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Aus der Stadt Königliche Speisen? So schmeckt es bei Sissi und Franz
Hannover Aus der Stadt

Finkbeiners Kostprobe: Sissi und Franz in Hannover - Restauranttest

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12:31 05.08.2019
Alpenambiente und Burger auf der Karte: Das Sissi und Franz in der Karmarschstraße überzeugt den Feinschmecker nur mit einigen Gerichten. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Wir kauen auf Burger Ferdinand (9,45 Euro), stellen uns vor, es ist drei Uhr morgens, das Ende einer Kneipentour. Warmer Schmelzkäse kleistert unseren Gaumen aus, die feurige Note der eingelegten Jalapeños sendet beherzte Impulse an unser müdes Gehirn. Dazwischen blitzen weit entfernt herzhafte Röstzwiebeln, saftiges Rindfleisch und kerniges Sesam-Brioche-Bun auf, signalisieren uns selige Kalorienzufuhr, denn im Gespann aus fettigem Käse und scharfer Paprikaschote spielen die anderen Zutaten eine untergeordnete Rolle. Recht zweidimensionale Sache. Gerade genug, um einen eindimensionalen Verstand morgens um drei zu stimulieren. Das Dumme: Es ist nicht drei Uhr morgens, es ist ein Uhr mittags.

Alpenflair mit Burgern

Wir sind bei Sissi und Franz, ein recht neuer Laden auf der Karmarschstraße. Wer daran vorbeiflaniert: nicht irritieren lassen. Das Ambiente (ein Alpenabklatsch samt Geweih, Fell und Kamin) lässt keine Rückschlüsse auf die Speisen zu. Es gibt Burger. Größtenteils. Wobei: Alles ist ja auch Auslegungssache. Wir essen beispielsweise den vegetarischen Burger Mathilde (9,95 Euro), ein bierglashoher Turmbau aus geröstetem Brot, Tomate, Salat, Hirtenkäse und Spinatbratling. Unmöglich unfallfrei mit der Hand zu essen. Wir zerlegen die Speise also in ihre Einzelteile – und sitzen plötzlich vor einer Vesperplatte! Et voilà: alpenländische Küche!

Aber Spaß beiseite. Der Vesperplattenbausatz schmeckt wirklich ganz vorzüglich. Das Brot ist von guter Qualität, der Spinatbratling ist knusprig und herzhaft, die Basilikum-Estragon-Soße ist würzig, aber das Beste: alle Zutaten zahlen auf die exzellenten, hausgemachten halbgetrockneten Tomaten ein. Der deklarierte Bergkäse schmeckt wie handelsüblicher Emmentaler, aber nichtsdestotrotz ist das Gericht eine tolle Kombination aus Frisch- und Fertigware. Dasselbe ließe sich auch über den Burger Amalie (9,45 Euro) sagen. Die Liaison von Röstbrot, Ziegenfrischkäse, Preiselbeeren, Birnenchutney, karamellisierten Walnüssen und argentinischem Pesto funktioniert prima – nur das Fleisch ist knochentrocken.

Saftiger ist das Patty des Skinny Burgers Ludwig, der ohne Brot serviert wird, wobei das nicht viel zu bedeuten hat: Das Rindfleisch hat unter sich ein Rösti, über sich eine Scheibe geschmolzenem Cheddar und ein Spiegelei und wird von ganz exzellenten (im Haus melierten und frittierten) Zwiebelringen gekrönt. Dünn bleibt also nur die Bezeichnung. Separat wird etwas Salat, Essiggurke, Tomate und Burgersoße gereicht. Klar, wenn alle Zutaten frisch gemacht werden, also auch Frikadelle oder Rösti, lassen sich mit dieser Kreation echte Gipfel erreichen, aber auch so schmeckt das ganz ordentlich. Das Gericht muss ja auch am Preis von 10,95 Euro gemessen werden.

Pommes mit Trüffelmayonaise

Es gibt zwar auch Mittagsangebote, aber grundsätzlich werden die Beilagen hier separat geordert. Die Pommes „Pomm Franz“ (3,95 Euro) sind einwandfrei. Weniger glücklich sind wir mit den „Pomm Sissi“ (5,45 Euro), die mit Rucola, Parmesan und einer penetranten Trüffelmayonnaise serviert werden, deren Aroma uns an künstliches Trüffelöl erinnert. Einer Kaiserin eher unwürdig. Das Grilltöpfchen enthält allerlei gebratenes frisches Gemüse, das zwar etwas weich geraten ist, aber ganz gut schmeckt. Der Salat „Bad Ischl“ (3,95 Euro) ist frisch, die Vinaigrette in Ordnung. Bei den Nachos mit Chili con Carne, Sauerrahm, Jalapeños und Guacamole (6,45 Euro) handelt es sich eher um gepimptes Junk-Food. Muss man Fan von sein.

Es gibt bei Sissi und Franz zwar keine Vorspeisen, dafür Desserts. Das weiße Schokoladensoufflé (5,95 Euro) ist eine sehr kompakte Masse, schmeckt vor allem süß, das Erdbeerpüree erinnert an günstige Fertigware. Dafür ist die Waffel Monty (2,95 Euro) sehr gut. Außerdem gibt es diverse „Gipfel-Shakes“. Wir entschließen uns die „Ludwigshöhe“ (7,95 Euro) zu erklimmen, einen Vanilleshake mit Sahnehaube, getoppt von salzigem Karamellsirup. Der obere Glasrand wurde dick mit Nuss-Nougat-Creme beschmiert, daran kleben Salzbrezeln. Das Gipfelkreuz stellt symbolisch ein Schokoladendonut dar, der aufgespießt auf einem Holzstick in die Höhe ragt. Hach, hätte das Restaurant doch nur morgens um drei geöffnet!

Fazit: Ganz ordentliche Burger und gute Shakes in Alpenkitsch-Flair. Kann man machen.

Gesamtnote: 6/10 (Essen: 6, Service: 7, Ambiente: 6)

Restaurants in Hannover: Wo wollen wir heute essen gehen?

Haben Sie Lust mal ein neues Restaurant auszuprobieren? Oder wollen Sie einfach mal sehen, in welchen anderen Stadtteilen von Hannover es vielleicht noch leckere Optionen gibt, um essen zu gehen? Auf dieser Karte der gesammelten HAZ-Kostproben werden Sie sicher fündig.

Sissi und Franz

Karmarschstraße 43a

30159 Hannover

E-Mail: hannover@sissiundfranz.eu

Internet: www.sissiundfranz.eu/hannover

Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 11 bis 0 Uhr, freitags und sonnabends 11 bis 1 Uhr, sonntags 12 bis 0 Uhr

Von Hannes Finkbeiner

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