Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Fotos und Videos: So bunt war die Fête de la Musique 2019
Hannover Aus der Stadt

Fête de la Musique 2019 in Hannover: So bunt war die Party

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:26 24.06.2019
Fete de la Musique 2019 Quelle: SAMANTHA_FRANSON
Hannover

 Ja, an diesem längsten Tag des Jahres ist Hannover tatsächlich immer eine City of Music. Hunderttausende haben am Freitag in der Innenstadt die zwölfte Fête de la Musique genossen. „Summertime“ spielte das Rudi B. Szymanek Quintett am späten Nachmittag beschwingt auf der Ballhofbühne – und traf mit dem Jazzstandard die Stimmung in der Stadt.

Fête de la Musique in Hannover – das ist ein Programm der Kontraste

Musik in Hannover, das ist immer auch ein Moment der Kontraste. Ob stimmstarke Chormusik am Hauptbahnhof oder satter Hardrock unter dem gestrengen Antlitz des Schillerdenkmals, ob Fischmarkt-Pogo auf der internationalen Bühne des Kröpcke, freundlicher Bazzookas-Skapunk am Holzmarkt oder Elektrop an der Goseriede: Es herrscht eine friedliche Koexistenz der Stile in der Stadt. Nur das Klassikerlebnis in der Marktkirche litt ein wenig unter den lauten Rockklängen von der Bühne auf dem Altstadt-Marktplatz: Trotz der dicken Backsteinwände hatte das Ensemble Esprit hörbar Mühe, sein Quam Amarum von Giovanni Legrenzi gegen die mit Tausenden Watt verstärkte Powermusik von Cryptex auf der Openairbühne durchzusetzen. Musik verbindet eben, manchmal auch ungewollt durch dicke Mauern.

Ein gut organisiertes Event

Aber sonst? Eitel Sonnenschein in Hannover. Es ist die zwölfte Fête de la Musique in der Stadt, und die Organisatoren rund um Sabine Busmann vom Musikzentrum und den städtischen Eventmanager Ralf Sonnenberg haben längst Routine. 43 Bühnen, vier mehr als im Vorjahr, und geschätzt 1750 Musiker, die umsonst und draußen konzertierten – das ist eine starke Bilanz. Weil immer noch ein paar Spontanmusiker hinzukommen, dürften es am Ende an die 2000 aktive Musikfreunde gewesen sein.

Bei der Fête de la Musique 2019 treten in Hannovers Innenstadt an 43 Spielorten in der Innenstadt insgesamt 1750 Musiker auf. Und Tausende hören zu. Wir zeigen die schönste Bilder.

Ein Völkersignal von Hannovers Bühnen nach Europa

Während große Werke der Musikgeschichte oft mit einem Ritardando ausklingen, legte Hannover zum Schluss nochmal richtig einen drauf. Um 20 Uhr erklang auf zahlreichen Bühnen die Europahymne, Beethovens Ode an die Freude – die Idee aus Hannover ist zeitgleich in zahlreichen deutschen und europäischen Städten umgesetzt worden. Und während spätabends auf dem Goseriedeplatz sich noch Elektrofreunde in Trance tanzten, setzten Tausende Sänger vor dem Hauptbahnhof zum gemeinsamen Nachtsingen an: „Der Mond ist aufgegangen“. Und wie bei „Summertime“ am Nachmittag war der Himmel klar. Weil der Mond aber erst nach Mitternacht aufging, mussten die anderen Lichtpunkte herhalten: „... die goldnen Sternlein prangen“.

Was man gesehen haben muss?

Was sollte man gesehen haben? Hier einige Impressionen in Text, Bild und Video. Mehr Bilder zeigen wir in unserer großen Bildergalerie vom Tag.

