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Aus der Stadt Experiment geglückt: Anwohner wünschen sich Neuauflage von Kiez statt Kirmes
Hannover Aus der Stadt

Experiment geglückt: Anwohner wünschen sich Neuauflage von Nachbarschaftsfesten Kiez statt Kirmes

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18:24 11.10.2019
Nachbarn treffen Nachbarn: Das Kiez-Fest auf der Königsworther Straße. Quelle: Magdalena Jackstadt
Linden/Calenberger Neustadt/Nordstadt

Fünf Stadtteile, fünf Straßenfeste und fünf Varianten für eine gute Nachbarschaft: Die Veranstaltungsreihe Kiez statt Kirmes in Linden, der Calenberger Neustadt und der Nordstadt ist zu Ende gegangen. Sie war als Experiment angelegt, aus Sicht der Ideengeber ist dieses geglückt – auch wenn die letzte Party am Kötnerholzweg in Linden-Nord wegen Dauerregens ins Wasser gefallen ist. „Dafür hatten wir aber auch viermal bestes Wetter“, sagt Magdalena Jackstadt vom Verein Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit (GfaZ), der die Kiez-Reihe angeschoben hatte. „Grundsätzlich war an allen fünf Orten eine unglaublich schöne Stimmung, und die Nachbarn haben gemeinsam viel auf die Beine gestellt.“

Ein besonderes Miteinander

Bei den Straßenfesten ging es von Ende August bis Ende September nicht nur ums Feiern. Erklärtes Ziel war es, das Miteinander der Menschen in den Quartieren auf besondere Weise zu fördern. „Sie sollten sich besser kennenlernen, ihr Wohnumfeld mitgestalten und auch künftig mehr zusammen unternehmen“, erklärt Jackstadt. Das Kiez-Team hat dabei geholfen. Quasi im öffentlichen Auftrag: Kiez statt Kirmes ist Teil eines Programms des Bundesinnenministeriums, mit dem nachhaltige Quartierskonzepte unterstützt werden. Bundesweit gibt es vier Modellstandorte, Hannover ist einer davon. Dem Trägerverein gehören gut 130 Mitglieder an, darunter das Kulturzentrum Faust, der Hafven, das Bürgerbüro Stadtentwicklung oder der Verein Ökostadt.

Jackstadt betont, dass bestehende Einrichtungen und Institutionen bei den Festen zwar vertreten waren – in der Nordstadt zum Beispiel das Musikzentrum oder die Skatehalle Gleis D. „Doch viele Impulse sind direkt von den Anwohnern gekommen.“ So hätten die Nachbarn der Paulstraße eine große Girlande gebastelt, auf die jeder seine Wünsche für den Stadtteil schreiben konnte. Oder sie wurden kulinarisch aktiv: „Manche haben einfach ihre Wohnzimmertische auf die Straße gestellt und Pizza für alle serviert.“ Andere hätten kleine Geschenke gebastelt und Gemeinschaftsspiele angeboten. Sehr gut angekommen sei eine Aktion von Studenten des Studiengangs Popularmusic: In einem Wohnwagen gaben sie Solokonzerte für einzelne Anwohner. „Auch dabei sind Nachbarn auf Nachbarn getroffen“, sagt Jackstadt. Denn viele der Studenten wohnten im Umfeld der Paulstraße.

Auch im Nachbarschaftsgarten Baulücke in der Calenberger Neustadt wurde gefeiert. Quelle: Marlo Zirr

Wohlfühloase und Dauerregen

In der Calenberger Neustadt gab es im Viertel zwischen Königsworther Straße, Grotefend- und Gerberstraße schon unabhängig vom Kiez-Projekt ein gut funktionierendes Miteinander der Anwohner, etwa im Nachbarschaftsladen Kö20. Für das Straßenfest hatte der Nachbarschaftsgarten Baulücke hinter dem Café Safran in eine Wohlfühloase eingeladen. „Dafür wurden Sitzmöbel gebaut, die dort stehen bleiben sollen“, berichtet Jackstadt. Ein Nachbar hatte eine offene Bühne installiert, auf der Bands auftraten. Diese und andere Ideen seien ebenfalls auf Nachhaltigkeit angelegt: „Die Menschen wollen noch intensiver in Kontakt bleiben.“

Das gilt offenbar auch für die Anwohner und Geschäftsleute rund um den am Kötnerholzweg gelegenen Schmuckplatz, deren Fest so verregnet war. „Sie haben sich vorgenommen, den Platz gemeinsam noch netter zu gestalten“, sagt Jackstadt. Erste Ideen gebe es bereits; diese sollten nun an die Stadt herangetragen werden. In Linden gehörte zur Kiez-Reihe auch ein Klima- und Kulturfest am Peter-Fechter-Ufer in der Nähe des Ihme-Zentrums. In der Nordstadt gab es noch ein großes Kinderfest auf dem Sprengel-Gelände.

Auf dem Sprengel-Gelände übernahmen die Kinder die Regie beim Kiezfest. Quelle: Katrin Kutter

Neuauflage 2020?

Viele Nachbarn hätten sich 2020 eine Neuauflage der Kiez-Feste gewünscht, sagt Jackstadt. Ob die GfaZ wieder die Regie übernimmt, sei noch offen. „Unser Ziel ist es ja, die Menschen anzuregen, selbst aktiv zu werden.“ Sie und ihre Teamkollegen haben schon neue Ideen für Hannovers Quartiere. Eine digitale Plattform, über die Initiativen Räume buchen können, gehört dazu. Oder ein Netzwerk, über das jeder seine Talente und Fähigkeiten oder auch Dinge wie Werkzeug zum Tausch anbieten kann. Eine wichtige Rolle wird der Raumwagen spielen, eine mobile Werkstatt und Bühne, die Architekturstudenten der Universität gebaut haben und die bereits bei den Festen im Einsatz war. Ab Frühjahr soll der Wagen für alle Interessierten online buchbar sein. Bis Ende 2021 hat die GfaZ Zeit, noch mehr Ideen zu verwirklichen – dann läuft das mit 600.000 Euro geförderte Modellprogramm aus.

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