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Aus der Stadt Ein letztes Mal Rock-Theater mit Kiss
Hannover Aus der Stadt

Expo-Plaza: Buntes Rocktheater mit Kiss in Hannover

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00:21 08.06.2019
Maskenball: Kiss auf der Expo-Plaza. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Rumms! Krach! Blitz! Kiss ist da! Schepper! Wummer! Drööööööhn! Die hottest Band in the World! Hat der Ansager angesagt! Dampf! Knatter! Bratz! Die vier größten Comicfiguren des Rock ’n’ Roll kommen von der Decke geschwebt, um sie herum explodiert erst mal alles. Zischel! Züngel! Qualm! Plus Urschrei: „Hääännnover!“ Es kann also losgehen. Der Anfang vom Ende. Denn Kiss ist auf der Schlussrunde angelangt.

Es soll diesmal wirklich die allerletzte Tournee sein. Bassist Gene Simmons ist 69, Gitarrist Paul Stanley zwei Jahre jünger. Das sieht man nicht hinter der dicken Maskerade, aber Simmons sagt, er sei es leid, allein zehn Kilo Plateauschuhwerk über die Bühne zu wuchten. Ist ein Argument. Aber: Auf der Expo-Plaza ist er auf den Monsterdingern noch gut unterwegs. Stampf! Polter! Protz!

Kiss in Hannover Quelle: Frank Wilde

Die Expo-Plaza ist gut, aber nicht ganz gefüllt. 15.000 Fans hat Veranstalter Hannover Concerts gezählt, darunter auch Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions. Viele haben schon mittags mit den Hochschulstudenten im Design Center Kaffee getrunken. Nicht wenige haben sich auch bei Sommertemperaturen dicke Farbe ins Gesicht geschmiert, um ihren vier Helden mit den Masken „Starchild“, „Demon“, Spaceman“ und „Catman“ ähnlich zu sein. Merchandising im Rockgeschäft – wer hat’s erfunden? Kiss ist komplett durchgebrandet, es gibt 5000 lizenzierte Artikel, vom Kondom bis zur Golfbahn. Auf die Frage, ob Kiss mehr „Band or Brand“ sei, hat Simmons mal ganz ernst gesagt: „Ich bin zu reich, um mir darüber Gedanken zu machen.“  

Abschied mit Schall und Rauch: Kiss hat auf der Expo-Plaza mit 15.000 Fans eine bunte, laute, lustige Rock-’n’-Roll-Zirkusshow gezeigt.

Blut spucken, Feuer speien  

Auf der Bühne ist aber klar: Band! „Shout It Out Loud!“ heißt die Parole, Sänger Stanley nimmt Hääännnover sofort mit. Kein Problem: Brüll! Hüpf! Klatsch! Jeder Song hat seine Effektpalette über, unter und hinter den vier Herren, auf einige Aktionen kann die Band genauso wenig verzichten wie auf einige ihrer Songs. Simmons spuckt natürlich dickflüssiges Blut (das tatsächlich ein Mix aus Joghurt und Lebensmittelfarbe sein soll), er speit zu „War Machine“ Feuer (was in seiner Karriere allermeistens, aber zum Leidwesen seiner Haartracht nicht immer gut gegangen ist), und er zeigt seiner beeindruckend langen und beweglichen Zunge bei gefühlt einem Viertel der Show die Expo-Plaza und die feuchtfröhlich feiernden Besucher, die die Metalgrußfingerkombination gen Himmel recken.

Musikalisch gibt es schnurgeraden Hardrock ’n’ Roll, den Kiss in den Siebzigern selbst mitgeprägt hat: „Detroit Rock City“, „I Love It Loud“, „Love Gun“. Wenn man die Bühnenshow dazunimmt, ist es natürlich Glamrock, wobei der immer ein bisschen süßlicher daherkam als Kiss ihn spielte. Dass das Quartett bis auf ausgerechnet den Discorockstampfer „I Was Made For Loving You“ in Deutschland keinen echten Hit hatte – geschenkt. Viel wichtiger war damals sowieso, dass man den Kiss-Starschnitt aus der „Bravo“ lückenlos an der Wand hängen hatte.

Die Fans sind standesgemäß angemalt. Quelle: Frank Wilde

Stanley, die Animiermaschine

Kiss ist ein Hingucker – und eine Animiermaschine. Die beiden alten Herren machen das schon. Ihre deutlich jüngeren Mitstreiter Eric Singer am Schlagzeug und Tommy Thayer an der zweiten Gitarre halten sich vornehm zurück, Simmons, 1949 als Chaim Witz in Haifa geboren, kann auch auf Deutsch mit seinen Fans parlieren. Sein Kollege, der Stanley eigentlich mit Vornamen heißt, pflegt seine Ansagen zwischendurch zu singen und sagt an diesem Abend 80-mal Hääännnover. Willkommen im Rock-Varieté! Oder um es in jeder Hinsicht abschließend mit Kiss und den Fans auf der Expo-Plaza zu sagen: „I Wanna Rock ’n’ Roll All Night – And Party Every Day“.

Von Uwe Janssen

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