Hannovers kleinste Bühne - in der Kröpcke Uhr! Hier ist die Singer-Songwriter-Bühne, und das Duo Hannover-City-Singers passt komplett hinein. Quelle: Conrad von Meding

+++ Hannovers kleinste Bühne – in der Kröpcke-Uhr

Es geht auch reduziert: Die Singer-Songwriter-Bühne ist an der Kröpcke-Uhr angesiedelt. Aber wer sich richtig schlank macht, passt auch als gesamte Formation hinein in Hannovers (rekonstruiertes) Innenstadt-Wahrzeichen. Zum Beispiel das Duo Hannover-City-Singers. Die beiden Musiker bespielen Hannovers kleinste Bühne lebendig und kraftvoll. Tolle Idee!

+++ Und jetzt alle: Hannover singt die Europahymne – und Europa singt mit

Es war eine völkerverbindende Idee der hannoverschen Fête-Organisatoren: Um 20 Uhr stimmten Musiker auf zahlreichen Bühnen in der Innenstadt die Europahymne Ode an die Freude an, und in vielen deutschen und europäischen Fête-Städten taten es ihnen die Musikfreunde gleich. An der Kröpcke-Bühne kannten Hunderte Besucher den Schiller-Text zur Beethoven-Musik auswendig („Freude schöner Götterfunke“), und wer ihn nicht parat hatte, konnte aufs Programmheft zurückgreifen. So richtig laut drang der Massengesang aber nicht durch – das muss Hannover bis zur Fête 2020 nochmal üben.

+++ Druckvolles am Opernhaus

Druckvoll vor der Oper: Andrea Dee und Aaron Knight aus London bespielen die komplette Bühne bei der Fête de la Musique zu zweit. Quelle: Conrad von Meding

Eine große Bühne nur zu zweit zu bespielen, ist alleine schon eine Leistung. Wenn einer der beiden Musiker dann auch noch „nur“ ein Drummer ist, muss es besonders grooven, damit das Musikerlebnis nicht langweilig wird. Andrea Dee am Piano und Mikro sowie Aaron Knight aus London am Schlagwerk haben das auf der PPC-Bühne am Opernhaus extrem druckvoll hinbekommen. Ein Besuch lohnte!

+++ Bazzookas-Skapunk am Holzmarkt

Sie sind seit fünf Jahren einer der heimlichen Höhepunkte der hannoverschen Fête: Die niederländische Skapunk-Formation Bazzookas, die auf dem Dach ihres Bandbusses lautstark fröhliche Stimmung zelebriert und das Publikum zum Lachen, Klatschen und Mittanzen animiert. Ziemlich perfekt vorgetragen, dabei im Kern reine Spaßmusik, aber was soll Musik auch sonst sein?

+++ Tolle Klassik in der Marktkirche – aber von draußen schallt Rock herein

Auf den meisten Bühnen wird Populärmusik gespielt, doch eine Musikfête in Hannover wäre unvollständig ohne gute Klassik. Nur leidet das Musikerlebnis in der Marktkirche ein wenig unter den lauten Rockklängen von der Bühne auf dem Altstadt-Marktplatz: Trotz der dicken Backsteinwände hat das Ensemble Esprit hörbar Mühe, sein Quam Amarum von Giovanni Legrenzi gegen die mit Tausenden Watt verstärkte Powermusik von Cryptex auf der Open.Air-bühne durchzusetzen. Moderator und Publikum versuchen, es gelassen zu nehmen. Musik verbindet eben, manchmal auch ungewollt durch dicke Mauern.

+++ Jazziges auf der Bühne am Ballhof

Hannover hat eine starke Jazz-Szene – und die gibt sich auf dem Ballhofplatz ein Stelldichein. Gekonnt skaliert sich gerade das Rudi B. Szmanek Quintett um den ehemaligen Leiter der IGS Badenstedt durch Jazz-Standards. Das Publikum auf dem Ballhofplatz ist jedes Jahr ungemein entspannt. Bei guten Gesprächen und Sonnenschein, einer Weinschorle oder einem kühlen Weizen wird anspruchsvoller Musik gelauscht – und anerkennend nach jedem Solo geklatscht. Musik ist halt vor allem eines: Genuss. Heute überall in der Stadt.

