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Aus der Stadt Experten geben Tipps: So funktioniert das Familienleben während der Corona-Epidemie
Hannover Aus der Stadt

Expertentipps: So funktioniert das Familienleben während der Corona-Epidemie

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12:59 11.04.2020
Die Spielplätze sind gesperrt, Kinder können sich dort nicht mehr austoben. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Als Folge der Corona-Pandemie hat sich das Familienleben deutlich verändert: Nicht nur Kindergärten, Schulen und Sportvereine sind geschlossen, auch Freunde können Kinder kaum noch treffen. Das stellt die ganze Familie vor große Herausforderungen. Um damit besser klarzukommen, haben der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Kinderkrankenhauses auf der Bult, Burkhard Neuhaus, und die beiden Psychologinnen Laura Galuschka und Melissa Porschke Tipps erarbeitet, wie Eltern mit ihren Kindern gut durch die schwierige Zeit kommen können.

Ruhig bleiben – Kinder kopieren das Verhalten der Eltern

Gerade für jüngere Kinder ist es schwierig zu verstehen, warum sich das Leben verändert, obwohl die Ursache nicht sichtbar ist. Die Experten von der Bult raten den Eltern, mit ihren Kindern über die Gründe für die Veränderungen zu sprechen. Und die Eltern sollten sich mögliche Ängste anhören. „Je jünger die Kinder sind, desto stärker orientieren sie sich an ihren Eltern“, schreiben die Experten. Wenn die Eltern mit der Situation ruhig und gelassen umgehen können, beruhigt dies auch ihre Kinder. Für Jugendliche sei es wichtig, mit den Eltern über die Folgen der Veränderungen diskutieren zu können.

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Verlässliche Tagesstruktur schafft Sicherheit und Orientierung

Eine verlässliche Tagesstruktur schafft nach Ansicht der Psychologen Sicherheit und Orientierung – besonders, wenn die üblichen Aufgaben entfallen. Sie raten, mit allen Familienmitgliedern einen gemeinsamen Tagesplan zu erstellen. Je jünger die Kinder seien, desto mehr müssten die Eltern die Planung strukturieren. Im Tagesplan sollten Aufwach- und Schlafzeiten, regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten, Lernzeiten für Kinder und Homeoffice oder Hausarbeitszeiten für die Erwachsenen sowie Aktivitätszeiten und Pausenzeiten festgehalten werden. Je eher die Eltern sich daran halten, desto leichter fällt es den Kindern, sagen die Experten.

Bewegung ermöglichen – auch draußen

Bewegung und Sonnenlicht sind aus Sicht der Experten vom Kinderkrankenhaus ein Grundbedürfnis, nicht nur für Kinder. Tägliches Spazierengehen, Joggen oder Radfahren ist bei Einhaltung der Abstandsregeln weiterhin möglich. Eltern könnten auch gemeinsam mit den Kindern überlegen, welche Aktivitäten den Kindern draußen auch ohne Freunde Spaß machen.

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Vielleicht zu Hause mal etwas Neues ausprobieren

Die Zeit zu Hause bietet die Möglichkeit, Dinge zu tun, die Spaß machen und Neues auszuprobieren. Die Psychologen schlagen vor, Ideen zu sammeln. Spielen, Malen, Bewegung drinnen und draußen, Backen, Kochen und Vorlesen könnte allen gemeinsam Spaß machen. Nicht alles könne und müsse gleich gut funktionieren. Die Experten raten, viel Lob zu verteilen, nicht nur für die Kinder.

Kinder lernen auch von Eltern

Wohnungen sind keine Klassenzimmer, und die wenigsten Eltern sind ausgebildete Pädagogen. Trotzdem möchten natürlich Eltern, dass ihre Kinder in Zeiten, in denen eigentlich Schule wäre, etwas lernen. Hier hilft es, feste Lernzeiten zu vereinbaren, sagen die Experten vom Kinderkrankenhaus. Je jünger die Kinder sind, desto eher könnten Eltern Lerninhalte vermitteln, zum Beispiel mit dem Kind lesen üben, Knobelaufgaben lösen oder rechnen. Auch Lehrsendungen im Fernsehen oder Internet können nach Ansicht der Psychologen zumindest etwas helfen. Sie raten Eltern, vor allem die Inhalte zu vermitteln, die sie selbst gut beherrschen. Dazu könnten auch Fähigkeiten wie Kochen, Backen, Werken und Hausarbeit gehören. Dabei sollten die Eltern immer beachten, dass es sich mit Spaß und Freude am leichtesten lernt.

Kontakte pflegen

Auch in Zeiten der Corona-Epidemie ist die Kontaktpflege zu Freunden und zur Verwandtschaft wichtig, zum Beispiel über das Telefon oder per Video-Chat, sagen die Experten. Jüngere Kinder hätten Spaß daran, Bilder zu malen oder Geschenke für die Großeltern oder Nachbarn zu basteln.

Was tun bei Streit?

Gerade Kinder müssen nach Auffassung der Psychologen lernen, ihre Interessen angemessen zu vertreten und auch starke Gefühle auszudrücken. Bis ins frühe Erwachsenenalter würden Auseinandersetzungen in verschiedensten Varianten erprobt, was meist eine Herausforderung für alle Beteiligten ist. Wenn Menschen eng zusammenleben müssen, steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit von Konflikten. Hilfreich ist es, feste Rituale zu vereinbaren. Die Experten schlagen vor, erst einmal in getrennte Zimmer zu gehen, wenn zunächst keine Einigung möglich ist. Erst wenn alle Beteiligten sich beruhigt hätten, werde miteinander geredet. Ein Vorschlag ist es, eine „Familienkonferenz“ abzuhalten: Alle Beteiligten setzen sich in einen Kreis und schildern ihre Ziele und Wünsche. Dann wird vereinbart, wie es weitergehen soll.

Hilfe per Telefon

Wenn in der häuslichen Enge die Probleme zu groß werden, gibt es Hilfen am Telefon:

  • Elterntelefon: (0800) 111 0 550
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: (0800) 116 111
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: (0800 116 016)
  • Telefonseelsorge: (0800) 111 0 111 und (0800) 111 0 222
  • Telefonische Beratung der Stadt Hannover für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern: (0511) 168-45346, Montag bis Donnerstag 9 bis 15 Uhr
  • Schulpsychologischer Dienst, Leitstelle Beratung und Unterstützung der Niedersächsischen Landesschulbehörde: (0541) 770 46-333, Montag bis Donnerstag 9 bis 15.30 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr
  • Telefon- und Onlineberatung der Stadt Hannover für Kinder, Jugendliche und Eltern: (0511) 168-49000, Montag bis Freitag 13 bis 15 Uhr.

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Von Mathias Klein

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