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Aus der Stadt Hannovers Forscher hoffen auf Millionen
Hannover Aus der Stadt Hannovers Forscher hoffen auf Millionen
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11:02 28.08.2018
MHH-Forscher Felix Manstein kontrolliert Stammzellen, die im Projekt Rebirth in Bioreaktoren vermehrt werden. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Wenn es klappt, sind die Chancen gewaltig. Die Leibniz-Universität und die Medizinische Hochschule wollen sich gemeinsam als Exzellenzuniversität bewerben – und bei Erfolg längerfristig viele Millionen für die Forschung einstreichen. „Wir sind auf einigen Feldern auf Weltniveau unterwegs“, unterstreicht Uni-Präsident Prof. Volker Epping. Forscherinnen und Forscher in Hannover entwickeln nachwachsende Herzklappen und spüren Gravitationswellen im All nach. Solche anspruchsvollen Ziele lassen sich nur erreichen, wenn Wissenschaftler aus vielen Sparten ihr Können zusammentragen. Das passiert längst auch zwischen beiden Hochschulen. Als Exzellenzverbund könnten sie ihre Zusammenarbeit vertiefen und beim gemeinsamen Auftritt sichtbarer werden. „Das ist eine bedeutende Chance für Stadt und Region, als Standort für Wissenschaft und Innovation wahrgenommen zu werden“, erklärt MHH-Präsident Prof. Christopher Baum.

Hannovers Hochschulen liegen gut im Rennen

Doch bereits vor der Bewerbung ist noch eine Hürde zu nehmen. Bund und Länder wollen mit ihrer Exzellenzstrategie (früher Exzellenzinitiative) Spitzenforschung an Hochschulen stärken. Zum dritten Mal konkurrieren Forscher in Deutschland um Millionenbeträge. Aktuell läuft noch die Bewerbungsrunde für Forschungsgruppen, Exzellenzcluster genannt. Nur wenn MHH und Leibniz-Uni zusammen den Zuschlag für mindestens drei Cluster bekommen, dürfen sie ihren Antrag zur Exzellenzuniversität stellen. Bei Einzelunis reichen zwei Cluster.

Hannovers Hochschulen liegen bisher gut im Rennen, denn dieses Mal durften fünf hiesige Forschergruppen Vollanträge einreichen. In der Vorrunde hatten sich bundesweit insgesamt 195 Forschergruppen beworben, 88 kamen weiter. Nur eine Handvoll Städte hat fünf – oder wie Bonn und Dresden gar sechs – Clusteranträge laufen. „Für uns ist das ganz herausragend“, frohlockt Epping. Die MHH ist mit allen drei Voranträgen weitergekommen, in zweien davon zusammen mit der Leibniz Universität. Die Infektionsforscher treten mit dem Verbund Resist an. Die Hörforscher von Hearing4all bewerben sich zum zweiten Mal gemeinsam mit der Uni Oldenburg, die Regenerationsmediziner von Rebirth gehen bei Erfolg sogar in die dritte Runde. An der Leibniz-Uni will die Gruppe Phoenix-D optische Präzisionsgeräte kostengünstig digitalisiert fertigen – für schnellere Blutanalyse oder auch gezielte Unkrautvernichtung per Laser. Die Forscher von QuantumFrontiers entwickeln neue Messtechnologien auf Nanoebene.

Rennen um die Forschungsmillionen: Die Stunde der Wahrheit naht

Alle stecken bereits tief in ihrem Forschungsfeld und kooperieren mit Kollegen aus anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das ist eine Grundvoraussetzung. „Eine Bewerbung ist nur sinnvoll, wenn ein Cluster mehr als 50 Arbeitsgruppen mit mindestens 25 international ausgewiesenen Experten umfasst“, erklärt Baum.

Doch nun naht im großen Rennen um die Forschungsmillionen die Stunde der Wahrheit. Am 27. September fällt die Entscheidung der Expertenkommission, die 45 bis 50 Exzellenzcluster auswählen will. Dass allein schon der Zuschlag für ein Cluster ein riesiger Gewinn ist, zeigt das Beispiel Rebirth. Zum Verbund gehören inzwischen 54 Arbeitsgruppen, die jeweils an bis zu drei Projekten arbeiten: vom Ersatz für kranke Organe bis zur Krankheitsvorbeugung. In zehn Jahren flossen rund 71 Millionen Euro von Bund und Land. Und: Mit der Strahlkraft des Wortes Exzellenz lassen sich darüber hinaus Drittmittel und internationale Forscher anlocken.

Erfolgreicher Verbund kann mit 15 bis 28 Millionen Euro pro Jahr rechnen

In einem Exzellenzcluster lassen sich Themen vorausdenken und visionär angehen, glaubt Prof. Uwe Morgner, Sprecher der Gruppe Phoenix-D. Denn im Unterschied zur üblichen Forschungsförderung laufen Cluster sieben Jahre mit der Hoffnung auf Verlängerung in der nächsten Runde.