+++ Elektronische Musik groovt auf dem Goseriedeplatz

Am Nachmittag noch trauten sich nur einige Dutzend den Tanz zu House-, Techno- und Dubrhythmen auf dem Goseriedeplatz zu. Aber je schwächer die Sonne brannte, desto mehr tanzten sich beim Cirque Electrique in Trance, ab 21 Uhr war Megastimmung. 30 DJs legten hier auf, und, ja: An dieser Bühne konnte sich niemand beschweren, dass die Bassboxen nicht kräftig genug ausgelegt sind. Die Tieftöner rumpelten sich durchs Bauchfell direkt in den Magen. Der HAZ-Tipp für solche Events: Getränkeflasche nicht vergessen.

Auch ein Teil der Fete de la Musique 2019 in Hannover: Die inklusive Bühne auf dem Platz Platz der Weltausstellung mit hArt Times. Quelle: Conrad von Meding

+++ Inklusive Bühne auf dem Platz der Weltausstellung

Auch ein Teil der hannoverschen Musikkultur: Die inklusiven Bands, in denen Musiker mit Handicap spielen. Es gibt sie natürlich in zahlreichen Formationen, aber auf dem Platz der Weltausstellung haben sie eine vom Paritätischen organisierte Bühne für sich alleine. Die Band hArt Times legt eine gefühlvolle Version der „Zombies“ von den Cranberries vor, bevor es lauter und rockiger wird.

+++ Reggae auf der Kinder- und Jugendbühne am Steintor – und später Silent Disco

Die Organisatoren haben Liegestühle auf dem Steintorplatz aufgestellt – eine gute Idee bei diesem Wetter. Die Bühne wird von Kinder- und Jugendbands aus dem Raum Hannover bespielt. „Kurz und Knapp“ haben den Auftakt gespielt, dann musizierte sich Track4 in die Ohren des Publikums, anschließend gab es Postpunk. Um 21 Uhr begann dann ein kurioses Spektakel auf dem Platz: Die Silent Disco startete. Drei DJs spielen unterschiedliche Musik, die aber nur über Kopfhörer zu lauschen ist. Für die, die zur Musik tanzen, sieht alles normal aus. Wer aber zuschaut, beobachtet zeitgleich Tanzbewegungen, die zu drei lautlosen Rhythmen ablaufen. Manche sagen, sowas sieht saublöd aus, andere genießen den Anblick einfach.

+++ Laut und stark: Hardrock am Schillerdenkmal

Hannover kann auch laut und rockig: Sleeping Well aus der Leinstadt hat den Besuchern der Fête 2019 erstmal kräftig die Ohren freigeblasen. Fette Fête sozusagen. Kräftige Gitarrenriffs, schnelle Bassdrum, dazu die typischen Posen: Das überwiegend dunkel gekleidete Publikum genoss es sichtlich. Nur an dieser Bühne ging das Programm lautstark bis nach 23 Uhr – aber um zehn nach war auch dort Feierabend.

+++ Finnische Fischmarktmusik auf der Kröpcke Bühne

Am Kröpcke springt schon nach zwei Stücken Stimmung über – finnische Fischmarktstimmung gewissermaßen. Erste Band ist das Zentralorchester Finnischer Fischmärkte, die angeblich immer in Helsinki auf selbigen Märkten zwischen Fisch- und Korngeruch spielen. In Wahrheit kommen sie aus Bielefeld, wo es ja vielleicht ja auch ganz schön sein kann. Den ganzen Nachmittag spielten internationale Bands – denn eigentlich gehört die Bühne Hannovers Partnerstädten und City-of-Music-Städten.

