den schleppenden Umbau sein. Solange es keinen Vertrag mit einem späteren Betreiber gibt, macht für Investoren das Investieren wenig Sinn.

Neuer Betreiber für Immobilie gefunden

Welche Kette in das prominent gelegene Hotel einziehen wird, darüber sei „bis zum vollständigen Vollzug der Verträge Stillschweigen vereinbart“ worden, sagt der Manufortis-Sprecher. Die Vorbereitungen liefen aber auf Hochtouren: Man sei bereits dabei, Zimmer zu bemustern.

Wie es äußerlich weitergeht mit dem 100 Meter langen und sieben Stockwerke hohen Hotelbau, ist seit 2015 fixiert. Damals hatte der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler einen Architektenwettbewerb gewonnen. An der Fassade sind statt der klobigen Balkone flache Fensterbänder vorgesehen. Auf dem Dach soll eine Skybar entstehen, aus der sich ein Rundumblick auf Hannover ergibt. Zunächst aber muss das schadstoffbelastete Gebäude mit völlig veralteter Haustechnik mit Millionenaufwand umgebaut werden.

Einst schliefen im Maritim Stars und Sternchen

Die prominente Immobilie gegenüber vom neuen Rathaus war 1965 als luxuriöses Interconti-Hotel der amerikanischen Fluglinie Pan-Am errichtet worden und dann von 1995 bis 2014 ein Grandhotel der Maritim-Kette. Zahlreiche Stars übernachteten dort, von den Rolling Stones über Michael Jackson, Karl Lagerfeld, Boris Becker, Wladimir Putin bis Recep Tayyip Erdogan, Margaret Thatcher und Prinz Andrew. Ob der alte Glanz nach dem Umbau zurückkehrt, ist ungewiss.

Von Conrad von Meding