Erste Vorbereitungen für den aufwändigen Antrag zur Exzellenzuniversität laufen bereits seit Herbst 2017, die Bewerbungsfrist endet am 10. Dezember. Noch diskutieren Wissenschaftler beider Hochschulen über die langfristigen gemeinsamen Schwerpunkte. „Die Definition von Zielen ist auf jeden Fall hilfreich unabhängig von der Förderung, weil wir viel Potenzial für Kooperationen sehen“, berichtet Baum. Bis zu elf Exzellenzunis soll es geben. 26 Bewerber wollen in den Ring steigen, sollten sie die Voraussetzungen erfüllen: 24 einzelne Hochschulen sowie Hannover und Berlin als Verbünde. Ein erfolgreicher Verbund kann mit 15 bis 28 Millionen Euro pro Jahr rechnen. Epping gibt sich optimistisch. „Ich denke, dass wir gute Chancen haben.“

Hilfe für kranke Zellen und Organe

Prof. Axel Haverich, Sprecher des Exzellenzclusters Rebirth. Quelle: Katrin Kutter

Die in Hannover entwickelten künstlichen Herzklappen sind bekannt. Im Exzellenzcluster Rebirth (steht für „Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie“) forschen 54 Teams an Wiederherstellung oder Ersatz von geschädigten Zellen, Gewebe und Organen. Im nächsten Schritt wollen die Ärzte und Forscher die gewonnenen Erkenntnisse in die Klinik einführen und vorbeugende Gesundheitsprogramme starten.

Partner: Medizinische Hochschule Hannover, Leibniz-Universität, Laserzentrum Hannover, Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin Hannover (ITEM), Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin Münster, Friedrich-Loeffler-Institut Mariensee, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Infektionen besser therapieren

MHH-Virologe Prof. Thomas Schulz, Sprecher des Verbunds Resist (Resolving Infection Susceptibility). Quelle: HAZ, Hannoversche Allgemeine Zeitung

Die Forscher in der Gruppe Resist wollen besser verstehen, warum manche Menschen besonders anfällig für bestimmte Infektionen sind. Eine Abwehrschwäche gegenüber Krankheitserregern kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Wenn Ärzte die Zusammenhänge erkennen, können sie zukünftig bessere Diagnosen stellen und Therapien individuell auf den Patienten abstimmen.Partner: Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, Twincore (Zentrum für experimentelle und klinische Infektionsforschung) Hannover, Tierärztliche Hochschule Hannover, Zentrum für strukturelle Systembiologie Hamburg und das Centrum für Chronische Imundefizienz Freiburg.

Leichter Hören

Prof. Thomas Lenarz, Sprecher des Exzellenzclusters Hearing4all. Quelle: Schaarschmidt

Vibrierende Hörgeräte, Implantate im Mittelhirn oder elektronische Prothesen im Innenohr: Seit sechs Jahren arbeiten Forscher an einer Vielzahl unterschiedlicher Entwicklungen, die Menschen mit Hörstörungen oder kompletten Hörverlust helfen. Zukünftig wollen die Wissenschaftler im Exzellenzcluster Hearing4all (auf Deutsch „Hören für alle“) verstärkt individuelle Therapien entwickeln, den Hörverlusts im Alter ausbremsen oder auch Smartphones als Hörgerät einsetzen.Partner sind Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Leibniz-Universität, Universität Oldenburg, Fraunhofer ITEM, Laserzentrum Hannover, Tierärztliche Hochschule, Industriepartner.

Optische Geräte aus dem Drucker

Prof. Uwe Morgner, Sprecher des Forschungsverbunds Phoenix-D. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Forscher in der Gruppe PhoenixD wollen hochpräzise Kameras schnell und kostengünstig in additiver Fertigung, also Schicht für Schicht wie im 3D-Druck, herstellen. Bislang entstehen optische Linsen aus Glas und das umgebende Gehäuse in mehreren Arbeitsschritten, oft in Handarbeit. Wenn die Kosten sinken, könnte Präzisionsoptik die Chemie auf dem Acker ersetzen. Ein Sensor erkennt Unkraut, das mit Laserbeschuss am Wachstum gehemmt wird. In der Diagnostik von Krankheiten wiederum ist eine schnellere Blutanalyse denkbar. Partner sind Leibniz-Universität Hannover, Technische Universität Braunschweig, Laserzentrum Hannover, Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik.

Suche nach dem Maß der Dinge

Prof. Karsten Danzmann, Sprecher der Forschungsgruppe Quantum Frontiers. Quelle: Tim Schaarschmidt

Bei Quantum Frontiers befassen sich die Forscher mit neuen Messtechnologien auf Nanoebene (ein Nanometer ist ein Milliardstelmeter). Sie wollen physikalische Grundeinheiten wie Masse, Länge und Zeit im allerkleinsten Maßstab präziser definieren. Die Grundlagenforschung wird sich in vielen Lebensbereichen auswirken, weil sie verbesserte Navigation und Erdbeobachtung, neue Materialentwicklung auf Nanoebene sowie kleinere Halbleitersysteme verspricht, die zentraler Bestandteil fast aller elektrischen Geräte sind. Partner sind Leibniz-Universität, TU Braunschweig, Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig, Laserzentrum Hannover, Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (Universität Bremen), Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik.

Von Bärbel Hilbig

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