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Aus der Stadt Fall Chico: Verfahren gegen Mitarbeiter des Veterinäramts eingestellt
Hannover Aus der Stadt

Fall Chico: Verfahren gegen Mitarbeiter des Veterinäramtes eingestellt

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00:19 24.06.2019
Anfang April 2018 attackierte der Staffordshire-Terrier-Mischling Chico sein Herrchen und dessen Mutter. Beide Opfer starben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Quelle: dpa
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat sich bei den Ermittlungen im Fall der tödlichen Beißattacke des Staffordshire-Terrier-Mischlings Chico viel Zeit genommen und sich intensiv mit dem Fall befasst. Jetzt, knapp 15 Monate nach dem Vorfall in Groß-Buchholz, bei dem ein 27-Jähriger und dessen Mutter getötet worden waren, haben die Strafverfolger die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter des städtischen Veterinäramts eingestellt. Eine fahrlässige Tötung sei ihnen nicht nachzuweisen, teilte die Behörde mit.

Die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter wogen schwer. Sie sollen von der Gefährlichkeit des Hundes gewusst und dennoch nicht genügend unternommen haben, um die Beißattacke zu verhindern. „Wir haben alle Unterlagen ganz genau durchgesehen, mit zahlreichen Zeugen gesprochen und haben jetzt die Verfahren eingestellt“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

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Die Gründe von Chicos Angriff? Unklar

Die Einstellung beruht auf zwei Gründen. Zum einen können die Ermittler bis zum heutigen Tag nicht einwandfrei sagen, warum Chico auf sein Herrchen und dessen Mutter losgegangen ist. Die Untersuchung des Tieres nach der Attacke hatte eine Erkrankung am Maul beziehungsweise an den Zähnen zutage gefördert. „Wir wissen aber nicht, ob diese Erkrankung bereits vor der Attacke bestanden hat und möglicherweise Auslöser für den Angriff war, oder ob sie eine Folge des Beißangriffs gewesen ist“, sagte Klinge. Fest steht nur: Die Mitarbeiter der Stadt wussten von dieser Erkrankung nichts.

27-Jähriger lebte bewusst mit dem gefährlichen Hund zusammen

Zum anderen liegt nach Meinung der Ermittler auch deshalb keine fahrlässige Tötung im Fall der beiden Mitarbeiter des Veterinäramts vor, weil der 27-Jährige sich offenbar bewusst entschieden hatte, mit dem Hund zusammen zu leben – obwohl er von seiner Gefährlichkeit gewusst haben muss. „Es liegen Zeugenaussagen vor, denen zufolge der junge Mann sich nur nachts mit dem Hund auf die Straße getraut hat, um niemanden zu gefährden“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Der Bundesgerichtshof hatte geurteilt, dass keine Fahrlässigkeit von anderen in Betracht kommen kann, wenn jemand zu Schaden kommt, der sich bewusst einer Gefährdung ausgesetzt hat.

Ob die Entscheidung so rechtskräftig wird, hängt vom Rechtsanwalt der Geschwister des 27-Jährigen ab. Er hat die Möglichkeit, zu der Entscheidung Stellung zu nehmen.

Von Tobias Morchner

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