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Aus der Stadt Gerichtsparkhaus ist Treffpunkt für Drogensüchtige
Hannover Aus der Stadt Gerichtsparkhaus ist Treffpunkt für Drogensüchtige
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05:00 15.10.2018
In abgelegenen Parknischen setzen sich Drogensüchtige einen Schuss.
In abgelegenen Parknischen setzen sich Drogensüchtige einen Schuss. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Die öffentliche Tiefgarage unter dem Fachgerichtszentrum in der Leonhardtstraße hat sich zu einem problematischen Pflaster entwickelt. Drogensüchtige spritzen sich auf versteckten Abstellplätzen Heroin oder konsumieren andere Drogen, in einigen Ecken stinkt es nach Urin und Fäkalien, auch hat es bereits mehrere Fahrraddiebstähle und Belästigungen von Gerichtsmitarbeitern gegeben. Im November will sich der Leitungsrat der Gerichte – dazu gehören die Präsidenten von Verwaltungs-, Finanz-, Sozial-, Arbeits- und Landesarbeitsgericht – mit den Missständen beschäftigen. Dem Betreiber, der in Berlin angesiedelten Contipark Parkgaragengesellschaft, sind die Zustände im Tiefgeschoss schon länger bekannt. Er versucht dem Problem unter anderem mit verstärkten Kontrollen und häufigeren Reinigungstouren beizukommen.

Probleme im Tiefgeschoss des Fachgerichtszentrums

Rund um das Gerichtsviertel hinter dem Hauptbahnhof befinden sich Anlaufpunkte für Drogensüchtige wie das Stellwerk der Drogen-Hilfsorganisation Step. Auch soll bald schräg gegenüber vom Tiefgarageneingang in der Augustenstraße eine Unterkunft für obdachlose Männer eingerichtet werden, zudem ist die Trinkerszene am Raschplatz verwurzelt. „Besonders nachmittags und abends wird unsere Parkgarage zweckentfremdet“, berichtet Burkhard Lange, Pressesprecher des Verwaltungsgerichts. So würden Junkies auch Wand- und Deckenplatten verrücken, um dahinter Drogen oder Spritzbestecke zu bunkern. Richter, die herumlungernde Gestalten ansprachen, seien von diesen angepöbelt worden. Die Justizwachtmeister dürften nicht eingreifen, da sie im Untergeschoss kein Hausrecht haben. Sorge bereitet dem Pressesprecher das Näherrücken der kalten Jahreszeit: Dann ist eine Tiefgarage für Schutzsuchende ein noch attraktiverer Ort als im Sommer.

Problem existiert schon länger

Der Betreiber Contipark teilte auf Anfrage mit, man sei wegen der „unbefriedigenden Situation“, die man schon vor langer Zeit erkannt habe, ständig im Gespräch mit der zuständigen Immobilienverwaltung, der Polizei und den Verantwortlichen des Stellwerks. Im Verbund mit vermehrten Kontrollen und Reinigungen habe sich die Situation zwar verbessert, doch bekomme man die Lage nicht vollständig in den Griff. Allerdings wolle man weiter daran arbeiten, die „gewünschten hohen Sicherheits- und Sauberkeitsstandards“ zu erreichen.

Die Polizei muss immer wieder in hannoversche Parkhäuser ausrücken, weil dort Junkies oder Obdachlose unterschlüpfen. Das Parkhaus in der Lützowstraße (Steintorviertel) wurde wegen erheblicher Sicherheitsprobleme 2017 sogar kurzfristig geschlossen; dort lagerten Frauen und Männer in den Treppenhäusern, lagen gebrauchte Spritzen herum und stank es erheblich nach Urin und Fäkalien. Inzwischen soll sich die Situation dort verbessert haben – doch die Schwierigkeiten in der Tiefgarage unter dem Fachgerichtszentrum zeigen, dass Parkhäuser auf Junkies und Obdachlose wohl immer eine gewisse Anziehungskraft ausüben werden.

Von Michael Zgoll