+++ Eröffnung der Fête de la Musique 2019 in Hannover auf der Chorbühne

Vor Hunderten Zuschauern haben Silvia Hoppe und Martin Lüssenhop vom Niedersächsischen Chorverband auf der Bühne vor dem Hauptbahnhof das Programm eröffnet. Den Auftakt bestritt die Formation ROTheute aus Vahrenwald-List mit Arbeiter- und Kinderliedern. Danach geht es im 20-Minuten-Takt mit Gesang weiter: Chöre aus Umlandstädten und von Schulen sowie freie Chöre aus Hannover treten auf, etwa der Coro Hispano Hannover, der Französische Chor Le Clien d´oeil und der Jugendchor der Marktkirche. Das Nachtsingen für alle begann etwas verspätet etwa um um 22.50 Uhr: „Der Mond ist aufgegangen“.

+++ Unsere Übersichtskarte über die Fête de la Musique 2019 in Hannover

+++ Programm bis 23 Uhr bei der Fête de la Musique in Hannover

Auf allen Bühnen wird seit 15 Uhr musiziert. Zapfenstreich ist um 23 Uhr. Das umfangreiche Programmheft gibt es an zahlreichen Stellen sowie im Netz unter diesem Link.

+++ Die Besonderheiten in diesem Jahr:

Plattenflohmarkt am Hohen Ufer: Der Altstadtflohmarkt bietet am Freitagnachmittag als Special einen großen Plattenflohmarkt. Der Anmeldeschluss ist gestern abgelaufen. Verkauft wird alles, was mit Musik zu tun hat.

Flaniermeile am Hohen Ufer: Der frisch umgebaute Bereich wird von angehenden Eventmanagern der Fachhochschule des Mittelstands gestaltet, die Themen lauten „industrial“ und „upcycling“. Das ist einen Blick wert!

Europahymne: Sie wird ab 20 Uhr auf mehreren Bühnen interpretiert und darf mitgesungen werden. Nicht nur in Hannover: Das Musikzentrum, das die Fête organisiert, hat angeregt, dass in 18 deutschen Teilnehmerstädten zeitgleich Beethovens „Ode an die Freude“, interpretiert wird. Inzwischen machen auch zahlreiche Städte in sieben weiteren EU-Ländern mit.

Nachtsingen: Längst eine schöne Tradition zum Abschluss – um 22.40 Uhr beginnt auf der Chorbühne am Hauptbahnhof das gemeinsame Singen, zum Abschluss mit „Der Mond ist aufgegangen“.

+++ Hannover eine der größten Fête-Städte weltweit

In Hannover ist das Dutzend voll: Es ist die zwölfte Fête de la Musique, die hier seit 2007 gefeiert wird. Die Idee stammt ursprünglich aus Paris, inzwischen koordiniert Hannovers Musikzentrum die Lizenzvergabe für alle deutschen Städte. Nach Paris und Berlin soll das Umsonst-und-draußen-Musikfest in Hannover inzwischen zu den größten weltweit gehören.

Lesen Sie auch diese Texte:

HAZ/Juni 2019: So groß wird die Fête de la Musique 2019

HAZ/Juni 2018, mit großer Bildergalerie: So war die Fête de la Musique 2018 in Hannover

Von Conrad von Meding

Beamte der Bundespolizei haben am Donnerstag im hannoverschen Hauptbahnhof einen 57-jährigen Schwarzfahrer festgenommen. Die weiteren Ermittlungen ergaben: Der Mann wurde aktuell in drei Bundesländern gesucht und war unter 15 verschiedenen Namen bekannt.

21.06.2019

Die Polizei hat bei einem nächtlichen Einsatz in Brink-Hafen mithilfe von Spürhunden und einem Hubschrauber vier Einbrecher festgenommen, die in einem Gewerbebetrieb Altmetall stehlen wollten.

21.06.2019

Mehr als ein Jahr nach der tödlichen Beißattacke des Staffordshire-Terrier-Mischlings Chico auf sein Herrchen und dessen Mutter hat die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter des Veterinäramtes eingestellt. Eine fahrlässige Tötung konnte nicht nachgewiesen werden.

24.06.2019